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Essener Signal: „Raus aus den Schulden“ - Von Harald Jeschke |
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Essen/Duisburg, 19. Februar 20010 -
"Bei
der Konsolidierung der Haushalte müssen die
Was es aber geben sollte, schrieb er den anwesenden Oberbürgermeistern beiderlei Geschlechts, den jeweiligen Kämmerern der 18 Kommunen, den anwesenden Landespolitikern und den Aufsichtsbehördenvertreter ins Stammbuch: "Kassenkredite sind im Grunde rechtswidrig. Es muss ein Abbau der strukturellen Unterfinanzierung her, es muss klare Regeln geben, ein Verschuldungsprogramm, ein Politikforum, die Einbeziehung der Bürger - "warum den Bürger nicht mit 50 oder 60 Euro im Jahr bei der Grundsteuerr höher belasten?" - und eine unabhängige Haushaltsaufsicht!"
Das Podium mit Duisburgs
Kämmerer Dr. Peter Langner (zweiter von rechts) Seit Jahren ist in einzelnen Städten und Gemeinden eine finanzielle Abwärtsspirale in Gang. Mittlerweile werden von ihr immer mehr Kommunen erfasst. Die sich derzeit neu auftuenden Haushaltslöcher sind dabei nicht auf kommunales Fehlverhalten, sondern auf konjunkturelle Einflüsse, Versagen des Bankensektors, steuerpolitische Eingriffe des Bundes, finanzielle Belastungen durch Land und Bund und letztlich eine generelle Unterfinanzierung der Kommunen zurückzuführen. Sie übersteigen das Maß an kurzfristigen Einsparmöglichkeiten in den Kommunen. Damit droht ein Flächenbrand kommunaler Notlagen mit hohem sozialen Sprengstoff. Die Abwärtsspirale hat in den im Aktionsbündnis zusammengeschlossenen Städten mit ihren 4,5 Millionen Einwohnern zu Kassenkreditschulden in Höhe von 10,4 Milliarden Euro geführt. Das entspricht bei 5,9 % der Einwohner aller deutschen Städte und Gemeinden (ohne Stadtstaaten) 32,9 % der bundesweiten kommunalen Kassenkredite. Durch diese Belastung wird die Lebensqualität der Bürger in diesen struktur- und finanzschwachen Kommunen massiv gemindert. Beispielsweise · müssen Kindergartenbeiträge steigen, während andernorts die beitragsfreie Betreuung propagiert wird, · können Investitionsfördermittel für wichtige Infrastrukturprojekte nicht mehr beantragt werden, weil kein Geld für die notwendigen Eigenanteile vorhanden ist, · ist eine solide Personalentwicklungspolitik und Nachwuchsausbildung in den Stadtverwaltungen nicht mehr möglich, weil qualifiziertes Personal in Kommunen mit größeren Aufstiegsperspektiven abwandert. Die betroffenen Kommunen erfahren dadurch eine massive Benachteiligung im Standortwettbewerb. Der Strukturwandel wird nicht nur ausgebremst, die Pflicht zur Zahlung des Solidarbeitrages an Ostdeutschland entzieht den Städten und Gemeinden sogar noch Mittel bzw. treibt die Schuldenspirale zusätzlich an. Das alles verschärft die Probleme. Die kleinteiligen Mittel und Instrumente der Kommunalaufsicht greifen hier nicht mehr, denn sie ändern nichts an der strukturellen Unterfinanzierung. Deren Lösung wäre aber die Voraussetzung für eine erfolgreiche Haushaltskonsolidierung. In dieser Situation ist schnelles und konzertiertes Handeln notwendig, um die Abwärtsspirale zu stoppen und ein völliges Wegbrechen der kommunalen Selbstverwaltung zu verhindern. Jedes weitere Warten bedeutet, dass die zu bewältigenden Probleme nur noch größer und Lösungen noch teurer werden. Sofortmaßnahmen wie die Beteiligung des Bundes an den tatsächlichen Kosten der Unterkunft sind zur Sicherung der Handlungsfähigkeit notwendig. Ein grundsätzliches Umsteuern ist in gegenwärtigen Krisensituation jedoch kaum möglich. Dafür müssen aber jetzt unverzüglich Konzepte und Maßnahmen vorbereitet werden, um mit der wirtschaftlichen Entspannung sofort mit der Behebung der strukturellen Defizite beginnen zu können. Die Städte des Ruhrgebietes und des Bergischen Landes wollen mit dem Aktionsbündnis „Raus aus den Schulden“ konkrete Schritte zur Lösung der Probleme gehen. Mit dem „Essener Signal“ setzt das Aktionsbündnis ein weiteres Zeichen auf diesem Weg. Es ist · Hilferuf zur Entschuldung: Gemeinsam mit den Kommunen sollen Landtag und Landesregierung einen Entschuldungsfonds einrichten. Dieser soll in einem Zeitraum von 10 Jahren zu einem weitgehenden Abbau der Kassenkredite führen. Der Entschuldungsfonds besteht aus einer Zins- und einer Tilgungshilfe. Ein wirksamer Entschuldungsfonds benötigt einen Landesbeitrag von mindestens 800 Millionen Euro pro Jahr als Grundstock. · Eigenverpflichtung zur Fortführung der Konsolidierungsmaßnahmen: Eine Hilfe zur Entschuldung der Städte und Gemeinden kann nicht ohne Gegenleistung gewährt werden. Die Kommunen selbst werden alle Potenziale, die zur Kostensenkung beitragen können, prüfen und wenn verantwortbar nutzen. Hierbei darf es keine Tabus hinsichtlich aller Aufgaben, der Organisationsstrukturen oder lokaler Empfindlichkeiten bei der Entwicklung interkommunaler Kooperationen geben. · Forderung eines Abbaus der strukturellen Unterfinanzierung im Gemeindefinanzsystem: Insbesondere im Sozialbereich erdrücken die steigenden Ausgaben die kommunalen Haushalte. Hier gilt es, kurzfristig Entlastung zu schaffen. Angesichts dauerhaft knapper Finanzmittel sind Land, Bund und die Europäische Union aber auch aufgefordert, generell die pflichtigen Aufgaben- und Standardvorgaben für kommunales Handeln aussetzen, denn kommunales Handeln erfordert kommunale Handlungsmöglichkeiten. Nur dann kann wirkungsvoll gespart werden. Aufgaben, Ausgaben und Einnahmen müssen dauerhaft in Einklang gebracht werden. Raus aus den Schulden heißt, eine Kraftanstrengung zur Wiedererlangung der kommunalen Selbstverwaltung zu unternehmen. Findet diese nicht statt, werden die Bürger in den Städten des Aktionsbündnisses „Raus aus den Schulden“ immer mehr auf vieles verzichten müssen, was andernorts „normal“ ist. Der Weg in eine kommunale Zwei-Klassen-Gesellschaft ist bereits in vollem Gang.
Die
Landesregierung ist aufgefordert, das „Essener Signal“
aufzugreifen. Die Kommunen erwarten bis März ein
verbindliches politisches Signal zu einem
Entschuldungsprogramm.
„Essener Signal" fordert vom Land
Hilfe „Wir müssen unsere Städte vor dem Absturz in den Abgrund bewahren. Wenn die Lebensqualität in den Kommunen nicht mehr stimmt, droht dem gesamten Staat Gefahr. Wer in Berlin und in Düsseldorf Verantwortung trägt, muss endlich begreifen, dass die Städte und Gemeinden nicht länger im Stich gelassen werden dürfen“, so Dagmar Mühlenfeld. „Zurzeit ist die finanzielle Decke, mit denen die Kommunen ausgestattet sind, einfach zu kurz – egal wie man sie zieht, dreht oder legt“, so Essens Oberbürgermeister Reinhard Paß. |
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Rede der Präsidentin des Deutschen Städtetages, |
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„Städtische Finanznot und kein Ende?“ Die Ursachen für die aktuelle Entwicklung liegen vor allem in der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise: Die Steuereinnahmen der Kommunen sind im Jahr 2009 um rund 10 Prozent eingebrochen – stärker als die Einnahmen von Bund und Ländern. Besonders dramatisch ist die Entwicklung der Einnahmen aus der Gewerbesteuer: Sie gingen im Jahr 2009 um rund 17 Prozent zurück, in einzelnen Städten sogar um 40 Prozent oder mehr. Für das Jahr 2010 rechnen wir mit einem weiteren Rückgang der Steuereinnahmen um 5 Prozent.
Gleichzeitig steigen die kommunalen
Sozialausgaben unaufhörlich: auf rund 40 Milliarden Euro im
Jahr 2009 und weiter auf 41,6 Milliarden Euro in diesem
Jahr. Auch wenn Wirtschaftsforscher mit vorsichtigem
Optimismus erklären, dass die Talsohle der Wirtschaftskrise
durchschritten ist – für die Kommunalfinanzen gibt es keinen
Grund zur Entwarnung. |