Stadt- und Quartierentwicklung

 

Das Bahnareal in Wedau-Bissingheim und die unterschiedlichsten Nutzungsszenarien

WOHNBEBAUUNG ALS NEUER LEBENSSPENDER FÜR WEDAU UND BISSINGHEIM

Duisburg, 31. Oktober 2008 - So kann man den Tenor der Bürger grob umschreiben, die am vergangenen Donnerstag im übervollen Gemeindesaal der evangelischen Gemeinde „Trinitatis“ in Wedau den Ausführungen von Planungsamtsleiter Martin Linne (li.) zur künftigen Entwicklung auf dem Gelände des alten Rangierbahnhofs lauschten. Rund 150 Anwohner waren gekommen um seinen Ausführungen zu folgen. „Denn“, so Martin Linne, „es soll, wie auch beim Projekt Duisburg 2027, eine gemeinsame Basis für die Entwicklung auf dem Gelände gefunden werden!“  

Natürlich liegt der Kirchengemeinde aber auch den Geschäftsleuten in den anliegenden Stadtteilen daran, dass sich neue Menschen ansiedeln, damit „wieder Leben einkehrt!“ 

Vorgestellt wurde der erste Entwurf eines Bebauungsplans für das Gelände, wobei seitens der Bürger einer geplanten Wohnbebauung eine höhere Präferenz gegeben wird, als Logistik oder Gewerbeansiedlung. Nicht anfreunden wollte man sich mit Plänen von DUISPORT, auf dem Gelände ein 36 Hektar großes Container-Terminal zu errichten. „Wedau war schon immer ein Garten Stadtteil im Grünen und das soll auch so bleiben!“ so ein Bürger.  

„Auch das Schicksal der rund 300 Kleingärtner im Grenzbereich muss dringend berücksichtigt werden!“ so ein weiterer Zuruf in die Versammlung. 
Die Kirchengemeinde „Trinitatis“ beschäftigt sich mit der geplanten Bebauung schon seit vielen Jahren. In einer öffentlichen Stellungnahme hatte das Presbyterium im Februar die vorliegenden Pläne grundsätzlich begrüßt!

„In den vergangenen Jahren haben die Bevölkerungszahlen in den Stadtteilen Bissingheim und Wedau im Rahmen der städtischen Bevölkerungsentwicklung kontinuierlich abgenommen. Mit der sinkenden Kaufkraft hat sich der Einzelhandel mehr und mehr aus den Stadtteilen zurückgezogen. Die Nahversorgung ist inzwischen gefährdet. Bis zum Jahr 2020 sei ein weiter Rückgang der Bevölkerung um nochmals 25 % zu erwarten!“ so die Befürchtungen. Dieses gefährde die Stadtteilstrukturen, das Leben der Vereine und auch der Kirchengemeinden. 

Alles in allem werden die Bürger aus Wedau und Bissingheim mit Unterstützung der engagierten Presbyter auch in Zukunft intensiv die Entwicklung im Bereich des alten Rangierbahnhofs mitverfolgen. Harald Molder und Harald Jeschke 
 

Die Planungen des Planungsdezernates der Stadt Duisburg

Rund 450  Wohneinheiten (292 Reihen- 114 Doppelhäuser und 44 Appartements) sollen auf dem ca. 60 ha großen Areal, über dass Bahnliegenschaften-Vermarkter Aurelis verfügt und das das EBA (Eisenbahnbundesamt als Bundesvermögensverwalter) erst als Bahnareal entwidmen müsste. Zudem will die Bahn AG bzw. Railon und Duisport etwa 36 ha der Gesamtfläche als  logistischen Standort im Rahmen des Bahn-Masterplans Logistic für sich beanspruchen.
Dagegen haben sich CDU, Grüne und Sozialdemokraten ausgesprochen. Neben der möglichen Verlagerung des Sportvereins ETuS Wedau würden rund 300 Kleingärtner ersatzlos ihre (Pacht)Heimat verlieren. Dagegen laufen die Kleingärtner ("echte Grüne") sowie der Bürgerverein Wedau-Bissingheim unter der Federführung des Vorsitzenden Wolfgang Gebhardt Sturm.

Die demografische Entwicklung in Duisburg führen dazu, dass die Bevölkerung in den Ortsteilen immer älter geworden ist, ein echter Ausgleich durch Geburten wie in den 1960er und 1970 Jahren dagegen nicht mehr verzeichnet wird. Das hat zur Folge, dass immer mehr Einzelhändler kein Auskommen mehr sehen und schließen. Das gefährdet die Nahversorgung vor allem der älteren und nicht mehr so mobilen Einwohner. Mit Bebauungsplänen und Investitionen in den bis zur Schließung des Ausbesserungswerkes Wedau 2004 klassischen Eisenbahnerwohnorten Wedau und Bissingheim versuchen die Deutsche Annington als Nachfolger der Wohnungsgesellschaft Ruhr-Niederrhein im Verbund mit der Stadt Neuansiedlung dem entgegen zu steuern.


Erste Planungen 
Die Entwicklung sieht weiterhin vor, dass parallel zwischen der verbleibenden Bahntrasse und der geänderten Trasse der Masurenallee eine städtebauliche Kante in südlicher Fortführung des Railion-Gebäudes den Abschluss bildet.
Ab dem Railion-Gebäude wird die Masurenallee in südlicher Richtung zur Erschließung der geplanten Gebäude geradlinig auf einer neuen Trasse geführt. Aus der ehemaligen Trasse wird eine Promenade für Fußgänger und Radfahrer. Gleichzeit wird das Wohngebiet am Dirschauer Weg östlich der Regattabahn spürbar vom Durchgangsverkehr entlastet.
Ein weiterer wesentlicher Aspekt der Gesamtentwicklung ist die Ansiedlung neuer Unternehmen, entweder aus dem universitätsnahen Umfeld mit den Bereichen Forschung und Entwicklung (F&E) - als sogenanntes Spin-off-Unternehmen - oder als Betriebsverlagerung bereits bestehender Unternehmen. Der Bedarf für ein Gebiet zur Ansiedlung dieser Unternehmen ist vorhanden und es besteht die Chance auf die Entwicklung eines Technologiezentrums, wie es im universitären Umfeld anderer Städte vielfach vorhanden ist (z.B. Dortmund).
Dabei liegt in Duisburg ein besonderer Fokus auf der Brennstoffzellentechnologie, die im Zusammenhang mit dem Sportpark Wedau erprobt und anwendungsbezogen eingesetzt werden soll. Die derzeitigen Vorstellungen gehen in Richtung einer Wasserstofftankstelle, die den Fuhrpark des Sportpark Wedau (Fahrzeuge und Boote mit Brennstoffzellentechnologie) versorgen soll. Im Zuge des technologischen Fortschritts sollen auch die Anwendungen weiter entwickelt werden, dass letztendlich die Pumpen der Wildwasseranlage selbst dadurch betrieben werden.
Südlich der Wildwasseranlage befindet sich die sogenannte große Wiese in dem Bereich, der wegen der vorhandenen Fundamente der Halle des ehemaligen Ausbesserungswerks für eine bauliche Nutzung nicht in Frage kommt. Die große Wiese wird multifunktional nutzbar sein - für informelle sportliche Betätigungen ebenso, wie für Großveranstaltungen. Im Zusammenhang mit den geplanten Sanitärgebäuden ist sie als temporärer Campingplatz! Wohnmobilpark nutzbar. Hierdurch wird die Attraktivität des Sportpark Wedau für die Durchführung sportlicher Großveranstaltungen erheblich gesteigert.
Bis zur Sicherstellung der Finanzierung und der abschließenden Planung der Wildwasseranlage Wedau kann der gesamte Bereich vorübergehend als Wiesenfläche gestaltet werden. Der Abriss der Werkshallen würde ein Zeichen zur Umgestaltung des Areals setzen. Für die Planung der Wildwasseranlage kann die in diesem Teilbereich temporäre Wiesenfläche als Standort dienen. Dann stünde zwischenzeitlich ein sehr weitläufiges Areal zur Verfügung, das alleine schon dem Sportpark Wedau, dem benachbarten Technologiepark und der neuen Jugendherberge einen positiven Image- und Standortfaktor gibt.
Es finden Gespräche mit dem Deutschen Jugendherbergswerk (DJH) statt, deren Ziel ist, die
Möglichkeiten zur Ansiedlung der neuen Jugendherberge Duisburg-Süd im Bereich des
Bebauungsplans Nr. 1060 zu überprüfen. Aktuell befinden sich die Überlegungen in einem
sehr frühen Stadium und werden zu gegebener Zeit mit einer separaten Vorlage mitgeteilt.
Parallel gibt es seitens der Deutsche Bahn AG (DB AG) Überlegungen, einen neuen Bahnhaltepunkt in diesem Bereich zu errichten, der alle Anforderungen an eine zeitgemäße Gestaltung und Erreichbarkeit erfüllen wird.
Dieser wäre dann sowohl auf den neuen Technologiebereich inklusive des Railion-Gebäudes, als auch auf die Erweiterungsflächen des Sportparks bezogen.
Ein möglicher Standort könnte sich südlich von Ralion befinden, der sowohl den Sportpark als auch den gewerblich-städtebaulichen Bereich anbindet.
Die Einrichtung dieses neuen Haltepunktes steht auch im Zusammenhang mit den Überlegungen der DB AG zum Bahnhof Wedau. Das Gebäude ist optisch in einem sehr schlechten Zustand und wird in Kürze an einen privaten Investor verkauft. Entscheidend für den Verkauf sind die aus Gründen des Brandschutzes erforderlichen Investitionen. Der Zugang zu den Gleisen wird daher durch das Gebäude nicht mehr möglich sein, sondern ausschließlich über die Bissingheimer Straße. Die Wegstrecke zwischen dem Eingang zum Bahnhofsgebäude und dem vorhandenen Gleiszugang an der Bissingheimer Straße beträgt ca. 300m. Von den ca. 450 Personen, die den Haltepunkt werktäglich nutzen, haben jedoch die Wenigsten den Bezug zu Wedau.
In einer Übergangsphase bis zur Errichtung des neuen Haltepunktes werden zwei mögliche Alternativen gesehen, um die Folgen der Schließung des Zugangs durch das Bahnhofsgebäude zu mildern:

> Die Einrichtung eines alternativen Gleiszugangs im Umfeld des Bahnhofsgebäudes; auch unter der Voraussetzung, dass hier kein behindertengerechter Ausbau erfolgen wird.

> Verlegung des Anhaltepunktes für den Zug in Richtung Bissingheim, damit die
Fahrgäste auf dem Bahnsteig kürzere Wege zum Zug haben. Diese Maßnahme wird bahnintern geprüft, da Bremswege und entspr. Sicherheitszuschläge zu berechnen sind.

Die Aktivitäten am jetzigen Haltepunkt Wedau können vor dem Hintergrund der Wohnungsbauentwicklung im Bereich des ehemaligen Rangierbahnhofs einen eher provisorischen Charakter haben. Der in diesem Zusammenhang von Wedau aus besser erreichbare Haltepunkt Bissingheim kann die heutige Funktion des Haltepunktes Wedau überkompensieren.