Archiv Medizinische Versorgung
November - Dezember 2010

 

Im Krisenjahr 2009: 2,2% mehr Beschäftigte im Gesundheitswesen

Wiesbaden/Duisburg, 15. Dezember 2010 -Trotz Wirtschaftskrise gab es 2009 im Gesundheitswesen rund 103 000 Beschäftigte mehr als 2008, ein Zuwachs von 2,2%. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, arbeiteten in Deutschland zum 31. Dezember 2009 im Gesundheitswesen insgesamt 4,7 Millionen Menschen. Damit war jeder neunte Beschäftigte in Deutschland im Gesundheitswesen tätig.

Der positive Beschäftigungstrend aus den beiden Vorjahren (2007: + 77 000 oder + 1,7% und 2008: + 92 000 oder + 2,0%) setzte sich damit auch im Jahr 2009 fort. Zusätzliche Arbeitsplätze gab es vor allem in Gesundheitsdienstberufen (zum Beispiel Ärztinnen/Ärzte und Medizinische Fachangestellte) mit einem Zuwachs von 73 000 Beschäftigten oder 2,8% und in sozialen Berufen (wie etwa bei Altenpflegerinnen/-pflegern) mit einem Anstieg von 23 000 Beschäftigten oder 5,8%. Im Gesundheitshandwerk (zum Beispiel Augenoptikerinnen und Augenoptiker) stieg die Zahl der Beschäftigten um 2 000 oder 1,7% an. In den sonstigen Gesundheitsfachberufen (zum Beispiel Pharmakantinnen und Pharmakanten) erhöhte sie sich um 4 000 oder 4,2%. In den anderen Berufen des Gesundheitswesens (etwa bei Verwaltungsfachleuten und Rinigungskräften) blieb die Zahl der Beschäftigten unverändert.
Im Jahr 2009 arbeiteten rund 2,1 Millionen Beschäftigte in der ambulanten und rund 1,9 Millionen Beschäftigte in der (teil-)stationären Gesundheitsversorgung. Einen Beschäftigungsanstieg gab es von 2008 bis 2009 in den ambulanten Einrichtungen (+ 2,7%), insbesondere in Praxen sonstiger medizinischer Berufe (+ 20 000 oder + 5,8%) und in der ambulanten Pflege (+ 17 000 oder + 6,9%). In den (teil-)stationären Einrichtungen stieg die Zahl der Beschäftigten insgesamt um 2,3% an. Hier gab es Zuwächse vor allem in den Krankenhäusern (+ 19 000 oder + 1,8%) und in der (teil-)stationären Pflege (+ 21 000 oder + 3,5%). Nur in den Vorleistungsindustrien (zum Beispiel Pharmazeutische Industrie) verringerte sich die Beschäftigtenzahl gegenüber 2008, und zwar um 12 000 oder 3,7%.

Eine Teilzeit- oder geringfügige Beschäftigung übten 2009 im Gesundheitswesen 42,5% der Beschäftigten aus. Die Zahl der auf die volle tarifliche Arbeitszeit umgerechneten Beschäftigten, die so genannten Vollkräfte, lag im Jahr 2009 bei rund 3,6 Millionen. Sie erhöhte sich gegenüber 2008 um 76 000, das entspricht einem Anstieg von 2,2%. Im Jahr 2007 stieg die Zahl der Vollkräfte um 45 000 oder 1,3%, im Jahr 2008 um 68 000 oder 2,0% an.

Demografischer Wandel: Engpässe beim Pflegepersonal werden zunehmen

Wiesbaden/Duisburg, 6. Dezember 2010 - Der demografische Wandel wird zu einem Personalmangel bei Pflegekräften führen: Im Jahr 2025 werden rund 152 000 Beschäftigte in Pflegeberufen fehlen, um die dann zu erwartende Zahl an Krankenhauspatientinnen und -patienten und Pflegebedürftigen versorgen zu können. Dies zeigen Modellrechnungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) und des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB).  

Umgerechnet auf die volle tarifliche Arbeitszeit entspricht das etwa 112 000 Pflegevollkräften in Krankenhäusern, ambulanten und (teil-)stationären Pflegeeinrichtungen. Den Modellrechnungen zufolge stehen im Jahr 2025 einem Bedarf an 940 000 Pflegevollkräften lediglich rund 828 000 Pflegevollkräfte auf der Angebotsseite gegenüber.
Berechnungen des BIBB auf Grundlage des Mikrozensus ergeben, dass im Jahr 2005 rund drei Viertel der ausgebildeten Pflegekräfte in ihrem erlernten Beruf arbeiteten. Hierzu zählen Gesundheits- und Krankenpflegerinnen/-pfleger einschließlich Hebammen und Entbindungspfleger, Gesundheits- und Krankenpflegehelferinnen/-helfer und Altenpflegerinnen und Altenpfleger einschließlich Altenpflegehelferinnen/-helfer. Diese stellten aber nur 56,4% aller Beschäftigten in Pflegeberufen dar. Bereits im Jahr 2005 hätte es einen Arbeitskräftemangel gegeben, wenn nur ausgebildete Pflegekräfte berücksichtigt worden wären: 39 000 ausgebildete Pflegevollkräfte haben gefehlt. Bislang konnte der Bedarf an Pflegepersonal aber noch über ungelernte beziehungsweise angelernte Pflegekräfte kompensiert werden. 

Gemäß den Modellrechnungen wird das Angebot ausgebildeter Pflegevollkräfte im Jahr 2025 bei 747 000 liegen. Der Arbeitskräftemangel wird sich bis dahin auf rund 193 000 erhöhen. Selbst der bislang hohe Zugewinn an fachfremdem Pflegepersonal wird spätestens ab dem Jahr 2018 nicht mehr ausreichen, um den steigenden Bedarf zu decken.

Die Studien von Destatis auf Grundlage des Mikrozensus verdeutlichen, dass dem steigenden Pflegepersonalbedarf begegnet werden könnte, wenn in Westdeutschland dieselbe Beschäftigungsstruktur wie in Ostdeutschland erreicht würde - mit mehr Voll- statt Teilzeitbeschäftigten. Hierdurch würde die Zahl der Pflegevollkräfte um 9,5% ansteigen, wodurch sich der Engpass im Jahr 2025 auf 34 000 Vollkräfte verringern würde. Erforderlich hierfür wäre jedoch ein Trend zu mehr Arbeitsstunden beziehungsweise Vollzeitbeschäftigungsverhältnissen in den Pflegeberufen. Dieser Trend lässt sich jedoch seit Beginn des Jahrtausends nicht erkennen. Vielmehr stellt eine Teilzeitbeschäftigung, vor allem bei westdeutschen Frauen, eine bewusste Entscheidung dar: So geben 69% des weiblichen Pflegepersonals im Jahr 2005 im früheren Bundesgebiet laut Mikrozensus persönliche oder familiäre Verpflichtungen als Hauptgrund für ihre Teilzeitbeschäftigung an. 

Bei den Modellrechnungen wurde der Bedarf an Pflegevollkräften aus der Gesundheitspersonalrechnung und der Vorausberechnung der Zahl der Krankenhausfälle und Pflegebedürftigen von Destatis ermittelt. Die Entwicklung des Angebots wurde über das BIBB-DEMOS-Modell geschätzt, indem die Pflegevollkräfte aus der Projektion der Beschäftigten in den Gesundheitsberufen ohne Approbation abgeleitet wurden.

Heute internationaler Tag der Menschen mit Behinderung

Duisburg, 3. Dezember 2010 - Zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung am 3. Dezember 2010 erklärt die Duisburger SPD- Bundestagsabgeordnete Bärbel Bas:
"Der Internationale Tag der Menschen mit Behinderung erinnert uns, dass Inklusion eine Daueraufgabe für Bund, Länder und Kommunen ist. Die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention ist seit der Ratifizierung im Jahr 2008 ein zentrales Anliegen der SPD-Bundestagsfraktion und die Bundesregierung muss auch im Arbeitsleben behinderten Menschen die volle Teilhabe nach Maßgabe der UN-Konvention ermöglichen.
Die neuen Arbeitsmarktzahlen zeigen leider deutlich: Auch in Zeiten sinkender Arbeitslosigkeit ist bei Menschen mit Behinderung ein ungebrochen ansteigender Trend der Erwerbslosigkeit erkennbar. So waren im November 173.563 schwerbehinderte Menschen erwerbslos, dies sind 5,6 % mehr als im November 2009. Es gibt zudem zahlreiche Menschen mit Behinderung, die keinen Schwerbehindertenstatus wollen und
die deshalb in der Statistik versteckt sind.
Allein durch die Reden der Arbeits- und Sozialministerin von der Leyen findet kein Mensch mit Behinderung eine Perspektive. Die verstärkte Förderung von Integrationsfirmen und ein verstärkter Einsatz von Mitteln aus der Ausgleichsabgabe für die Qualifikation behinderter Menschen wären der richtige Weg, genauso wie die Einführung eines Budgets für Arbeit."

„Gesund älter werden am Arbeitsplatz“: Großes Interesse Duisburger Firmen am Kongress zur betrieblichen Gesundheitsförderung

Duisburg, 3. Dezember 2010 -  „Ich bin von der Resonanz auf unseren Kongress überwältigt,“ zieht Karin Oeser, Sprecherin der Arbeitsgruppe Prävention der Kommunalen Gesundheitskonferenz Bilanz. Fast 100 Duisburger Firmen nahmen am 30. November am Kongress zur betrieblichen Gesundheitsförderung mit dem Titel ‚Gesund älter werden am Arbeitsplatz’ teil, um sich im Interesse ihrer Belegschaften über Inhalte und Möglichkeiten zur Umsetzung in der eigenen Firma zu informieren.

Geplant und organisiert wurde der Kongress im Fraunhofer-inHaus-Zentrum in Duisburg-Neudorf von der „Arbeitsgruppe Prävention“, die seit sechs Jahren ein fester Bestandteil der Kommunalen Gesundheitskonferenz ist. Ihre Mitglieder arbeiten in den unterschiedlichsten Bereichen, sei es in Gesundheitsberufen, in Unternehmen des Gesundheitswesens, in gesetzlichen Krankenkassen sowie beim Gesundheitsamt oder dem Frauenbüro der Stadt Duisburg. Ihnen allen ist eins gemeinsam: Sie verfolgen mit großem Engagement das Ziel, die Gesundheit der Duisburger Bevölkerung zu erhalten und zu verbessern.
Um möglichst viele Menschen zu erreichen, stellte die Arbeitsgruppe Prävention das Thema „Gesund älter werden am Arbeitsplatz“ im Jahr 2010 in den Mittelpunkt ihrer Aktivitäten. Unterstützt wurden sie dabei von der Kreishandwerkerschaft und von Duisburger Unternehmen. So unterstrich Dipl.-Ing. Lothar Hellmann, Firmenchef von Elektro Venn, Kreishandwerksmeister und Vorsitzender des Fachverbandes Elektro- und informationstechnische Handwerke NRW, die Bedeutung der betrieblichen Gesundheitsförderung sowohl für ihn als Unternehmer wie auch für die Belegschaft. Wichtig sei zunächst die Analyse betrieblicher Abläufe, um zielgruppenspezifische Aktivitäten, das bedeutet nach Aufgaben und zum Teil geschlechtsspezifisch differenziert, in seiner Firma umzusetzen. „Als Unternehmer versuche ich, betriebswirtschaftlich zu arbeiten und gleichzeitig die Motivation meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu fördern. Dabei hat die Gesundheitsförderung einen hohen Stellenwert“.
Diese Meinung teilte auch die Podiumsteilnehmerin Ursula Dahmen, Inhaberin eines Duisburger Büromöbel- und Einrichtungshauses, die insbesondere auf die Bedeutung der Prävention hinwies: „Unser Ziel ist, gesund zu bleiben. Wir dürfen aber nicht erst im Alter mit gesundheitsfördernden Aktivitäten beginnen, sondern dies muss bereits in jungen Jahren anfangen. Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz verstehe ich als Hilfe zur Selbsthilfe.“
In weiteren Fachbeiträgen wurde die Thematik aus gesundheits- und sportwissenschaftlicher Perspektive, aus der Sicht des Arbeitsschutzes und anhand praktischer Vorführungen unter großem Beifall aufgenommen. Umringt wurden auch die Informationsstände mit ihren vielen Aktionen, die Angebote und Möglichkeiten der Betrieblichen Gesundheitsförderung demonstrierten.
Konsens bestand darüber, dass es für Klein- und Mittelunternehmer wichtig sei, dass die Krankenkassen solche Aktivitäten fördern und Initialzündungen geben. Darüber hinaus ist es von Bedeutung, dass es in Duisburg unterschiedliche Anbieter für Angebote zur betrieblichen Gesundheitsförderung gibt. Davon konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung an etlichen Informationsständen selbst überzeugen.
Eigens zum Kongress wurde von der Arbeitsgruppe Prävention ein Informationsblatt für Arbeitergeberinnen und Arbeitgeber entwickelt, das Informationen zu den unterschiedlichen Angeboten zur betrieblichen Gesundheitsförderung in Duisburg sowie wichtige Internet-Links erhält. Es kann angefordert werden bei der Geschäftsstelle der Kommunalen Gesundheitskonferenz der Stadt Duisburg, Telefon 0203/283-3938, E-Mail: gesundheitskonferenz@stadt-duisburg.de.

Mitglieder der AG Prävention der Kommunalen Gesundheitskonferenz und die Referentinnen und Referenten des Kongresses „Gesund älter werden am Arbeitsplatz“ am 30.11.2010 im Fraunhofer inHaus-Zentrum.
 

Krebsberatung in Duisburg

Duisburg, 2. Dezember 2010 -Im Rahmen der Krebsberatung sind am Dienstag, 7. Dezember, noch Termine frei. Dipl. Sozialarbeiter Stephan Fromm steht im Konferenz- und Beratungszentrum (roter kleiner Raum) auf der Schwanenstraße 5-7 in Duisburg-Mitte zur Verfügung.
Damit niemand lange warten muss, wird auf jeden Fall um eine telefonische Anmeldung in der Zeit von 9 bis 13 Uhr unter (0203) 283-3938 gebeten.

Bärbel Bas zum Welt-Aids-Tag: „Erfolgreiche Aidsprävention braucht Aufmerksamkeit – Bundesregierung darf bei HIV/Aids nicht kürzen“

Duisburg, 30. November 2010 - Aus Anlass des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember 2010 erklärt Bärbel Bas, Duisburger SPD-Bundestagsabgeordnete und Mitglied im Gesundheitsausschuss:
Am 12. Welt-Aids-Tag erinnern wir an alle HIV-infizierten und an Aids erkrankten und gestorbenen Menschen. HIV und Aids werden immer weniger als ein gesellschaftliches Problem wahrgenommen. Gerade jüngere Menschen nehmen HIV und Aids als "nicht so gefährlich" wahr oder glauben, es betreffe sie nicht. Dies stellt die Erfolge bei der Stabilisierung der Infektionsraten und der Behandlung infrage und fördert die
Entsolidarisierung mit den Betroffenen.
Die SPD kann die von der Bundesregierung angekündigten Haushaltskürzungen bei der Aufklärung über HIV/Aids – auch bei unseren osteuropäischen Nachbarn – nicht nachvollziehen. Der deutsche Weg der Aids-Prävention war in den vergangenen Jahren erfolgreich. Anders in Osteuropa: Die dortigen Infektionsraten sprechen für sich. Wir müssen unseren Nachbarn helfen. HIV macht nicht vor Grenzen halt.
In Deutschland müssen HIV und Aids weiter ein Teil der öffentlichen Debatte sein. Die SPD wird sich dabei für ein Präventionskonzept einsetzen, das die Auswirkungen für das Gesundheitssystem berücksichtigt und die präventive Förderung zur individuellen HIV/Aids-Beratung junger Menschen sicherstellt. Der Ausbau von Selbsthilfe und Aids-Hilfen ist ein wichtiger Bestandteil der präventiven Strategie. Die von Schwarz-Gelb auf verschiedenen Länderebenen angekündigten Kürzungen von Fördergeldern lehnen wir Sozialdemokraten ab.
Die SPD steht für eine nachhaltige Präventionspolitik und wird diesen Weg gemeinsam mit der Selbsthilfe- und den Aids-Hilfen begleiten und ausbauen.

509 000 Pflegebedürftige in NRW

Duisburg, 30. November 2010 - Ende 2009 gab es in Nordrhein-Westfalen 509 145 pflegebedürftige Menschen im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes (SGB XI). Wie Information und Technik Nordrhein-Westfalen als Statistisches Landesamt mitteilt, waren das fünf Prozent mehr als zwei Jahre zuvor. Mehr als zwei Drittel (70 Prozent) der Pflegebedürftigen wurden zu Hause versorgt. Davon erhielten 236 000 Pflegebedürftige ausschließlich Pflegegeld, um die Pflege durch selbst organisierte Pflegehilfen sicherzustellen. Die übrigen fast 119 000 Personen wurden zu Hause von ambulanten Diensten betreut. In Pflegeheimen waren weitere 155 000 Personen vollstationär untergebracht.
Die Zahl der auf Pflege angewiesenen Frauen in NRW war Ende letzten Jahres mit etwa 343 000 mehr als doppelt so hoch wie diejenige der pflegebedürftigen Männer (166 000).
Der häuslichen Versorgung der Pflegebedürftigen nahmen sich 2 259 in NRW zugelassene ambulante Dienste an, die 56 000 Pflegepersonen beschäftigten. Gegenüber 2007 stieg die Zahl der ambulanten Dienste um fast sechs Prozent und diejenige der Beschäftigten um 17 Prozent an. Die stationäre Versorgung erfolgte in 2 232 Pflegeheimen (+4 Prozent) mit 148 000 Beschäftigten (+6 Prozent) (IT.NRW)
 

Medikamente machen Arme noch ärmer

Duisburg, 25. November 2010 - Das Psychopharmakon Ciatyl-Z ist bei der Behandlung von Menschen mit psychischer Erkrankung weit verbreitet. Acht von 57 Bewohnern des Wohnheims Heiligenbaumstraße der Regenbogen Duisburg GmbH hat ihr Arzt das verordnet. Nähmen sie ihr Medikament nicht, könnte sich ihr Gesundheitszustand schnell verschlechtern.
Überraschend für diese Bewohner und die Mitarbeiter ging im September erstmals eine Rechnung der Stamm-Apotheke ein. Auf Nachfrage erfuhren die Mitarbeiter des Wohnheims, dass die Krankenkasse nun weniger zahlt und der Patient die Differenz selbst ausgleichen muss. „Für einen unserer Bewohner bedeutet das, dass er ab sofort monatlich bis zu 40 Euro für seine Medikamente zuzahlen muss“, berichten die Bezugsbetreuerinnen Sarah van Dorsten und Susanne Rosenkranz.
40 Euro, die kaum ein Bewohner eines Wohnheims aufbringen kann. Menschen, die im Wohnheim leben, steht pro Monat nur ein geringer Barbetrag zur Verfügung, mit dem sie persönliche Ausgaben, wie etwa Weihnachtsgeschenke, decken müssen. Mit so wenig Geld bleiben auch kleine Wünsche fast immer unerfüllte Träume.

„Damit, dass Heimbewohner jetzt für ihre Medikamente zahlen müssen, beweisen die Akteure des Gesundheitssystems leider, dass es doch immer noch schlimmer kommen kann“, so Michael Bormke, Leiter des Wohnheims.
„Auch bei Medikamenten für Kinder sind die Zuzahlungen gestiegen und dabei sind die Preise in Deutschland ohnehin die höchsten in Europa“, unterstreicht Mohammad Hadi Rezai, Inhaber der Apotheke am Wanheimer Dreieck, die die Medikamente für das Wohnheim liefert. Genau hier vermutet Christof Schoppmann, Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie in Hochemmerich und Vorstandsmitglied des Regenbogen e.V., den Grund für die katastrophale Entwicklung zu Lasten der Ärmsten. Beschlossen, so Schoppmann, habe die Zuzahlung der „Gemeinsame Bundesausschuss“, das oberste Beschlussgremium der Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland.
„Wahrscheinlich steckt die Überlegung dahinter, dass die Pharmaindustrie mit diesem Manöver gezwungen werden soll, die Preise zu senken“, vermutet Schoppmann.
Die einzige spürbare Veränderung erfahren bislang jedoch die Bewohner, und vielleicht mittelfristig die Krankenkassen. Denn die Gabe von wirkstoffgleichen Ersatzpräparaten (Generika) ist, so sie vorhanden sind, aufgrund von Dosierung oder Verpackungsgröße oft nicht günstiger. „Es besteht jetzt die große Gefahr, dass die Bewohner ihre Medikamente nicht mehr nehmen wollen, weil sie sich diese nur leisten können, wenn sie an anderer Stelle verzichten“, warnt Schoppmann. „Daraus resultierende Krankenhausaufenthalte wären viel teurer als die zuzahlungsfreie Abgabe der Medikamente.“ Michael Bormke ergänzt: „Wenn Menschen künftig wieder in Krankenhäuser gehen müssen, weil ihnen ein paar Euro für Medikamente fehlen, wird die Entwicklung der Betreuung von psychisch kranken Menschen um Jahrzehnte zurück geschleudert.“
 

Das Arbeitszeitgesetz gilt auch in Kliniken!

Kammerversammlung der Ärztekammer Nordrhein fordert Landesregierung auf, Verstöße konsequent zu ahnden
Düsseldorf/Duisburg, 20. November 2010 - Die Kammerversammlung der Ärztekammer Nordrhein hat die nordrhein-westfälische Landesregierung aufgefordert, Verstöße von Kliniken gegen das Arbeitszeitgesetz konsequent zu ahnden. Einen entsprechenden Beschluss fassten heute (Samstag, 20. November 2010) die Delegierten der Kammerversammlung in Düsseldorf. Die hohe Zahl von Verstößen gegen das Arbeitszeitgesetz an den Kliniken in NRW sei nicht hinnehmbar.

Die NRW-Landesregierung hatte kürzlich mitgeteilt, dass bei einer
Schwerpunktkontrolle in 37 von 40 geprüften Kliniken insgesamt 101 Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz festgestellt wurden. In 15 Fällen wurde eine Schichtlänge von 24 Stunden überschritten, 22-mal wurde die tägliche Arbeitszeit von zehn beziehungsweise zwölf Stunden nicht eingehalten und 12-mal die Inanspruchnahme im Bereitschaftsdienst überstiegen. In sieben Fällen leiteten die Behörden ein Ordnungswidrigkeitenverfahren ein. „Das sind Zustände, die wir niemals akzeptieren werden!“, sagte der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Professor Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe, vor den Delegierten.
Die Ärztinnen und Ärzte forderten Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) auf, für die Kontrolle der Einhaltung der Arbeitszeitregelungen in den nordrhein-westfälischen Kliniken ausreichend Personal vorzuhalten. Darüber hinaus solle die Landesregierung die Namen der geprüften und nicht beanstandeten Krankenhäuser veröffentlichen.

Rheinische Ärzte lehnen Pharmafirmen als Vertragspartner in der integrierten Versorgung ab

Kammerversammlung der Ärztekammer Nordrhein kritisiert Neuregelung im Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz
Düsseldorf (ÄKNo). Die mit dem Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittel-marktes (AMNOG) eingeführte Möglichkeit für Arzneimittel- und Medizinproduktehersteller, im Bereich der integrierten Versorgung (§ 140 b SGB V) Versorgungsverträge mit Krankenkassen zu schließen, ist bei der Kammerversammlung der Ärztekammer Nordrhein auf scharfe Kritik gestoßen.
„Ärzte als Subunternehmer von Pharmakonzernen – dieses Szenario müssen wir im Interesse unserer Patientinnen und Patienten verhindern!“, sagte der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Professor Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe, heute (Samstag, 20. November 2010) in Düsseldorf. In Verbindung mit dem ebenfalls durch das AMNOG eingeführten § 130 c SGB V (Verträge von Krankenkassen mit pharmazeutischen Unternehmen) verfüge die pharmazeutische Industrie künftig über eine „legale“ Option, auf Verordnungs- und Therapieentscheidungen unmittelbar Einfluss zu nehmen, heißt es in einem Beschluss der Delegierten. Die Neuregelung gefährde die „ärztliche Unabhängigkeit gegenüber Dritten“ (§ 30 Absatz 1 MBO-Ä) und ziele auf eine Vorteilsgewährung für die Verordnung von Arzneimitteln ab (§ 34 Absatz 1 MBO-Ä). Sie verstoße daher gegen Berufsrecht.
Nach Ansicht der Delegierten ist es vorstellbar, dass sich die Vertragsgestaltung nicht nur auf die Versorgung mit Arzneimitteln beziehungsweise Medizinprodukten beschränkt, sondern dass Hersteller die für eine integrierte Versorgung notwendigen weiteren „Leistungserbringer“ in Form von „Subunternehmern“ mitliefern, die ihnen als „besonders geeignet“ erscheinen. „Auf diese Weise erhielte die Industrie eine versorgungspolitische Verantwortung und Steuerungsfunktion, die ihren Stellenwert im Gesundheitswesen gravierend verändert.“ Ärzte, die an Integrationsverträgen teilnehmen, könnten in der Folge auf den Status von „Erfüllungsgehilfen“ reduziert werden. Die Kammerversammlung forderte den Gesetzgeber daher auf, die im AMNOG getroffenen Regelungen zu revidieren.

Bärbel Bas: "Die SPD steht an der Seite der Hausärzte."

Berlin/Duisburg, 8. November 2010 - Zu den Spargesetzen im Gesundheitswesen, die in dieser Woche in der 2./3. Lesung im Bundestag verabschiedet werden sollen und zu den Auswirkungen für die Duisburger Hausärzten erklärt die Duisburger SPD-Bundestagsabgeordnete Bärbel Bas:
"Die SPD steht an der Seite der Duisburger Hausärzte und stellt sich gegen die Schwächung der Hausarztzentrierten Versorgung durch die Spargesetze der Bundesregierung. Diese Spargesetze machen den Hausarztberuf unattraktiver und verschlechtern die Bezahlung hausärztlicher Leistungen. Mit der Hausarztzentrierten Versorgung hatte die SPD eingeführt, dass Krankenkassen und Hausarztverbände den Versicherten eine besondere Hausarztzentrierte Versorgung anbieten müssen (§73b SGB V). Das bedeutet für die Patienten eine verbesserte Versorgungsqualität, weil die Ärzte unter anderem regelmäßig geschult werden. Im Gegenzug werden die Hausärzte besser bezahlt und in diesem Zusammen möchte ich auch festhalten: Die Duisburger Hausärzte rufen nicht einfach nach mehr Geld, sondern machen sich für eine bessere Verteilung der vorhanden Gelder stark. Auch deshalb haben sie meine Unterstützung. Die Bundesregierung hebelt die Hausarztzentrierte Versorgung aus und verschärft die wachsenden Probleme der ärztlichen Versorgung. Die SPD will die gute hausärztliche Versorgung auch in Zukunft sicherstellen. Hausärzte sind der Dreh- und Angelpunkt der medizinischen Versorgung. Jede Verschlechterung in der Versorgung der Patienten und der Honorierung der Hausärzte werden wir rückgängig machen. Da bin ich mit Karl Lauterbach einer Meinung."

Schilddrüsenerkrankungen

Duisburg, 8. November 2010 - Mehr als jeder Dritte ist an der Schilddrüse erkrankt. Der Referent Alexander Ganske, niedergelassener Allgemeinmediziner, informiert in einem Vortrag der Volkshochschule am Dienstag, 23. November, um 18 Uhr auf der Königstraße 47 über Diagnostik und Therapiemöglichkeiten von Schilddrüsenerkrankungen.