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Am
11. Januar 2009 wurde die Bahnhofsmission Duisburg beim Empfang des
Neudorfer Bürgervereins von diesem besonders geehrt.
Die Ehrung, zu deren Laudatorin man Petra Weis (MdB SPD, links im
Bild. zweiter von rechts Missionsleiter Torsten Ohletz) gewinnen konnte,
ging an die „Bahnhofsmission Duisburg“. Gewürdigt wurde insbesondere die
offene soziale Arbeit, die von beiden großen Kirchen getragen wird. Nach
einem historischen Rückblick auf die Geschichte der Mission, hob Frau
Weis insbesondere das unermüdliche Engagement der 50 Aktiven der
Duisburger Mission hervor, die heute gesamtgesellschaftliche Aufgaben
erfülle.
Alleine im Jahr 2007 waren es 32.000 Kontakte von Hilfesuchenden! Man
sollte im Zuge der Renovierung auch ein Augenmerk auf eine Renovierung
der Missionsräume werfen, so die Neudorfer Bundestagsabgeordnete.
Wer Weichen
stellt, der gibt eine Richtung vor. Die Deutsche Bahn AG befördert
Menschen. "Die Bahnhofsmission gibt es seit 96 Jahren in Duisburg
und seit 60 Jahren in denselben Räumlichkeiten. Früher gab es noch
das Deutsche Rote Kreuz am Osteingang des Bahnhofes. Das DRK ist
aber inzwischen weg. Früher wurden wir - aufgrund unseres Logos -
auch noch häufiger damit verwechselt," berichtet Bodo Gräßer, neben
Torsten Ohletz einer der Leiter der kirchlichen Einrichtung
"Bahnhofsmission".
"Die Bahnhofsmission ist eine Hilfsorganisation mit kostenlosen
Anlaufstellen auf knapp 100 Bahnhöfen in Deutschland. Weitere
Bahnhofsozialdienste mit ähnlichen Aufgabenfeldern existieren in
Frankreich, der Schweiz, in Österreich und weiteren Ländern Europas.
Hilfsangebote
Die Bahnhofsmissionen in Deutschland bieten ihre Hilfe grundsätzlich
jedem Menschen anonym und kostenlos an und meist zu Tageszeiten, an
denen andere soziale Hilfen nicht verfügbar sind. Das Hilfsangebot
ist niederschwellig, für seine Nutzung sind weder bestimmte
persönliche Voraussetzungen noch bestimmte Problemlagen
erforderlich.
Das Hilfsangebot reicht meist von kleineren Hilfen (Pflaster,
Fahrplanauskünfte, Hilfe beim Ausfüllen von Antragsformularen) über
Reisehilfen (für ältere Menschen, Kranke und Behinderte, Frauen mit
Kinderwagen, alleinreisende Kinder) bis hin zu verweisenden sozialen
Hilfen (Vermittlung in Therapieeinrichtungen, Vermittlung an die
zuständigen Ämter und Behörden).
Die von den einzelnen Bahnhofsmissionen angebotenen Hilfen variieren
zum Teil sehr stark. Während einzelne Bahnhofsmissionen über einen
oder zwei Sozialarbeiter verfügen und dementsprechende Hilfen
anbieten können, stehen anderen Bahnhofsmissionen ausschließlich
ehrenamtlich Mitarbeitende zur Verfügung.
Über die bei weiten Bevölkerungsteilen bekannten Hilfen hinaus
machen einige Bahnhofsmissionen spezielle Angebote, beispielsweise
für Straßenkinder, Prostituierte und Senioren oder alleinreisende
Kinder in den Zügen.
Geschichte der Bahnhofsmission
Die erste evangelische Bahnhofsmission wurde 1894 in Berlin durch
den Pfarrer Johannes Burckhardt gegründet (1897 eröffnete in München
die erste katholisch-evangelische Bahnhofsmission), ursprünglich um
Frauen Schutz und Hilfe zu bieten, die im Zuge der
Industrialisierung in die Städte zogen. Die vom Land stammenden
Frauen suchten nach Möglichkeiten, ihren Lebensunterhalt in den
Städten als Arbeiterinnen in Fabriken der Metall- und Blechindustrie
oder in Anstellungen als Dienstmädchen zu verdienen. Dabei gerieten
viele Mädchen und junge Frauen an unseriöse Arbeitsvermittler mit
zweifelhaften Absichten, die ihnen Arbeit und Unterstützung bei der
Unterbringung anboten, was aber nicht selten in Ausbeutung und/oder
Prostitution endete.
Bereits seit 1882 unterstützten Frauen in Deutschland ratsuchende
Mädchen bei der Suche nach Arbeit und Unterkunft. Diese Frauen
hatten sich nach dem Vorbild der aus der Schweiz stammenden Bewegung
?Freundinnen junger Mädchen� organisiert. In Zusammenarbeit mit
lokalen Trägern wurden vor Ort erste Bahnhofsmissionen gegründet -
als Beistand für junge Frauen und, um dem Mädchenhandel
entgegenzuwirken.
Trägerverein der Evangelischen Deutschen Bahnhofsmission war der
Internationale Verein der Freundinnen junger Mädchen unter der
Protektion der Kaiserin Auguste Viktoria.
Trägerverein der Katholischen Bahnhofsmission war der Deutsche
Nationalverband der katholischen Mädchenschutzvereine. Auch der
Jüdische Frauenbund war auf diesem Gebiet tätig. Bereits einige
Jahre später erweiterte die Bahnhofsmission das Angebot um
allgemeine Hilfen für Reisende. In dieser Zeit betrieben die
Evangelische und die Katholische Kirche strikt getrennte
Bahnhofsmissionen.
1910 wurde schließlich die Konferenz für Kirchliche Bahnhofsmission
in Deutschland (KKBM) gegründet, die die Zusammenarbeit zwischen
evangelischer und katholischer Bahnhofsmission verstärkte. Auf diese
Weise entstand die erste und somit älteste ökumenische Struktur auf
dem Gebiet der offenen sozialen Arbeit. 1911 warben die
Bahnhofsmissionen in den Zugabteilen der 3. und 4. Klassen jedoch
erstmals mit gemeinsamen Plakaten für ihre Arbeit. 1912 gab in 90
deutschen Städten Bahnhofsmissionen.
Der Erste Weltkrieg brachte eine Zäsur: Internationaler Frauenhandel
kam zum Erliegen und Deutschland fiel als Transitland für diese
Zwecke aus. Neues Tätigkeitsfeld der Missionsarbeit wurde die
Betreuung Arbeitsloser, die Schützengräben an der Front ausheben
mussten, von Frauen, die als Munitionsarbeiterinnen in andere Städte
verpflichtet wurden. Nach dem Weltkrieg betreuten die
Bahnhofsmissionen Flüchtlinge, Vertriebene und zurückkehrende
Soldaten. Erstmals wurden neben ehrenamtlichen Mitarbeitenden, die
von nun an verstärkt Fort- und Weiterbildungen erfuhren, auch
hauptamtliche Arbeitskräfte in den Bahnhofsmissionen eingesetzt. In
den Jahren vor der Machtergreifung waren es Landhelfer,
alleinreisende Kinder und arbeitslose Jugendliche, auf die sich das
Augenmerk der Bahnhofsmissionen am meisten richtete. Auf Grund der
Gleichschaltung der Hilfsorganisationen und der Verdrängung der
Arbeit konfessioneller Einrichtungen während des ?Dritten Reiches�
wurde die Arbeit der Bahnhofsmissionen massiv behindert. 1939 wurden
die Bahnhofsmissionen im ?Dritten Reich� endgültig verboten. Die
Aufgaben übernahm die NS-Frauenschaft.
Bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg nahmen einige
Bahnhofsmissionen ihre Arbeit wieder auf, vielfach in provisorischen
Unterkünften, beispielsweise in ausgedienten Eisenbahnwaggons auf
den Bahnhofsgeländen.
Das zweite Verbot der Bahnhofsmissionen fand in den 50er Jahren des
20. Jahrhunderts statt. Es betraf die Einrichtungen in der DDR unter
dem Vorwurf der Spionage für den Westen.
Ab den 60er Jahren erweitern die Bahnhofsmissionen ihr Hilfsangebot
in der Bundesrepublik verstärkt um Reisehilfen für ältere Menschen,
denen es oftmals schwer fällt, allein zwischen zwei Zügen
umzusteigen und gleichzeitig ihr Gepäck zu transportieren. Während
der 70er Jahre gehören immer öfter Arbeitslose zum Klientel der
Bahnhofsmissionen; sie vermitteln keine Arbeitsplätze, bieten aber
Hilfe bei den unterschiedlichsten Folgeerscheinungen der
Arbeitslosigkeit (z.B. Alkoholkrankheit, Überschuldung). Ab den 80er
Jahren kommen Aussiedler und Asylbewerber zum Klientel hinzu.
Während der 90er Jahre werden die Bahnhöfe in Deutschland verstärkt
mit Automaten ausgestattet, was viele Reisende vor Probleme stellt,
da sie die Geräte nicht bedienen können. Der mit der Automatisierung
einher gehende Personalabbau verstärkt die Probleme. Die
Bahnhofsmissionen erweitern ihr Hilfsangebot erneut und tragen dazu
bei, Menschlichkeit am Bahnhof zu erhalten.
Organisation in Deutschland
Die Bahnhofsmission wird gemeinsam von der evangelischen und
katholischen Kirche mit ihren Organisationen Diakonie, Caritas und
IN VIA sowie deren regionalen und lokalen Unterorganisationen
betrieben.
Die Bahnhofsmissionen in Deutschland sind in folgenden Verbänden
organisiert:
* Konferenz für Kirchliche Bahnhofsmission in Deutschland
(bundesweit, ökumenisch)
* Bundesarbeitsgemeinschaft der Katholischen Bahnhofsmissionen
in Deutschland (bundesweit, katholisch)
* Verband der Deutschen Evangelischen Bahnhofsmission e.V.
(bundesweit, evangelisch)
* Diözesan-/Landesverbände IN VIA Katholische
Mädchensozialarbeit e.V. oder Diözesan-Caritasverbände (regional,
katholisch)
* Landesgruppen der Evangelischen Bahnhofsmission (regional,
evangelisch)
Finanzierung
Die Arbeit der Bahnhofsmission wird zum Großteil aus
Kirchensteuereinnahmen über die regionalen und lokalen
Trägerorganisationen und aus direkten Spendenmitteln finanziert. Die
Bahnhofsmission verfügt als einzige Institution über das Recht, ohne
größeren Verwaltungsaufwand an Bahnhöfen in Deutschland zu sammeln.
Das breite Spektrum der Arbeit der Bahnhofsmissionen und die
teilweise ausgedehnten Öffnungszeiten der Einrichtungen ermöglicht
aber vorrangig der Einsatz der ehrenamtlichen Mitarbeitenden, die
etwa 90 Prozent der bundesweit über 2.000 Mitarbeitenden der
Bahnhofsmission stellen," beschreibt die Internetenzyklopädie
Wikipedia die Bahnhofsmission.
"Wir in Duisburg bieten die klassischen Angebote wie Hilfe beim
Bedienen von Automaten oder Ein- und Ausstiegshilfen. Es gibt aber
beispielsweise auch einen Wickelraum für Babys. Außerdem bieten wir
Leuten in schwierigen Lebenslagen Hilfe zur Selbsthilfe, nennen
Adressen von Hilfsangeboten und ermutigen die Ratsuchenden, dort
hinzugehen. Wir haben eine riesige Liste mit Kontaktadressen. Daher
sind wir keine Konkurrenz zu den Angeboten der Bahn. Es ist eher so,
daß wir uns ergänzen," berichtet Gräßer. "Wir sind an dieser Stelle
ein Seismograph für gesellschaftliche Veränderungen. Leute in
finanziellen Notlagen kommen genauso zu uns wie die Kinder aus der
Straßenkinderszene."
Träger dieser lobenswerten Einrichtung sind das Diakonische Werk und
die Caritas. 45 ehrenamtliche Mitarbeiter sind in der Duisburger
Bahnhofsmission, die eine von rund 100 in ganz Deutschland ist,
tätig. Rund 32.000 Kontakte gab es im Jahre 2007. Die Öffnungszeiten
sind von montags bis freitags von 7.30 bis 19.30 Uhr sowie samstags
und sonntags von 7.30 bis 14 Uhr. Die Räumlichkeiten liegen ganz in
der Nähe des Informationsschalters am Haupteingang. |