Bahnlärm - Schule -Bürgerverein 
Probleme um den Lebensmittelpunkt

Kommentare und Leserbriefe zu aktuellen Anlässen

 
 Fingerspitzengefühl und sensibleres Handeln gefragt

Duisburg, 11. August 2010 - Kaum ein Tag vergeht in der Nach-Loveparade-Zeit in der gebeutelten Stadt, ohne dass nicht in irgendeinem Medium Negatives über Duisburg geschrieben, gesendet oder gesprochen wird.
Schuldzuweisungen hier, Versteckspiel dort und zwischendurch staunt der Duisburger nur noch.
Da werden von den Befürwortern und obersten Bürgern der Stadt Gutachten nach Gutsherrenart vergeben, um doch noch irgendwie ein bisschen hier oder da rein gewaschen zu erscheinen. Da stellt sich die Frage wer das gezahlt hat und wer noch so viele Unterlagen der nachweisbaren Art besitzt, um daraus Gutachten erstellen zu lassen, die der Staatsanwaltschaft hätten zugeliefert werden müssen.
Oder hat die Staatsanwaltschaft gar nicht die Originalunterlagen?
Oder wurde einfach nur nicht genau gesucht und beschlagnahmt?
Wenn doch, stellt sich die Frage, welche zweitrangigen Belege oder Kopien wurden dann der Kanzlei zur Verfügung gestellt?

In der Stadt wird die Bezeichnung "Bananenrepublik Duisburg" immer offener gehandelt.
Dann gibt es da noch die Grünen, die seit der Kommunalwahl 2009 nicht wissen ob sie nun grün oder schwarz abstimmen sollen. Zumindest schwarz geärgert haben sich einige Ratsmitglieder der Grünen schon. Ist es doch schon äußerst merkwürdig, wenn sich der kleinere Teil der Fraktion so mir nichts dir nichts das Recht herausnimmt, eine Stellungnahme für alle Duisburger Grünen zum OB hinauszuposaunen und wie in den Jahren zuvor sich voll hinter den OB zu stellen.
Warum sind Frau Janicki und Herr Kantel nicht schon längst CDU-Mitglieder geworden?
Es wäre der direkte und ehrlichere Weg.
Natürlich darf es keine Vorverurteilung geben. Natürlich darf es nicht dazu kommen, dass Morddrohungen ausgesprochen werden oder Galgen öffentlich gezeigt werden.
Davon muss sich jeder Bürger distanzieren.
Es geht hier einfach um Moral und Zivilcourage und um ein anständiges Auftreten der Stadtoberen im Umgang mit dieser Tragödie. Wo wir wieder beim Fingerspitzengefühl der besonderen Art sind. Kaum zu glauben, dass bei der Zusammensetzung des
„Bürgerkreis Gedenken“ die Protagonisten es nicht wahrhaben wollen, dass sie alle stark mit dem OB verbandelt waren und noch sind. Die sich nun an die Spitze der betroffenen Bürger Duisburgs stellen, um humane Maßnahmen aus der Bürgerschaft umzusetzen, gehen fehl in der Annahme, dass der Bürger nicht lesen kann.
"Da sind doch alles dicke Freunde von Herrn Sauerland am Werk, die meisten auch der CDU angehörig. Das kann doch so nicht wahr sein. Wieso ist kein neutraler Kirchenvertreter dabei", wird seit einigen Tagen nachgefragt. Wenn man die Bedenken der Skeptiker anbringt, will man in diesem Zirkel davon nichts hören und schon gar nicht, dass vielleicht noch jemand hinzukommt.
"Es sind doch schon zu viele dabei", wird bemäkelt. Man will wohl eher abschotten.
Von sensibler Ausgewogenheit oder gar angebrachter eigener Zurückhaltung in der Personenfrage, so wie es bei der Trauerfeier in der Salvatorkirche der Fall war, ist nichts zu erkennen. Das ist traurig, wirft kein gutes Licht auf die angedachte Hilfsaktion. Auch deshalb gibt es mehr als einen Duisburger, der diesem Wirken nicht mehr traut und selbst aktiv wird in Hinsicht auf Spenden oder Gedenken. Auch nicht verwunderlich.
Das alles passt derzeit zum Bild der Stadt.
Der Gipfel der Unverfrorenheit ist die geplante Verpflichtung eines Medienfachmannes, der Duisburgs Image aufpolieren soll. Das Geld hierfür sollte tunlichst den Hinterbliebenen zugestanden werden. Und: Wenn man zum Pressereferat der Stadt Vertrauen hat, lässt man die erfahrenen Frauen und Männer einfach ohne den Einfluss des OB wirken. Erstens werden diese dafür bezahlt und zweitens geht das garantiert.
Das Ganze mutiert immer mehr zur Farce oder wird zum traurigen Aushängeschild. 
So sollte es nicht sein.
Aber man hat den Eindruck, dass Duisburg damit noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht hat. Da kommt noch viel mehr. Als Beispiel mag die kommende Arbeit des Rates als "Horrorszenario" gelten.
Wer sich vor Augen hält, wie ein nicht abgewählter aber zutiefst angeschlagener OB die Ratssitzungen der Zukunft leiten soll, der ahnt, was da ablaufen wird. Die Medien kann man ausschließen, des Bürgers Meinung nicht. Barbara Jeschke

 

 

Duisburger müssen wieder zu Selbstbewusstsein und Lebensmut finden

Duisburg, Juli 2010 - "Das Leben muss weitergehen!" Hinter dieser lapidar anmutenden Forderung steckt mehr, als mancher für Duisburg im Moment vermuten möchte. "Wir schämen uns für  Duisburg und was hier passiert ist. Dafür, dass unsere jungen Gäste hier den Tod fanden!" Diese Aussage steht im Moment für fast alle Duisburger. Ohne Zweifel.
Gesagt werden muss: "Wir hatten vor den Herren  Sauerland, Rabe und Schaller hervorragende Menschen, die diese Stadt geführt oder ihr gute Veranstaltungen gebracht haben, die die Menschen aus dem Umland gern besuchten. Wir in Duisburg haben das unsägliche, Investitionen hemmende "Schimanski-Image" ganz langsam abbauen können und haben die enorme Belastung des totalen Strukturwandels mit dem negativen Höhepunkt Schließung des Kruppwerkes in Rheinhausen oder jüngst noch der Zeche in Walsum überwinden müssen.

Dann kamen die Mafiamorde und Bandidos, die die Stadt wieder negativ in die Schlagzeilen rückte. Nun diese Tragödie. Das liegt wie Mehltau über der Stadt. Duisburgs Bürger schlafen derzeit schlechter, sind eher depressiv und gehen gesenkten Hauptes durch die Stadt.
Wir müssen diese Trauer gemeinsam verarbeiten und dann einen Trauerbereich schaffen, der der Tragödie auch Rechnung trägt, der den Hinterbliebenen eine Möglichkeit bietet, ihre Trauer auch eine Zuordnung geben zu können. Und dann geht es um Versöhnung.
Die jungen Menschen kamen aus der Freude am Leben nach Duisburg um gemeinsam zu feiern. Wir dürfen anderen jungen Menschen diese Lebensfreude in Duisburg nicht vorenthalten, gleichwohl den mahnenden Charakter nicht ausschalten.
Wir lassen uns aber nicht in die Sippenhaft nehmen. Die Älteren sind dazu verpflichtet, den Boden für die jungen Menschen so zu bestellen, dass sie später übernehmen können. Das geht - wie die Nachkriegsgeneration leidvoll erfahren musste - nicht von heute auf morgen. Wir Deutsche haben eigentlich erst ab der Fußballweltmeisterschaft 2006 gelernt, uns über andere Dingen des Lebens mit anderen Nationen auch mit Nationalstolz freuen und feiern zu können. Dabei merkten wir erstaunt, dass dies nicht übel genommen wurde sondern anerkannt wurde.
Das depressive "Mäntelchen" muss weg, ohne dabei das Geschehen zu vergessen. Diese Stadt hat mehr verdient. Vor allem bessere Führer, die zu ihren gemachten Absichten stehen - so oder so. Wir müssen der Jugend anschaulich Führungspersonen bieten, an denen sie sich orientieren können. Da sind Herren wie Sauerland und Rabe nicht mehr gefragt, sollten - um an ihre Familien zu denken - ins "Zeugenschutzprogramm" aufgenommen werden.. Für den Neuanfang müssen alle in Duisburg an einem Strang ziehen: Bürger, Politiker, Händler und Verwaltungsmenschen.

Harald Jeschke in der Eigenschaft als Vorsitzender von bürgerschaftlichen Vereinigungen
 

26. Juli 2010: Loveparade-Drama und Bürger über OB Sauerland

Sehr geehrter Herr Sauerland,
als Duisburger, der bisher immer sehr gerne in Duisburg gelebt hat, bitte ich Sie nun endlich zurückzutreten.
Jede Sekunde, die Sie an Ihrem Stuhl kleben, schadet dem Image Duisburgs. Sie wollten sich ein Denkmal setzen mit der Loveparade - das haben Sie ja nun auch irgendwie geschafft, allerdings in negativer Hinsicht. Jetzt wird es Zeit die Konsequenzen zu ziehen.
Sie als Oberbürgermeister sind verantwortlich für die Verwaltung, da gab es riesengroße Fehler - unabhängig von den jetzt zu klärenden Details. Seien Sie endlich ein Mann und übernehmen Sie Verantwortung. Das wird nicht zuletzt auch gut für die Duisburger CDU sein, die sich dann unbelasteter neu aufstellen kann.
Auch Ihr Image in der Öffentlichkeit wird nicht weiter verlieren - es ist eh (und zurecht) am Boden und sinkt immer mehr, je länger Sie an diesem Stuhl kleben - das Spiel ist aus und das sollten Sie endlich begreifen.

Verharren an Ihrem Stuhl bestätigt allerdings das schon länger negative Bild von Ihnen - machtgeil, Party-OB, rücksichtslos, auf die eigene Karriere bedacht - und Duisburger sind Ihnen eh egal. Hauptsache sie erreichen Ihre Ziele - das ist ein Bild mit dem man eigentlich nicht schlafen kann. Schlafen können sollten Sie aber eh nicht mehr,
mit 19 Toten und 511 Verletzten auf dem gewissen und einem ruinierten Duisburger Image!
Vielen Dank im Voraus für Ihren Rücktritt
Erik Becker

 

 

Weiter so König Adolf
Lieber König Adolf einige Deiner Wähler verehren Dich. Wie Sie es schaffen immer wieder die Duisburger Presse ( zugegeben eine nicht sehr kritische ) an der Nase herum zu führen ist einfach wundervoll und zeichnet Sie als christlich demokratisch orientierten Menschen und Vollblutpolitiker aus.
Auf die Frage eines Journalisten in der gestrigen Pressekonferenz im Rat(losen)haus am 25.07.2010 ob sie in die Sicherheitsvorbereitungen zur Love-Parade involviert waren, antworteten sie mit einem super gut aufgelegten unschuldigen Dackelblick mit Nein .

Der oberste Sicherheits-und Verwaltungschef war nicht mit den Vorbereitungen der größten in „ seiner „ Stadt anstehenden Veranstaltung am Sicherheitskonzept beteiligt ?

Sie wissen aber doch schon, dass Sie Oberbürgermeister der Stadt Duisburg sind, gleichzeitig als solcher auch den Vorsitz der SW Duisburg im Aufsichtsrat innehaben ? Dazu kommen weitere Posten, z.B. Vorsitz der Trägergesellschaft der ARGE etc.
Lassen Sie sich bitte die monatlichen Überweisungen auf Ihrem Konto von Ihrer Gattin erklären, sie kann sicherlich die einzelnen Einnahmen erläutern. Wie sonst können Sie erfahren, wo Sie überall zumindest auf Papier Verantwortung tragen ,dazu eignen sich die Abrechnungen hervorragend, schließlich gibt es überall reichlich Salär dafür.
Ihre Parteikollegen und einzelne Ratsmitglieder haben es scheinbar versäumt es Ihnen mitzuteilen.
Oder gehen Sie nach dem Motto vor: Ein fauler Apfel im Korb infiziert auch die anderen Äpfel.
Dann wird die Zeit in Ihrer Partei und im Stadtrat für Sie arbeiten. Ein Rücktritt, der ohnehin nur für einen aufrechten Politiker in Frage kommen würde, ist dann nicht vonnöten.
Der Tübinger Strafrechtler Jörg Kinzig ist der Auffassung, dass allenfalls eine Bewährungsstrafe für den Straftatbestand fahrlässige Tötung in Betracht kommt.

Also können Sie und Ihre fähigen Verwaltungs-und Parteimitglieder aufatmen.
Zur nächsten Kommunalwahl und ein Jahr später OB-Wahl hat der einfach denkende Wahlbürger den Vorfall vergessen.
Das Ansehen und das Image der Stadt Duisburg jedoch wird auf lange Zeit beschädigt sein, aber dann sind Sie vielleicht nicht mehr König Adolf.
Die Bürger dieser Stadt werden sich später höchstens daran zurück erinnern einen OB gehabt zu haben, der seiner eigenen Karriere zuliebe Menschenleben geopfert hat und aufgrund seines miesen Charakters – so die Meinung einiger befragter Personen – aus eigenen Stücken nicht zurückgetreten ist.
Schade, dass Sie bisher die Chance verpasst haben freiwillig aus dem Amt zu scheiden. Nun müssen die Duisburger noch länger einen OB ertragen, der nicht in der Lage ist auch nur halbwegs verantwortungsbewusst sein Amt auszuüben.
Es bleibt abzuwarten worauf demnächst Ihre Unterschrift zu sehen ist, ohne dass Sie wissen wofür Sie sie gegeben haben.
Armes Duisburg, das hast du wirklich nicht verdient.
KlaRi

 

Sind Veranstaltungen Größenordnung noch organisierbar? Kann bei mehr als einer Million Menschen die Sicherheit garantiert werden?

Warum musste das Nadelöhr "gelber Bogen" so stark in Anspruch genommen werden?

24. Juli 2010 - Höher, weiter, noch mehr Besucher! Ob es das Guiness-Buch der Rekorde ist, ein möglicher Imagegewinn für diesen oder jenen oder gar Profitdenken - immer da wo Menschenleben in Gefahr geraten kann muss ein Schlussstrich gezogen werden.
Die Stadt Bochum sagte die Ausrichtung der Loveparade ab, da es den Stadtvätern nicht möglich erschien, für runde eine Million zu erwartenden Menschen oder gar mehr die Sicherheit zu garantieren. Nach den 15 Toten von Duisburg werden Bochums Stadträte sich bestätigt fühlen. Aber was ist mit Duisburg? Von einem nicht mit Geld zu bezahlenden Imagegewinn für die Stadt war aus dem Lager des Oberbürgermeisters und dem Chef von Duisburg-Marketing Uwe Gerster gern und oft zu hören, als die Stadt wegen der desaströsen Haushaltslage diese Parade gar nicht ausrichten sollte. Der OB setzte alles daran, dass das "Muss" Loveparade nach Duisburg kam und der Stadt nach seinen Angaben kein Geld kosten würde, mit Ausnahme der Beamten, die man ja ohnehin zu bezahlen hätte. Nun haben jungen Menschen den Besuch der Loveparade 2010 in Duisburg mit ihrem Leben bezahlt. Das wird auf immer und ewig mit der Loveparade 2010 von Duisburg in Verbindung gebracht werden.
Jedem in Neudorf wohnenden Menschen war der Haupteingang zum Veranstaltungsgelände durch den "gelben Bogen" suspekt. Jedem Ortskundigen war klar, die müssen doch einen weiteren Zugang von der Nordseite einplanen bei der nicht ausreichenden Größe des Geländes für eine Million Besucher und dem offenkundigen Nadelöhr "gelber Bogen". Oder wird doch die Düsseldorfer Straße oder die A59 für die Floats genutzt? Als die Sperrungen bekannt wurden und nichts dergleichen zu erkennen war, fragten sich die Insider, wie das gehen soll. Und diese Fragen haben sich Verwaltung, Organisator, Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte sowie die Bahn nicht gestellt? Fakt war, dass im Bereich der nicht gesicherten Treppe im Bereich des Tunnels die Schwachstelle gab, die letztendlich durch den Druck der Menge überrannt wurde und zur Todesfalle wurde.
Wer nun vielleicht fahrlässig gehandelt hat, die Sicherheitslage falsch eingeschätzt oder im völlig falschen Moment die falsche Entscheidung traf wird sich noch herausstellen, muss nach den ersten Versorgungsmaßnahmen am Ort mit Besonnenheit angegangen werden. Harald Jeschke

 

 

Geschichtswerkstatt Du-Nord: Widerstand gegen Abriss in Bruckhausen

14. Juli 2010 - Im Jahr der Kulturhauptstadt Ruhr 2010 beginnt die Stadt Duisburg mit dem Abriss eines in seiner historischen Bedeutung herausragenden Stadtteils im Duisburger Norden. Am 12. Juli soll mit dem Abriss von 15 Häusern begonnen werden. Wir fordern Sie hiermit auf, gegen diesen Akt des hoheitlichen, städtebaulichen Vandalismus offiziell zu protestieren.

Das als „Problemstadtteil“ geltende Bruckhausen ist absichtsvoll jahrelangem Verfall preisgegeben worden, nun soll der dem ThyssenKrupp Stahlwerk zugewandte erste Block des Stadtteils mit rund 200 Häusern dem Erdboden gleichgemacht werden, um einem mit dem Euphemismus „Grüngürtel“ bezeichneten, bisher nur unklar geplanten, so genannten „Landschaftsbauwerk“ zu weichen, das den Abstand zwischen städtischer Bebauung und Stahlwerk vergrößern soll. Nur ein paar wenige der historischen Gebäude sollen wie in einem Stahlstadt-Disneyland im Park neben einer Gestaltung, die hauptsächlich aus modischen rostigen Stahlwänden besteht, stehen bleiben.

Bruckhausen ist ein deutscher Erinnerungsort, der die Geschichten gleich mehrerer Epochen im Kleid einer zu sehr großen Teilen erhaltenen gründerzeitlichen Stahlstadt bürgerlicher Prägung erzählt. Das Stahlwerk und die auf das Werk ausgerichtete und planvoll angelegte Stadt bilden das inzwischen beinahe einzigartige Ensemble einer typischen Ruhrgebietsstadt der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts.

Die Stadtwerdung Bruckhausens vollzog sich in rasanter Geschwindigkeit gewissermaßen aus dem Nichts in den 1890er bis 1910er Jahren, beginnend mit der „Gewerkschaft Hamborn“ später „Gewerkschaft Deutscher Kaiser“. Zunächst nur Zeche lässt August Thyssen ab 1890/91 auf Bruckhausener Gebiet ein Hütten- und Stahlwerk sowie eine Kokerei bauen. Diese Werke brauchen Menschen, viele Menschen und sie müssen in unmittelbarer Nähe wohnen, Arbeiter wie leitende Angestellte. Es gibt wunderbare Fotos aus dieser Zeit: Eine Stadt, die direkt vor der Industriekulisse wächst, mit Mietskasernen, Bürgerhäusern und Geschäften, „klassische“ Ruhrgebietsansichten, wie es sie heute, wo die Industrie stirbt oder sich zumindest von den Wohnvierteln zurückzieht, kaum noch gibt. Aus nicht wenigen dieser Bilder spricht Euphorie; Pioniergeist, das Bewusstsein, ein gewaltiges Werk zu schaffen. Zeitungstexte ziehen Vergleiche mit Amerika, neue Technik schafft neue Städte, eine neue Gesellschaft entsteht, Menschen kommen von überall her, sprechen die unterschiedlichsten Sprachen. Diese neuen Städte sind Symbole des Fortschritts. Der Stolz der Bürger drückt sich in den Fassaden der Häuser aus, die mit viel Aufwand geplant werden. Bruckhausen ist Erinnerungsort der Gründung der modernen Industriegesellschaft.

Im zweiten Weltkrieg wurde das direkt am Werk liegende Bruckhausen nur wenig zerstört und konnte einen großen Teil des gründerzeitlichen Stadtbildes bis in die Gegenwart retten auch wenn oder sogar weil es in der Folgezeit zu einem vernachlässigten Stadtteil wurde.

In den 70er Jahren erlebte Bruckhausen einen starken Zuzug von „Gastarbeitern“ vor allem türkischer Herkunft, für viele Migranten war es die erste Heimat in Deutschland und ist es bis heute. Die Heimat von Menschen, die aus fernen Ländern zu uns gekommen sind und Teil unserer Geschichte wurden. Es ist Erinnerungsort für die Geschichte der Migration in Deutschland.
In den 80ger Jahren war Bruckhausen als „Problemstadtteil“ mit dem „Ortsheriff“ Hans-Raulien („Rauliens Revier“, Agneskircher 1994) und als Wohnort des „Türken Ali“ alias Günther Wallraff bekannt geworden. Bruckhausen erfuhr nicht nur durch den Titel des Buches eine Verortung als „Ganz unten“. Auch Schimanskis Schmuddeltatorte liehen sich gern Bruckhausener Kulissen und verfestigten das Bild des Stadtteils als „Slum“, als schmuddeligstem, aber auch typischstem aller Ruhrgebietsviertel. Bruckhausen ist Kristallisationspunkt des Gedächtnisses, Erinnerungsort des Mythos vom „hässlichen“ Ruhrgebiet mit seinen ehrlichen, herzlichen, einfachen Menschen.

In den letzten Jahrzehnten sind viele öffentliche Fördergelder in den Stadtteil geflossen und haben bewirkt, dass das Leben in Bruckhausen viel lebenswerter geworden ist. Wer mit offenen Augen durch die Straßen läuft, sieht die wunderbaren Gründerzeit- und Jugendstilfassaden, bemerkt das viele Grün, die vielen Kinder. Slums sehen anders aus.
Aber auch die heruntergekommenen Fassaden sind Teil unserer Geschichte wie ihre erfolgreiche Wiederbelebung Teil unserer Geschichte werden könnte. „Wohnen im Schatten der Hochöfen“ wäre heute bei Beachtung strenger Umweltmaßnahmen nicht mehr ungesund.

Wir sollten Lehren aus der Vergangenheit ziehen und erkennen, wie wichtig es ist, Veränderungen sensibel und mit Verstand vorzunehmen. Noch sind die alten Häuser zu retten. Kreativere Ansätze als Abriss und Grünflächengestaltung könnten Bruckhausen zu einem lebendigen Zeugnis einer großen Epoche machen. Während plötzlich alle Welt „Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt“ singt und die Industriekultur gefeiert wird, wissen wir tatsächlich wenig über die Epoche der Industrialisierung, ihre Erforschung beginnt gerade erst. Handeln wir heute nicht, werden wir eines Tages die Verluste beklagen, wie wir heute den Wahnsinn der Abrisswut der 60er und 70er Jahre erkennen und die Wunden sehen, die unseren Städte damals beigebracht wurden. Neben Bruckhausen sind auch kleinere Teile des Nachbarstadtteile Marxloh und Beeck durch den „Grüngürtel“ bedroht. Sollte das „bundesweit einmalige Sanierungsprojekt“ erfolgreich durchgeführt werden, steht zu befürchten, dass der Oberbürgermeister der Stadt Duisburg, Adolf Sauerland, recht behält: „Duisburg ist damit Vorreiter und mögliches Vorbild für andere Städte.“

Industriekultur darf nicht bedeuten, dass schließlich ein paar herausragende Ensembles der industriellen Epoche als Museen in langweiligen, vereinheitlichten Städten stehen, in denen der Profit den Baustil bestimmt. Retten wir die Stadtbilder des Ruhrgebiets mit ihrer typischen Ästhetik, sie sind unerlässlich für die Identität und das Selbstbewusstsein dieser Region.
Lassen Sie nicht zu, dass eine Stadt, die wie kaum eine andere eine Epoche repräsentiert, vernichtet wird!

Auf den Webseiten der Geschichtswerkstatt Du-Nord (www.geschichtswerkstatt-du-nord.de) finden Sie unter dem Punkt „Links und Infos“ Informationen über Bruckhausen und den geplanten „Grüngürtel“. Wir werden die Seiten in den nächsten Tagen weiter füllen, um Sie möglichst umfassend zu informieren.

Katrin Susanne Gems M. A. Markus Hellemanns M. A.
Geschichtswerkstatt Du-Nord
c/o Warbruckstr. 41
47169 Duisburg

Ausgleichende Gerechtigkeit nach 44 Jahren

Gibt es das?
Duisburg, 28. Juni 2010 - Ja, das gibt es! Ich habe es gestern miterlebt.
27. Juni 2010 - In der 38. Minute im WM-1/4-Final-Spiel Deutschland gegen England, beim Stand 2:1, geht Lampards Schuss über Neuer hinweg an die Unterkante der Latte, springt auf, wieder an die Latte, springt erneut auf, deutlich vor der Torlinie, Neuer schnappt sich das Leder und wirft ab. Kein Tor, das Spiel läuft mit 2:1 weiter.
Und es war doch ein Tor!
Die Hintertorkamera zeigt deutlich, dass der Ball beim ersten Aufspringen hinter der Torlinie war.
Es war ein reguläres Tor der Engländer, die das Spiel dann am Ende, verdient, mit 4:1 verlieren.
Ganz nach der legendären Aussage von Gary Lineker, einer der Legenden des englischen Fußballs:
Fußball ist ein einfaches Spiel: 22 Männer jagen 90 Minuten lang einem Ball nach, und am Ende gewinnen immer die Deutschen.

30. Juli 1966
- In der 11. Minute der Verlängerung im WM-Finale, beim Spielstand von 2:2, geht der Schuss von Geoff Hurst an die Unterkante der Latte, springt auf der Torlinie auf und wird von Weber ins Toraus geköpft.
Obwohl der Ball, wie auf zahlreichen Aufnahmen zu sehen, die Torlinie nicht überschritten hat, entscheidet der Schiedsrichter nach Rücksprache mit seinem Linienrichter auf Tor. England geht irregulär mit 3:2 in Führung, erhöht in der letzten Spielminute auf 4:2 - zu diesem Zeitpunkt standen bereits Zuschauer auf dem Spielfeld - und wird dadurch zum ersten und vorerst letzten Mal Weltmeister.

Fast 44 Jahre liegen zwischen diesen beiden Ereignissen. Ich habe beide erlebt.
Und ich glaube ab sofort daran, dass sich Fehlentscheidungen im Fußball, so wie "Kaiser Franz" es immer sagt, ausgleichen.
Aber demnächst bitte in einem kürzeren Abstand. Nochmal 44 Jahre schaffe ich nicht!
Mit England sind wir quitt.
Aber da war ja noch die "Hand Gottes". England schied dadurch gegen Argentinien aus, die im Finale gegen Deutschland 1986 Weltmeister wurden. Da könnte man England doch nach 26 Jahren im 1/4-Finale etwas zurück geben.
Jochem Knörzer
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Persönliche Mail von Altbürgermeister Heinz Pletziger

Duisburg, 17. Juni 2010 - Anlässlich unserem Bericht mit Fotostrecke "Kaisermünzenpreis von proDuisburg für Altbürgermeister Heinz Pletziger" erhielt unser Mitherausgeber und Fotograf Manfred Schneider  folgende E-Mail:

Lieber Manfred Schneider,

der vergangene Sonntagmorgen ist wohl für alle, die im Ratssaal dabei gewesen sind, das gewesen, was man gemeinhin "so richtig schön" nennt. Das gilt sicher für alle proDUISBURGER und aus besonderer Veranlassung natürlich auch für mich.

Wie schön ist es dann, wenn man neben der Erinnerung, die im Kopf geblieben ist, auch noch zurückblicken kann auf schöne Fotos und gute Berichte, die das Erlebte noch einmal besonders wieder zurückbringen.

Deshalb freue ich mich sehr darüber, dass Sie mir die prächtigen Fotos sogar ins Haus gebracht haben. Und das noch sozusagen im Handumdrehen. Vielen und herzlichen Dank.

Besonderen Dank auch für den gut bebilderten und bestens kommentierten Bericht bei Duisburgweb. Beides ist für mich ein schönes Geschenk. Der einzige Gast, der auf allen Bildern fehlt, der sind leider Sie. Aber so etwas lässt sich ja sicher bei Gelegenheit nachholen.

Herzliche Grüße
Ihr
Heinz Pletziger

Lieber Altbürgermeister Heinz Pletziger, wir haben wirklich lange gesucht, bis wir ein Foto von dem Herrn hinter der Linse gefunden haben:

Manfred Schneider mit seiner Frau Sigrid















Jochem Knörzer, Foto BV Neudorf

Sanierungsverfahren Duisburg-Bruckhausen und -Beeck - Grüngürtel Nord

Duisburg, 9. Juni 2010 - Antrag auf vorläufige Unterschutzstellung: Öffentlicher Brief des Vereins Nachbarn in Bruckhausen und Beeck an die Mitglieder des Rates der Stadt Duisburg, Amt 62 für Baurecht und Bauberatung, Oberbürgermeister Adolf Sauerland und Untere Denkmalbehörde.
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„Höffner Möbelhaus“ - Schmach für Sir Norman Forster?

Duisburg, 14. Mai 2010 - Nicht nachvollziehbar in Bezug auf die neue Variante „Höffner- Möbelhaus“ erscheint der Verkauf von Aurelis an die Krieger Gruppe, des Filetgrundstücks nahe der Duisburger City, wenn man hier vorbehaltlich die sicherlich „entscheidenden kommerziellen Aspekte“ für Aurelis einmal außer Acht lässt.

Warum hat man nicht schon vor einigen Jahren „Multi Casa“
den Zuschlag für die Nutzung des Geländes von unseren Politikern gegeben?
Schon während der Planungsphase von Multi Casa war der Karstadt-Konzern wirtschaftlich stark angeschlagen.
Eine „goldene Leiter“ konnte und wird das Forum mit einem derartigen Ankermieter und seinem derzeitigen Warenangebot (z.B. Damen Bekleidung für „Oma Plüsch“) nicht retten können.
Vorteil der neuen Variante „Höffner-Möbelhaus“, wäre sicherlich jedoch die kurzfristigere Realisierung der neuen Gesamtbebauung des Geländes am alten Güterbahnhof, gegenüber dem ursprünglichen Projekt Duisburger Freiheit.
Die hierzu genannten, neu entstehenden wichtigen Arbeitsplätze sind sicherlich nicht außer Acht zu lassen für unsere Stadt.
Ein Schlag ins Gesicht für „Sir Norman Foster“, dürften derartige neuerliche Planungen in unserer Stadt jedoch sicherlich sein. 
Hans-Willi Bütefür
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Duisburger haben andere Sorgen als die Loveparade

Duisburg, April 2010 - Nun soll die doch in Duisburg stattfinden, die Loveparade 2010. Die einen - Duisburg Marketing, der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA und natürlich Björn Köllen, Sprecher der ”Loveparade”-Veranstaltungs-Gesellschaft - sehen einen Riesen-Imagegewinn für Duisburg, der mit Geld gar nicht zu bezahlen sei. Die anderen - die Bürger Duisburg - sind da viel skeptischer und vor allem sehr realistisch. Wenn 64% Duisburger/innen dagegen stimmen - andere Umfragen kommen auf beinahe identische Ergebnisse - dann ist die Einschätzung der Bürger sonnenklar und bodenständig - selbst bei jungen Duisburgern.
Diese sind nicht dagegen. Nein, das gerade nicht. Aber sie sehen erstaunlicherweise auch über den Tellerrand der Techno-Megaveranstaltung hinaus und monieren, dass hier sehr viel Geld für ein einmaliges Ereignis ausgeben wird, das nichts, aber gar nichts mit Nachhaltigkeit für die jungen Menschen in dieser Stadt zu tun hat.
Das erstaunt.

Die Duisburger Jugend ist nachdenklich geworden, kann die finanzielle Situation der Stadt doch gut einschätzen, auch wenn die wenigsten sich mit Haushalt oder gar Nothaushalt auskennen - und das auch gar nicht so im Detail wollen. Sie hinterfragen aber, was so eine einmalige Veranstaltung ihnen bringt. Sie sehen in ihrem direkten Umfeld, was es heißt wenn Geldnot die Stadt zwingt, Jugendeinrichtungen, soziale und kulturelle Angebote gar ihre lebenswichtige Hilfen im Alltag der Menschen einstellen müssten. Das nehmen sie sehr ernst. Wie ihre Sorgen was nach dem Schulabschluss passiert, ob sie hier in ihrer Stadt einen Job oder einen Ausbildungsplatz finden können.

"Mit den in den Medien so oft beschrieben 840 000 Euro nur an den Transportkosten des VRR wären hier in Duisburg eine Menge Jugendeinrichtungen auf lange Zeit gesichert", heißt es da sehr konkret von einem Abiturienten des Steinbart-Gymnasiums. "Wenn Sponsoren aus Duisburg diese einmalige Sache finanziell unterstützen, fehlt das Geld des Sponsors auch in naher Zukunft den Sportvereinen", deutet der Stadtsportbund auch sehr gezielt auf die finanzielle Wunde, die wieder Jugendliche nachhaltig betrifft. Und eine weitere bange Frage der jungen Menschen: "Die Skateranlage am Hauptbahnhof kommt wegen des Deckels auf der A59 weg. Wird diese für viele Jugendliche wegen de Geldmangels jetzt ganz verschwinden?" 
Fazit: Die Loveparade wird nicht generell abgelehnt, sie hat nur das Pech zu einem Zeitpunkt an einem Ort stattzufinden zu sollen, in dem die Menschen ganz andere Sorgen haben.
Harald Jeschke
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