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Kommentare und
Leserbriefe zu
aktuellen Anlässen |
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Fingerspitzengefühl
und sensibleres Handeln gefragt |
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Duisburg,
11. August 2010 - Kaum ein Tag vergeht in der Nach-Loveparade-Zeit in
der gebeutelten Stadt, ohne dass nicht in irgendeinem Medium
Negatives über Duisburg geschrieben, gesendet oder gesprochen
wird.
Schuldzuweisungen hier, Versteckspiel dort und zwischendurch
staunt der Duisburger nur noch. Da werden von den Befürwortern
und obersten Bürgern der Stadt Gutachten nach Gutsherrenart
vergeben, um doch noch irgendwie ein bisschen hier oder da rein
gewaschen zu erscheinen. Da stellt sich die Frage wer das
gezahlt hat und wer noch so viele Unterlagen der nachweisbaren Art
besitzt, um daraus Gutachten erstellen zu lassen, die der
Staatsanwaltschaft hätten zugeliefert werden müssen.
Oder hat
die Staatsanwaltschaft gar nicht die Originalunterlagen? Oder
wurde einfach nur nicht genau gesucht und beschlagnahmt? Wenn
doch, stellt sich die Frage, welche zweitrangigen Belege oder
Kopien wurden dann der Kanzlei zur Verfügung gestellt?
In der
Stadt wird die Bezeichnung "Bananenrepublik Duisburg" immer
offener gehandelt.
Dann gibt es da noch die Grünen, die seit der Kommunalwahl 2009
nicht wissen ob sie nun grün oder schwarz abstimmen sollen.
Zumindest schwarz geärgert haben sich einige Ratsmitglieder der
Grünen schon. Ist es doch schon äußerst merkwürdig, wenn sich
der kleinere Teil der Fraktion so mir nichts dir nichts das
Recht herausnimmt, eine Stellungnahme für alle Duisburger Grünen
zum OB hinauszuposaunen und wie in den Jahren zuvor sich voll
hinter den OB zu stellen. Warum sind Frau Janicki und Herr
Kantel nicht schon längst CDU-Mitglieder geworden? Es wäre der
direkte und ehrlichere Weg.
Natürlich darf es keine Vorverurteilung geben. Natürlich darf es
nicht dazu kommen, dass Morddrohungen ausgesprochen werden oder
Galgen öffentlich gezeigt werden. Davon muss sich jeder Bürger
distanzieren. Es geht
hier einfach um Moral und Zivilcourage und um ein
anständiges Auftreten der Stadtoberen im Umgang mit dieser
Tragödie. Wo wir wieder beim Fingerspitzengefühl der besonderen
Art sind. Kaum zu glauben, dass bei der Zusammensetzung
des „Bürgerkreis Gedenken“
die Protagonisten es nicht wahrhaben
wollen, dass sie alle stark mit dem OB verbandelt waren und noch
sind. Die sich nun an die Spitze der
betroffenen Bürger Duisburgs stellen, um humane Maßnahmen aus der
Bürgerschaft umzusetzen, gehen fehl in der Annahme, dass der
Bürger nicht lesen kann. "Da sind doch alles dicke Freunde von
Herrn Sauerland am Werk, die meisten auch der CDU angehörig. Das
kann doch so nicht wahr sein. Wieso ist kein neutraler
Kirchenvertreter dabei", wird seit einigen Tagen nachgefragt.
Wenn man die Bedenken der Skeptiker anbringt, will man in diesem
Zirkel davon nichts hören und schon gar nicht, dass vielleicht
noch jemand hinzukommt. "Es sind doch schon zu viele dabei",
wird bemäkelt. Man will wohl eher abschotten. Von sensibler Ausgewogenheit
oder gar angebrachter eigener Zurückhaltung in der Personenfrage,
so wie es bei der Trauerfeier in der Salvatorkirche der Fall war,
ist nichts zu erkennen. Das ist traurig, wirft kein gutes Licht
auf die angedachte Hilfsaktion. Auch deshalb gibt es mehr als
einen Duisburger, der diesem Wirken nicht mehr traut und selbst
aktiv wird in Hinsicht auf Spenden oder Gedenken. Auch nicht
verwunderlich. Das alles passt derzeit zum
Bild der Stadt. Der Gipfel der Unverfrorenheit ist die geplante
Verpflichtung eines Medienfachmannes, der Duisburgs Image
aufpolieren soll. Das Geld hierfür sollte tunlichst den
Hinterbliebenen zugestanden werden. Und: Wenn man zum
Pressereferat der Stadt Vertrauen hat, lässt man die erfahrenen
Frauen und Männer einfach ohne den Einfluss des OB wirken.
Erstens werden diese dafür bezahlt und zweitens geht das
garantiert. Das Ganze mutiert immer mehr
zur Farce oder wird zum traurigen Aushängeschild.
So
sollte es nicht sein. Aber man hat den
Eindruck, dass Duisburg damit noch lange nicht das Ende der
Fahnenstange erreicht hat. Da kommt noch viel mehr. Als Beispiel
mag die kommende Arbeit des Rates als "Horrorszenario" gelten.
Wer sich vor Augen hält, wie ein nicht abgewählter aber zutiefst
angeschlagener OB die Ratssitzungen der Zukunft leiten soll, der
ahnt, was da ablaufen wird. Die Medien kann man ausschließen,
des Bürgers Meinung nicht. Barbara Jeschke
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Duisburger müssen wieder zu Selbstbewusstsein
und Lebensmut finden |
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Duisburg, Juli 2010 - "Das Leben muss weitergehen!"
Hinter dieser lapidar anmutenden Forderung steckt mehr, als
mancher für Duisburg im Moment vermuten möchte. "Wir schämen uns
für Duisburg und was hier passiert ist. Dafür, dass unsere
jungen Gäste hier den Tod fanden!" Diese Aussage steht im Moment
für fast alle Duisburger. Ohne Zweifel.
Gesagt werden muss: "Wir hatten
vor den Herren Sauerland, Rabe und Schaller hervorragende
Menschen, die diese Stadt geführt oder ihr gute Veranstaltungen
gebracht haben, die die Menschen aus dem Umland gern besuchten.
Wir in Duisburg haben das unsägliche, Investitionen hemmende
"Schimanski-Image" ganz langsam abbauen können und haben die
enorme Belastung des totalen Strukturwandels mit dem negativen
Höhepunkt Schließung des Kruppwerkes in Rheinhausen oder jüngst
noch der Zeche in Walsum überwinden müssen.
Dann kamen die Mafiamorde und Bandidos, die die Stadt wieder
negativ in die Schlagzeilen rückte. Nun diese Tragödie. Das
liegt wie Mehltau über der Stadt. Duisburgs Bürger schlafen
derzeit schlechter, sind eher depressiv und gehen gesenkten
Hauptes durch die Stadt.
Wir müssen diese Trauer gemeinsam verarbeiten und dann einen
Trauerbereich schaffen, der der Tragödie auch Rechnung trägt,
der den Hinterbliebenen eine Möglichkeit bietet, ihre Trauer auch
eine Zuordnung geben zu können. Und dann geht es um Versöhnung.
Die jungen Menschen kamen aus der Freude am Leben nach Duisburg
um gemeinsam zu feiern. Wir dürfen anderen jungen Menschen diese
Lebensfreude in Duisburg nicht vorenthalten, gleichwohl den
mahnenden Charakter nicht ausschalten.
Wir lassen uns aber nicht in die Sippenhaft nehmen. Die Älteren
sind dazu verpflichtet, den Boden für die jungen Menschen so zu
bestellen, dass sie später übernehmen können. Das geht - wie die
Nachkriegsgeneration leidvoll erfahren musste - nicht von heute
auf morgen. Wir Deutsche haben eigentlich erst ab der
Fußballweltmeisterschaft 2006 gelernt, uns über andere Dingen
des Lebens mit anderen Nationen auch mit Nationalstolz freuen
und feiern zu können. Dabei merkten wir erstaunt, dass dies
nicht übel genommen wurde sondern anerkannt wurde.
Das depressive "Mäntelchen" muss weg, ohne dabei das Geschehen
zu vergessen. Diese Stadt hat mehr verdient. Vor allem bessere
Führer, die zu ihren gemachten Absichten stehen - so oder so.
Wir müssen der Jugend anschaulich Führungspersonen bieten, an
denen sie sich orientieren können. Da sind Herren wie Sauerland
und Rabe nicht mehr gefragt, sollten - um an ihre Familien zu
denken - ins "Zeugenschutzprogramm" aufgenommen werden.. Für den
Neuanfang müssen alle in Duisburg an einem Strang ziehen:
Bürger, Politiker, Händler und Verwaltungsmenschen.
Harald Jeschke in der Eigenschaft als Vorsitzender von
bürgerschaftlichen Vereinigungen
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26. Juli 2010: Loveparade-Drama und Bürger über OB Sauerland |
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Sehr geehrter
Herr Sauerland,
als Duisburger, der bisher immer sehr gerne in Duisburg gelebt
hat, bitte ich Sie nun endlich zurückzutreten.
Jede Sekunde, die Sie an Ihrem Stuhl kleben, schadet dem Image
Duisburgs. Sie wollten sich ein Denkmal setzen mit der
Loveparade - das haben Sie ja nun auch irgendwie geschafft,
allerdings in negativer Hinsicht. Jetzt wird es Zeit die
Konsequenzen zu ziehen.
Sie als Oberbürgermeister sind verantwortlich für die
Verwaltung, da gab es riesengroße Fehler - unabhängig von den
jetzt zu klärenden Details. Seien Sie endlich ein Mann und
übernehmen Sie Verantwortung. Das wird nicht zuletzt auch gut
für die Duisburger CDU sein, die sich dann unbelasteter neu
aufstellen kann.
Auch Ihr Image in der Öffentlichkeit wird nicht weiter verlieren
- es ist eh (und zurecht) am Boden und sinkt immer mehr, je
länger Sie an diesem Stuhl kleben - das Spiel ist aus und das
sollten Sie endlich begreifen.
Verharren an Ihrem Stuhl bestätigt allerdings das schon länger
negative Bild von Ihnen - machtgeil, Party-OB, rücksichtslos,
auf die eigene Karriere bedacht - und Duisburger sind Ihnen eh
egal. Hauptsache sie erreichen Ihre Ziele - das ist ein Bild mit
dem man eigentlich nicht schlafen kann. Schlafen können sollten
Sie aber eh nicht mehr,
mit 19 Toten und 511 Verletzten auf dem gewissen und einem
ruinierten Duisburger Image!
Vielen Dank im Voraus für Ihren Rücktritt
Erik Becker
Weiter so
König Adolf
Lieber König Adolf einige Deiner Wähler verehren Dich. Wie Sie
es schaffen immer wieder die Duisburger Presse ( zugegeben eine
nicht sehr kritische ) an der Nase herum zu führen ist einfach
wundervoll und zeichnet Sie als christlich demokratisch
orientierten Menschen und Vollblutpolitiker aus.
Auf die Frage eines Journalisten in der gestrigen
Pressekonferenz im Rat(losen)haus am 25.07.2010 ob sie in die
Sicherheitsvorbereitungen zur Love-Parade involviert waren,
antworteten sie mit einem super gut aufgelegten unschuldigen
Dackelblick mit Nein .
Der oberste Sicherheits-und Verwaltungschef war nicht mit den
Vorbereitungen der größten in „ seiner „ Stadt anstehenden
Veranstaltung am Sicherheitskonzept beteiligt ?
Sie wissen aber doch schon, dass Sie Oberbürgermeister der Stadt
Duisburg sind, gleichzeitig als solcher auch den Vorsitz der SW
Duisburg im Aufsichtsrat innehaben ? Dazu kommen weitere Posten,
z.B. Vorsitz der Trägergesellschaft der ARGE etc.
Lassen Sie sich bitte die monatlichen Überweisungen auf Ihrem
Konto von Ihrer Gattin erklären, sie kann sicherlich die
einzelnen Einnahmen erläutern. Wie sonst können Sie erfahren, wo
Sie überall zumindest auf Papier Verantwortung tragen ,dazu
eignen sich die Abrechnungen hervorragend, schließlich gibt es
überall reichlich Salär dafür.
Ihre Parteikollegen und einzelne Ratsmitglieder haben es
scheinbar versäumt es Ihnen mitzuteilen.
Oder gehen Sie nach dem Motto vor: Ein fauler Apfel im Korb
infiziert auch die anderen Äpfel.
Dann wird die Zeit in Ihrer Partei und im Stadtrat für Sie
arbeiten. Ein Rücktritt, der ohnehin nur für einen aufrechten
Politiker in Frage kommen würde, ist dann nicht vonnöten.
Der Tübinger Strafrechtler Jörg Kinzig ist der Auffassung, dass
allenfalls eine Bewährungsstrafe für den Straftatbestand
fahrlässige Tötung in Betracht kommt.
Also können Sie und Ihre fähigen Verwaltungs-und
Parteimitglieder aufatmen.
Zur nächsten Kommunalwahl und ein Jahr später OB-Wahl hat der
einfach denkende Wahlbürger den Vorfall vergessen.
Das Ansehen und das Image der Stadt Duisburg jedoch wird auf
lange Zeit beschädigt sein, aber dann sind Sie vielleicht nicht
mehr König Adolf.
Die Bürger dieser Stadt werden sich später höchstens daran
zurück erinnern einen OB gehabt zu haben, der seiner eigenen
Karriere zuliebe Menschenleben geopfert hat und aufgrund seines
miesen Charakters – so die Meinung einiger befragter Personen –
aus eigenen Stücken nicht zurückgetreten ist.
Schade, dass Sie bisher die Chance verpasst haben freiwillig aus
dem Amt zu scheiden. Nun müssen die Duisburger noch länger einen
OB ertragen, der nicht in der Lage ist auch nur halbwegs
verantwortungsbewusst sein Amt auszuüben.
Es bleibt abzuwarten worauf demnächst Ihre Unterschrift zu sehen
ist, ohne dass Sie wissen wofür Sie sie gegeben haben.
Armes Duisburg, das hast du wirklich nicht verdient.
KlaRi
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Sind Veranstaltungen Größenordnung
noch organisierbar? Kann bei mehr als einer Million Menschen die
Sicherheit garantiert werden?
Warum musste das Nadelöhr
"gelber Bogen" so stark in Anspruch genommen werden? |
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24. Juli 2010 - Höher, weiter, noch mehr Besucher!
Ob es das Guiness-Buch der Rekorde ist, ein möglicher
Imagegewinn für diesen oder jenen oder gar Profitdenken - immer
da wo Menschenleben in Gefahr geraten kann muss ein
Schlussstrich gezogen werden.
Die Stadt Bochum sagte die Ausrichtung der Loveparade ab, da es
den Stadtvätern nicht möglich erschien, für runde eine Million
zu erwartenden Menschen oder gar mehr die Sicherheit zu
garantieren. Nach den 15 Toten von Duisburg werden Bochums
Stadträte sich bestätigt fühlen. Aber was ist mit Duisburg? Von
einem nicht mit Geld zu bezahlenden Imagegewinn für die Stadt
war aus dem Lager des Oberbürgermeisters und dem Chef von
Duisburg-Marketing Uwe Gerster gern und oft zu hören, als die
Stadt wegen der desaströsen Haushaltslage diese Parade gar nicht
ausrichten sollte. Der OB setzte alles daran, dass das "Muss"
Loveparade nach Duisburg kam und der Stadt nach seinen Angaben
kein Geld kosten würde, mit Ausnahme der Beamten, die man ja
ohnehin zu bezahlen hätte. Nun haben jungen Menschen den Besuch
der Loveparade 2010 in Duisburg mit ihrem Leben bezahlt. Das
wird auf immer und ewig mit der Loveparade 2010 von Duisburg in
Verbindung gebracht werden. Jedem in
Neudorf wohnenden Menschen war der Haupteingang zum
Veranstaltungsgelände durch den "gelben Bogen" suspekt. Jedem
Ortskundigen war klar, die müssen doch einen weiteren Zugang von
der Nordseite einplanen bei der nicht ausreichenden Größe des
Geländes für eine Million Besucher und dem offenkundigen
Nadelöhr "gelber Bogen". Oder wird doch die Düsseldorfer Straße
oder die A59 für die Floats genutzt? Als die Sperrungen bekannt
wurden und nichts dergleichen zu erkennen war, fragten sich die
Insider, wie das gehen soll. Und diese Fragen haben sich
Verwaltung, Organisator, Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte
sowie die Bahn nicht gestellt? Fakt war, dass im Bereich der
nicht gesicherten Treppe im Bereich des Tunnels die
Schwachstelle gab, die letztendlich durch den Druck der Menge
überrannt wurde und zur Todesfalle wurde. Wer nun
vielleicht fahrlässig gehandelt hat, die Sicherheitslage falsch
eingeschätzt oder im völlig falschen Moment die falsche
Entscheidung traf wird sich noch herausstellen, muss nach den
ersten Versorgungsmaßnahmen am Ort mit Besonnenheit angegangen
werden. Harald Jeschke
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Geschichtswerkstatt Du-Nord: Widerstand gegen Abriss in
Bruckhausen |
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14. Juli 2010 - Im Jahr der Kulturhauptstadt Ruhr
2010 beginnt die Stadt Duisburg mit dem Abriss eines in seiner
historischen Bedeutung herausragenden Stadtteils im Duisburger
Norden. Am 12. Juli soll mit dem Abriss von 15 Häusern begonnen
werden. Wir fordern Sie hiermit auf, gegen diesen Akt des
hoheitlichen, städtebaulichen Vandalismus offiziell zu
protestieren.
Das als „Problemstadtteil“ geltende Bruckhausen ist absichtsvoll
jahrelangem Verfall preisgegeben worden, nun soll der dem
ThyssenKrupp Stahlwerk zugewandte erste Block des Stadtteils mit
rund 200 Häusern dem Erdboden gleichgemacht werden, um einem mit
dem Euphemismus „Grüngürtel“ bezeichneten, bisher nur unklar
geplanten, so genannten „Landschaftsbauwerk“ zu weichen, das den
Abstand zwischen städtischer Bebauung und Stahlwerk vergrößern
soll. Nur ein paar wenige der historischen Gebäude sollen wie in
einem Stahlstadt-Disneyland im Park neben einer Gestaltung, die
hauptsächlich aus modischen rostigen Stahlwänden besteht, stehen
bleiben.
Bruckhausen ist ein deutscher Erinnerungsort, der die
Geschichten gleich mehrerer Epochen im Kleid einer zu sehr
großen Teilen erhaltenen gründerzeitlichen Stahlstadt
bürgerlicher Prägung erzählt. Das Stahlwerk und die auf das Werk
ausgerichtete und planvoll angelegte Stadt bilden das inzwischen
beinahe einzigartige Ensemble einer typischen Ruhrgebietsstadt
der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts.
Die Stadtwerdung Bruckhausens vollzog sich in rasanter
Geschwindigkeit gewissermaßen aus dem Nichts in den 1890er bis
1910er Jahren, beginnend mit der „Gewerkschaft Hamborn“ später
„Gewerkschaft Deutscher Kaiser“. Zunächst nur Zeche lässt August
Thyssen ab 1890/91 auf Bruckhausener Gebiet ein Hütten- und
Stahlwerk sowie eine Kokerei bauen. Diese Werke brauchen
Menschen, viele Menschen und sie müssen in unmittelbarer Nähe
wohnen, Arbeiter wie leitende Angestellte. Es gibt wunderbare
Fotos aus dieser Zeit: Eine Stadt, die direkt vor der
Industriekulisse wächst, mit Mietskasernen, Bürgerhäusern und
Geschäften, „klassische“ Ruhrgebietsansichten, wie es sie heute,
wo die Industrie stirbt oder sich zumindest von den Wohnvierteln
zurückzieht, kaum noch gibt. Aus nicht wenigen dieser Bilder
spricht Euphorie; Pioniergeist, das Bewusstsein, ein gewaltiges
Werk zu schaffen. Zeitungstexte ziehen Vergleiche mit Amerika,
neue Technik schafft neue Städte, eine neue Gesellschaft
entsteht, Menschen kommen von überall her, sprechen die
unterschiedlichsten Sprachen. Diese neuen Städte sind Symbole
des Fortschritts. Der Stolz der Bürger drückt sich in den
Fassaden der Häuser aus, die mit viel Aufwand geplant werden.
Bruckhausen ist Erinnerungsort der Gründung der modernen
Industriegesellschaft.
Im zweiten Weltkrieg wurde das direkt am Werk liegende
Bruckhausen nur wenig zerstört und konnte einen großen Teil des
gründerzeitlichen Stadtbildes bis in die Gegenwart retten auch
wenn oder sogar weil es in der Folgezeit zu einem
vernachlässigten Stadtteil wurde.
In den 70er Jahren erlebte Bruckhausen einen starken Zuzug von
„Gastarbeitern“ vor allem türkischer Herkunft, für viele
Migranten war es die erste Heimat in Deutschland und ist es bis
heute. Die Heimat von Menschen, die aus fernen Ländern zu uns
gekommen sind und Teil unserer Geschichte wurden. Es ist
Erinnerungsort für die Geschichte der Migration in Deutschland.
In den 80ger Jahren war Bruckhausen als „Problemstadtteil“ mit
dem „Ortsheriff“ Hans-Raulien („Rauliens Revier“, Agneskircher
1994) und als Wohnort des „Türken Ali“ alias Günther Wallraff
bekannt geworden. Bruckhausen erfuhr nicht nur durch den Titel
des Buches eine Verortung als „Ganz unten“. Auch Schimanskis
Schmuddeltatorte liehen sich gern Bruckhausener Kulissen und
verfestigten das Bild des Stadtteils als „Slum“, als
schmuddeligstem, aber auch typischstem aller Ruhrgebietsviertel.
Bruckhausen ist Kristallisationspunkt des Gedächtnisses,
Erinnerungsort des Mythos vom „hässlichen“ Ruhrgebiet mit seinen
ehrlichen, herzlichen, einfachen Menschen.
In den letzten Jahrzehnten sind viele öffentliche Fördergelder
in den Stadtteil geflossen und haben bewirkt, dass das Leben in
Bruckhausen viel lebenswerter geworden ist. Wer mit offenen
Augen durch die Straßen läuft, sieht die wunderbaren
Gründerzeit- und Jugendstilfassaden, bemerkt das viele Grün, die
vielen Kinder. Slums sehen anders aus.
Aber auch die heruntergekommenen Fassaden sind Teil unserer
Geschichte wie ihre erfolgreiche Wiederbelebung Teil unserer
Geschichte werden könnte. „Wohnen im Schatten der Hochöfen“ wäre
heute bei Beachtung strenger Umweltmaßnahmen nicht mehr
ungesund.
Wir sollten Lehren aus der Vergangenheit ziehen und erkennen,
wie wichtig es ist, Veränderungen sensibel und mit Verstand
vorzunehmen. Noch sind die alten Häuser zu retten. Kreativere
Ansätze als Abriss und Grünflächengestaltung könnten Bruckhausen
zu einem lebendigen Zeugnis einer großen Epoche machen. Während
plötzlich alle Welt „Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt“
singt und die Industriekultur gefeiert wird, wissen wir
tatsächlich wenig über die Epoche der Industrialisierung, ihre
Erforschung beginnt gerade erst. Handeln wir heute nicht, werden
wir eines Tages die Verluste beklagen, wie wir heute den
Wahnsinn der Abrisswut der 60er und 70er Jahre erkennen und die
Wunden sehen, die unseren Städte damals beigebracht wurden.
Neben Bruckhausen sind auch kleinere Teile des Nachbarstadtteile
Marxloh und Beeck durch den „Grüngürtel“ bedroht. Sollte das
„bundesweit einmalige Sanierungsprojekt“ erfolgreich
durchgeführt werden, steht zu befürchten, dass der
Oberbürgermeister der Stadt Duisburg, Adolf Sauerland, recht
behält: „Duisburg ist damit Vorreiter und mögliches Vorbild für
andere Städte.“
Industriekultur darf nicht bedeuten, dass schließlich ein paar
herausragende Ensembles der industriellen Epoche als Museen in
langweiligen, vereinheitlichten Städten stehen, in denen der
Profit den Baustil bestimmt. Retten wir die Stadtbilder des
Ruhrgebiets mit ihrer typischen Ästhetik, sie sind unerlässlich
für die Identität und das Selbstbewusstsein dieser Region.
Lassen Sie nicht zu, dass eine Stadt, die wie kaum eine andere
eine Epoche repräsentiert, vernichtet wird!
Auf den Webseiten der Geschichtswerkstatt Du-Nord (www.geschichtswerkstatt-du-nord.de)
finden Sie unter dem Punkt „Links und Infos“ Informationen über
Bruckhausen und den geplanten „Grüngürtel“. Wir werden die
Seiten in den nächsten Tagen weiter füllen, um Sie möglichst
umfassend zu informieren.
Katrin Susanne Gems M. A. Markus Hellemanns M. A.
Geschichtswerkstatt Du-Nord
c/o Warbruckstr. 41
47169 Duisburg
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Ausgleichende Gerechtigkeit nach 44 Jahren |
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Gibt es das? Duisburg, 28.
Juni 2010 - Ja, das gibt es! Ich habe es gestern miterlebt.
27. Juni 2010 - In der 38. Minute im
WM-1/4-Final-Spiel Deutschland gegen England, beim Stand 2:1, geht
Lampards Schuss über Neuer hinweg an die Unterkante der Latte,
springt auf, wieder an die Latte, springt erneut auf, deutlich vor
der Torlinie, Neuer schnappt sich das Leder und wirft ab. Kein Tor,
das Spiel läuft mit 2:1 weiter. Und es war doch ein Tor! Die
Hintertorkamera zeigt deutlich, dass der Ball beim ersten
Aufspringen hinter der Torlinie war. Es war ein reguläres Tor
der Engländer, die das Spiel dann am Ende, verdient, mit 4:1
verlieren. Ganz nach der legendären Aussage von Gary Lineker,
einer der Legenden des englischen Fußballs:
„Fußball ist ein einfaches Spiel: 22
Männer jagen 90 Minuten lang einem Ball nach, und am Ende gewinnen
immer die Deutschen.“
30. Juli 1966 -
In der 11. Minute der Verlängerung im WM-Finale, beim Spielstand
von 2:2, geht der Schuss von Geoff Hurst an die Unterkante der
Latte, springt auf der Torlinie auf und wird von Weber ins Toraus
geköpft. Obwohl der Ball, wie auf zahlreichen Aufnahmen zu
sehen, die Torlinie nicht überschritten hat, entscheidet der
Schiedsrichter nach Rücksprache mit seinem Linienrichter auf Tor.
England geht irregulär mit 3:2 in Führung, erhöht in der letzten
Spielminute auf 4:2 - zu diesem Zeitpunkt standen bereits Zuschauer
auf dem Spielfeld - und wird dadurch zum ersten und vorerst letzten
Mal Weltmeister.
Fast 44 Jahre liegen zwischen diesen beiden
Ereignissen. Ich habe beide erlebt. Und ich glaube ab sofort
daran, dass sich Fehlentscheidungen im Fußball, so wie "Kaiser
Franz" es immer sagt, ausgleichen. Aber demnächst bitte in einem
kürzeren Abstand. Nochmal 44 Jahre schaffe ich nicht! Mit
England sind wir quitt. Aber da war ja noch die "Hand Gottes".
England schied dadurch gegen Argentinien aus, die im Finale gegen
Deutschland 1986 Weltmeister wurden. Da könnte man England doch
nach 26 Jahren im 1/4-Finale etwas zurück geben.
Jochem Knörzer
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Persönliche Mail von Altbürgermeister Heinz Pletziger |
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Duisburg, 17.
Juni
2010 - Anlässlich unserem Bericht mit Fotostrecke
"Kaisermünzenpreis
von proDuisburg für Altbürgermeister Heinz Pletziger"
erhielt unser Mitherausgeber und Fotograf Manfred
Schneider folgende E-Mail:
Lieber Manfred Schneider,
der vergangene Sonntagmorgen ist wohl für alle,
die im Ratssaal dabei gewesen sind, das gewesen, was man gemeinhin
"so richtig schön" nennt. Das gilt sicher für alle proDUISBURGER
und aus besonderer Veranlassung natürlich auch für mich.
Wie schön ist es dann, wenn man neben der
Erinnerung, die im Kopf geblieben ist, auch noch zurückblicken kann
auf schöne Fotos und gute Berichte, die das Erlebte noch einmal
besonders wieder zurückbringen.
Deshalb freue ich mich sehr darüber, dass Sie
mir die prächtigen Fotos sogar ins Haus gebracht haben. Und das
noch sozusagen im Handumdrehen. Vielen und herzlichen Dank.
Besonderen Dank auch für den gut bebilderten
und bestens kommentierten Bericht bei Duisburgweb. Beides ist für
mich ein schönes Geschenk. Der einzige Gast, der auf allen Bildern
fehlt, der sind leider Sie. Aber so etwas lässt sich ja sicher bei
Gelegenheit nachholen.
Herzliche Grüße Ihr Heinz Pletziger
Lieber Altbürgermeister Heinz Pletziger, wir
haben wirklich lange gesucht, bis wir ein Foto von dem Herrn hinter
der Linse gefunden haben:

Manfred Schneider mit seiner Frau Sigrid
Jochem Knörzer, Foto BV Neudorf
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Sanierungsverfahren Duisburg-Bruckhausen und
-Beeck - Grüngürtel Nord |
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Duisburg, 9.
Juni
2010 - Antrag auf vorläufige Unterschutzstellung:
Öffentlicher Brief des Vereins Nachbarn in Bruckhausen und Beeck
an die Mitglieder des Rates der Stadt Duisburg, Amt 62 für
Baurecht und Bauberatung, Oberbürgermeister Adolf Sauerland und
Untere Denkmalbehörde.
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„Höffner Möbelhaus“ - Schmach für Sir Norman Forster? |
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Duisburg, 14.
Mai
2010 - Nicht nachvollziehbar in Bezug auf die
neue Variante „Höffner- Möbelhaus“ erscheint der Verkauf von
Aurelis an die Krieger Gruppe, des Filetgrundstücks nahe der
Duisburger City, wenn man hier vorbehaltlich die sicherlich
„entscheidenden kommerziellen Aspekte“ für Aurelis einmal außer
Acht lässt.
Warum hat man nicht schon vor einigen Jahren „Multi Casa“
den Zuschlag für die Nutzung des Geländes von unseren Politikern
gegeben?
Schon während der Planungsphase von Multi Casa war der
Karstadt-Konzern wirtschaftlich stark angeschlagen.
Eine „goldene Leiter“ konnte und wird das Forum mit einem
derartigen Ankermieter und seinem derzeitigen Warenangebot (z.B.
Damen Bekleidung für „Oma Plüsch“) nicht retten können.
Vorteil der neuen Variante „Höffner-Möbelhaus“, wäre sicherlich
jedoch die kurzfristigere Realisierung der neuen Gesamtbebauung
des Geländes am alten Güterbahnhof, gegenüber dem ursprünglichen
Projekt Duisburger Freiheit.
Die hierzu genannten, neu entstehenden wichtigen Arbeitsplätze
sind sicherlich nicht außer Acht zu lassen für unsere Stadt.
Ein Schlag ins Gesicht für „Sir Norman Foster“, dürften
derartige neuerliche Planungen in unserer Stadt jedoch
sicherlich sein.
Hans-Willi Bütefür
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Duisburger haben andere Sorgen als die Loveparade |
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Duisburg, April
2010 - Nun soll die doch in Duisburg stattfinden,
die Loveparade 2010. Die einen - Duisburg Marketing, der
Deutsche Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA und natürlich
Björn Köllen, Sprecher der
”Loveparade”-Veranstaltungs-Gesellschaft
- sehen einen Riesen-Imagegewinn für Duisburg, der mit Geld gar
nicht zu bezahlen sei. Die anderen - die Bürger Duisburg - sind
da viel skeptischer und vor allem sehr realistisch. Wenn
64%
Duisburger/innen
dagegen stimmen - andere Umfragen kommen
auf beinahe identische Ergebnisse - dann ist die Einschätzung
der Bürger sonnenklar und bodenständig - selbst bei jungen
Duisburgern.
Diese sind nicht dagegen. Nein, das gerade nicht. Aber sie sehen
erstaunlicherweise auch über den Tellerrand der
Techno-Megaveranstaltung hinaus und monieren, dass hier sehr
viel Geld für ein einmaliges Ereignis ausgeben wird, das nichts,
aber gar nichts mit Nachhaltigkeit für die jungen Menschen in
dieser Stadt zu tun hat.
Das erstaunt.
Die Duisburger Jugend ist nachdenklich geworden, kann die
finanzielle Situation der Stadt doch gut einschätzen, auch wenn
die wenigsten sich mit Haushalt oder gar Nothaushalt auskennen -
und das auch gar nicht so im Detail wollen. Sie hinterfragen
aber, was so eine einmalige Veranstaltung ihnen bringt. Sie
sehen in ihrem direkten Umfeld, was es heißt wenn Geldnot die
Stadt zwingt, Jugendeinrichtungen, soziale und kulturelle
Angebote gar ihre lebenswichtige Hilfen im Alltag der Menschen
einstellen müssten. Das nehmen sie sehr ernst. Wie ihre Sorgen
was nach dem Schulabschluss passiert, ob sie hier in ihrer Stadt
einen Job oder einen Ausbildungsplatz finden können.
"Mit den in den Medien so oft beschrieben 840 000 Euro nur an
den Transportkosten des VRR wären hier in Duisburg eine Menge
Jugendeinrichtungen auf lange Zeit gesichert", heißt es da sehr
konkret von einem Abiturienten des Steinbart-Gymnasiums. "Wenn
Sponsoren aus Duisburg diese einmalige Sache finanziell
unterstützen, fehlt das Geld des Sponsors auch in naher Zukunft
den Sportvereinen", deutet der Stadtsportbund auch sehr gezielt
auf die finanzielle Wunde, die wieder Jugendliche nachhaltig
betrifft. Und eine weitere bange Frage der jungen Menschen: "Die
Skateranlage am Hauptbahnhof kommt wegen des Deckels auf der A59
weg. Wird diese für viele Jugendliche wegen de Geldmangels jetzt
ganz verschwinden?"
Fazit: Die Loveparade wird nicht generell abgelehnt, sie hat nur
das Pech zu einem Zeitpunkt an einem Ort stattzufinden zu
sollen, in dem die Menschen ganz andere Sorgen haben.
Harald Jeschke .
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