Historisches über TuRa 88 Duisburg

 

 

TuRa 88 —TuRas “Deudorfer Domizilwechsel“
Von “Weßen Raben“ zur Fussballnationalmannschaft - von Harald Jeschke

Aus der Neudorfer Chronik "op de Heid" - Herausgeber 2005 Neudorfer Bürgerverein e.V.


Zur Gründungszeit der Turnvereine und der ersten zaghaften “Gehversuche“ im Fußballsport tat sich - so Duisburger Sport-Chronisten - der Stadtteil Neudorf hervor.

Die Lage abseits des zentralen Stadtgebietes war ideal für die jungen Sportler, die sich der neuen Sportart zugetan fühlten. Hier waren sie noch relativ unbeobachtet. So waren in Neudorf die Gebrüder Fischer - auch deshalb Fischerklub genannt - Auslöser des Neudorfer Fußballklubs. Sie bastelten die ersten Tore (zwei Stangen wurden einfach etwas über Kopfhöhe mit einem Seil verbunden) und mit den Pastoren Klucken und Döring, Paul Ansbach, Willy Knehe und Heinrich Brands entstand der Neudorfer Fußballklub 1899, bei dem sich die Spieler Heinrich Kremer, Theo Scholten und die Gebrüder Löhr weit über die Grenzen Neudorfs hinaus einen Namen machten.

Turnlehrer und Sportdirektor Max Vogels war Unterstützer und späterer “Regelgeber“, der trotz vieler Anfeindungen aus dem Bereich der Turner den “wilden Spielbetrieb“ der Fußballer in geordnete Bahnen lenkte. Dem Neudorfer Fußballklub 1899 gelang die Integration der neuen Fußbailabteilung mit den Turnern, was Duisburgs Lokalpresse mit dem Obertitel “Weiße Raben“ bezeichnete. Aus diesen Anfangszeiten ging 1921 der Zusammenschluss mit der Duisburger Turnverein 1848 hervor.

So ähnlich erging es TuRa 88. Der Ursprung des Vereins war der Neudorfer Turnverein 1848. Die Turner Fritz Korbmacher, Peter Herbertz, Heinrich Mieser, Otto Meier, Wilhelm Lohoff Bernhard Heimann waren die Gründer und zugleich der erste Vorstand.
Der Übertritt von 13 Fußballern des Fußballclubs Borussia im Jahre 1909 war quasi die Gründung der Fußballabteilung.

Der Turn- und Rasenspielverein (TuRa) 88 Duisburg war ursprünglich unter dem Namen Turnverein 1888 ins Leben worden. Dies am wohl besten Tag für alle Brauchtumsvereine nämlich am 11. November des Jahres 1888. Initiator war Peter Herbertz, die 42 Gründungsmitglieder wählten Fritz Korbmacher zum ersten Vorsitzenden. Das Vereinslokal war die Gaststätte Heinrich Mieser an der Neudorfer Straße 113 (später auch Thüringer Hof). Die erste Übungsstunde fand am 21. November im 1888 im “Turnlokal“ Gaststätte Heinrich Mieser statt.

1891 wurde für 500 Goldmark bei der Bonner Fahnenfabrik eine Fahne bestellt und am 11. 11. 1891 geweiht. Auf dieser Fahne stand um das Vereinswappen in der Mitte herum Turn-Verein Neudorf-Duisburg geschrieben. 

Der Verein hatte seinen Spielplatz hinter der Aktienstraße, verlor diesen aber durch Bebauung im 1919. So siedelte man auf den Lotharplatz um, was aber zu chaotischen Zuständen führte, da der städtische Platz hoffnungslos überlastet war. Ein geregelter Spielbetrieb war nicht möglich.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde zunächst 1919 dem Westdeutschen Spielverband beigetreten. Es folgte am 1. Juni 1920 der Zusammenschluss mit dem Neudorfer Turnverein 1888 und dem Rasensortverein 07. Dadurch wurde der Verein in “Turn- und Rasensportverein 88“ umbenannt. Der Rasenspielverein bekam neben der Kettenfabrik d‘Hone eine neue Sportanlage.

Zum 40-jährigen Vereinsjubiläum 1928 wurde in gleich drei Neudorfer Gaststätten gefeiert. So im Thüringer Hof und dem Restaurant „Waldschlößchen“ an der Neudorfer Straße sowie im Restaurant „Steinbruch“ an der Lotharstraße. Im Jubiläumsjahr wurde die Fusion mit dem Nachbarverein “Viktoria Kellermann“ perfekt gemacht, was zur Namensänderung in Turn- und Spielvereinigung 88 e.V. Duisburg führte.

Unter den Nazis gab es 1934 am 21. März die ersten Arbeiten Kaiserberg für die Reichsautobahn, am 12. Mai die Einweihung des Duisburger Tierparks, die Inbetriebnahme des Duisburger Bahnhofs mit neuem Gesicht und durch den Sportdirektor

Hirschmann die Zwangsvereinigung mit dem Ballspielverein Hertha Duisburg, was zum neuen Namen Neudorfer Turn- und Ballverein 88 e.V. Duisburg führte.
Nach der “Gleichschaltung“ und der erzwungenen Ämterniederlegung vom Vorsitzenden Georg Böker (später Namensgeber Anlage an der Lotharstraße/Kammerstraße) und Jugendleiter Fritz Kraft wurde ein kommissarischer Vorsitzender eingesetzt.

Fritz Kraft führte zwar trotz Auflage die Jugendabteilung weiter, was zur Sperrung der Abteilung führte. Die Jugendabteilung wurde von der Hitlerjugend übernommen. Das 50-jährige Jubiläum wird 1938 im Restaurant Bütefür an der Koloniestraße gefeiert.

Nach dem Krieg geht die Wanderschaft weiter. Vor dem Nichts stehend startete der Verein aber wieder unter dem heutigen Namen Turn- und Rasenspielverein (TuRa) 88 Duisburg in eine neue Epoche. Der Spielort war nach Zuweisung durch die Stadtverwaltung erneut woanders, diesmal wieder am Lotharplatz. 1948 wird das 60-jährige Bestehen im Restaurant “Wintergarten“ an der Monning gefeiert.

Am 10. August 1952 ist es aber soweit: TuRa 88 erhält ein neues Domizil. Mit einer feierlichen Zeremonie hält der Verein auf der Anlage Lotharstraße/Kammerstraße Einzug.

Ein Aufhorchen gab es in der gesamten Stadt — und darüber hinaus—, als aus der Fußballabteilung Talente ihren Weg ganz nach oben fanden, bedauerlicherweise war dies stets mit einem Weggang von der Kammerstraße verbunden.
So wurde 1981 der spätere Spieler des MSV Duisburg. FC Bayern München und der Nationalmannschaft Thomas Strunz als C-Jugendlicher an die Westender Straße zum MSV Duisburg abgegeben.
Schon vor ihm hatte 1979 eben falls als C-Jugendlicher Michael Struckmann den Weg zur Westen- der Straße eingeschlagen und fasste beim MSV Fuß.

Unter großer Anteilnahme seitens der Stadt, der Wirtschaft und der Politik wurde am Sonntag, dem 16. Oktober 1988 in der Mehrzweckhalle der Gesamtschule Duisburg-Neudorf an der Pappenstraße das 100-Jährige gefeiert.
Dem Neudorfer Verein von der Kammerstraße gelang unter der Regie von Trainer Ralf Kessen in der Fußballsaison 2004/2005 endlich der große Wurf mit der Aufstieg in die Landesliga und aktuell 2007/08 in die Verbandsliga, die zur Saison 2008/09 Niederrheinliga heißen wird.