Stadtteilentwicklung Duisburg-Neudorf
Neudorf (historisch und heute) bietet:
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Gabrielkirche
Gneisenausschule

Festschrift aus Anlass des 50-jährigen Bestehens im April 1960: 

Katholische Grundschule Gneisenaustrasse

 

Als Mutter- und Ausgangsschule für alle katholischen Schulen Neudorfs ist die katholische Schule Kammerstraße anzuspre­chen. Sie wurde am 19. Mai 1869 bezogen und hieß erst Schule am Bahnhof. Die katholischen Kinder Neudorfs mussten zuvor eine der beiden katholischen Schulen der Innenstadt besuchen: die Schule Pappendelle (heute Schule Goldstraße) oder die Schu­le Brüderstraße (heute städtische Verwaltungsstelle an der neuen Minoritenkirche).

Die Schule am Bahnhof begann mit 290 Kindern und hatte nur drei Lehrer: einen Schulleiter, eine Lehrerin und einen Lehrer­aspiranten (Schülerhelfer). Nach dem deutsch-französischen Kriege 1870/71 nahm das wirtschaftliche Leben in Preußen-Deutschland großen Aufschwung. Auch in Duisburg als Gewerbe- und Handelsstadt war das spürbar. So wurde Neudorf immer mehr Wohn­viertel und die Kinderzahl wuchs entsprechend. Die Schule am Bahnhof wurde immer größer. Sie hieß bald "katholische Schule Kammerstraße". Sie hatte bis zum 1. April 1937 bestanden und musste dem Erweiterungsbau des Duisburger Hauptbahnhofes weichen und war etwa dort, wo heute am Ostausgang des Bahnhofs die Rettungs­stelle des roten Kreuzes ist.

Ostern 1894 ist eine zweite katholische Schule mit 6 Klassen an der Neudorfer Straße errichtet worden, die 1906 in zwei selbstständige Schulen nach Knaben und Mädchen getrennt wurde: "Katholische Schule Neudorfer Straße" und die "Katholische Schule Koloniestraße". Schon 1897 entstand eine weitere katholische Schule an der Bismarkstraße. Sie wurde am 15. November 1897 bezogen. Auch diese Schule wuchs schnell und wurde in zwei selbstständige Schulen nach Knaben und Mädchen getrennt: Katholische Knabenschule Bismarkstraße (Rektor Kamp­schule) und Katholische Mädchenschule Bis­markstraße (Rektor Kruse).

Durch den großen wirtschaftlichen Auf­schwung in Neudorf um die Jahrhundertwende wurde in Neudorf immer mehr gebaut. Entspre­chend wuchs die Zahl der Schulkinder.

So waren bald die Schulen Neudorfs überfüllt und es mussten auch an ka­tholischen Schulen dieses Stadtteils sogenannte "überzählige" Klassen eingerichtet werden. Das machte einen Schulneubau im südlichen Teil Neudorfs notwendig. Der damalige Schulrat für die katholischen Schulen Duisburgs, Wilhelm Eicker, hatte schon für Herbst 1908 einen Schulneubau beantragt, indem er auf die "kata­strophale Lage" an den katholischen Schulen Neudorfs hinwies, die durch die überzähligen Klassen entstanden und dass zu Ostern 1904 mit vier weiteren Klassen solcher Art zu rechnen sei. Erst war ein Schulneubau vorgesehen zwischen Waldstraße und Kolo­niestraße, Nähe Kastanienallee (heute Lortzingstraße).

Der dama­lige Stadtbaumeister Lüdecke trat für eine mehr zentrale Lage im südlichen Teile Duisburgs ein. Da bot die Kettenfabrik d'Hone ein Grundstück in Größe von 5000 qm (2 Morgen) an. Dort ge­legen, wo sich heute die Maschinenfabrik Pelzer befindet. 85,- Mark wurde für eine Quadratrute (etwa 10 qm) verlangt. Auch diese Lage schien der Stadtverwaltung noch nicht zentral genug. So kam sie auf das Grundstück weiter östlich, wo heute unsere Schule steht. Dort hatte die Stadt von einer Witwe Bütefür (alte Neudorfer Siedlerfamilie!) ein großes Grundstück von 4,97 ha (fast 20 Morgen) für den Preis von 245364 Mark erworben. Dieses Grundstück füllte den Raum zwischen Kammer-, Wild-, Kortumstraße und Sternbuschweg. Dort, "op de Heid", wurde nun endgültig gebaut. Die städtische Baukommission beschloss in ihrer Sitzung vom 26. März 1908, das erste Teilstück der Schule mit etwa 10 bis 12 Klassenräumen einschließlich Neben­räume zu errichten und beantragte dafür eine Summe von 180 000 Mark, die später um weitere 15 000 Mark überschritten wurde.

Die Stadtverordnetenversammlung vom 14. April 1908 bewilligte diesen Betrag. In der Planung und auch noch nach den ersten drei Monaten nach der Einweihung führte die Schule den Namen "Katholische Schule an der Wildstraße".

Eine Turnhalle sollte in einigen Jahren auch noch angebaut werden. Bei Baubeginn und auch noch bei der Einweihung lag die neue Schule mutterseelenallein "op de Heid". Die nächsten Häuser waren die klei­nen einstöckigen Einfamilienhäuser am Ende der Kammerstraße (die teilweise heu­te noch stehen) und ein mehrstöckiges Mietshaus Ecke Wild-/Kammerstraße. Fer­ner stand ein einzelnes Wohnhaus am Sternbuschweg zwischen Kortum- und Kammerstraße. Sonst gab es rundherum nur freies Gelände, ungepflegte Wiesen und Brachland, das jedoch alles parzelliert war und sich in Privatbe­sitz befand.

 

Das Städt. Kinderheim (damals Waisenhaus) wurde erst 1913 gebaut und die St. Gabrielkirche in ihrem ersten Bauabschnitt erst am 30. September eingeweiht.

Vom Schulgebäude konnte man durch Häuserlücken bis zum Bahnhof sehen. Kein Wunder, dass einzelne Bürger den damali­gen Oberbürgermeister Dr. Lehr angingen, wie es zu verantwor­ten sei, eine große Schule auf einem so freien Gelände am Walde zu erstellen. Schulrat Eicker musste für ihn eine Begründung vorlegen, warum der Schulbau eben hier errichtet werde. Dieser nun wies darauf hin, dass in diesem Raume des Stadtteiles Neu­dorf eine "enorme" Bautätigkeit zu erwarten sei und kein besse­rer Platz für einen Schulneubau gefunden werden könnte. Dass es recht wüst in der Umgebung des Baugeländes ausgesehen ha­ben muss, kann man aus einem Antrag des damaligen Stadtver­ordneten Rauchholz entnehmen, die Wildstraße wenigstens mit Kanalanschluß und einer festen Straßendecke zu versehen, damit die Kinder einen ordentlichen Zugangsweg zur Schule hätten.

Man baute damals das Schulhaus leider nicht in die Breite, ob­wohl genügend Baugelände vorhanden war, sondern in die Hö­he. Bis zum Singsaal sind es von unten genau hundert Treppen­stufen!

Am 11. April 1910 wurde das neue Schulgebäude bezogen. Lei­ter wurde - mehr oder weniger gegen seinen Willen - Heinrich Kruse, bislang Rektor der katholischen Mädchengrundschule Bismarkstraße neuer Rektor der Schule. Nach einem feierlichen Gottesdienst in der Ludgerikirche, der damals zuständigen Pfarr­kirche, fand im Lehrerzimmer der neuen Schule eine kurze Er­öffnungsfeier statt im Beisein von Schulrat Eicker.

 

Die Schule begann mit 547 Kindern in 10 Klassen. Sie war siebenstufig. Die Kinder kamen aus den "überzähligen" Klassen der Nachbarschulen: drei Klassen aus der Ev. Schule Sternbusch­weg, zwei aus der Bismarkstraße, je eine aus der Schule Kolonie­straße, Neudorfer Straße (Anmerkung: Fridericus-Rex-Schule), Schweizerstraße und aus Neuaufnahmen.

Die ersten Lehrpersonen waren Rektor Heinrich Kruse, die Lehrer Gottfried Giesen, Wilhelm Kalthoff, Johann Kemkens, Franz Janke, Ernst Schölten, Otto Schürhoff, Johann Welling und die Lehrerinnen Franziska Rodemann, Katharina Tüllmann und ab April 1910 als Junglehrerin Marina Cremer. Technische Lehrerinnen waren Frau Welling und Frl. Mroczinski. Am 24. Juni 1910 teilte der Oberbürgermeister mit, dass der Name der Schule jetzt "Schule an der Gneisenaustraße" sei, da sie an der dieser Straße und nicht an der Wildstraße liege.

Aus dem Schuljahr 1911 berichtet der Schulleiter, dass im Sommer häufig der Unterricht schon um 11 Uhr statt um 12 Uhr beendet werden musste, da das Ther­mometer schon um 10.30 Uhr 30° Celsius anzeigte.

Am 30. September 1912 beteiligte sich die Schule geschlossen an der Einweihung der St. Gabrielkirche. Im Jahre 1913, am 10. November, wurden für die gesamte Schul­jugend der Stadt erstmalig Martinszüge veranstaltet. Jeder Stadt­teil hatte einen eigenen Zug. Vom Neudorfer Markt aus zogen die Kinder unter Führung ihrer Lehrpersonen, alle Fackel tra­gend und Martinslieder singend, durch einzelne Straßen Neu­dorfs bis zur Turnhalle der Schule Bismarkstraße. Dort erhielt je­des Kind eine Tafel Schokolade. Getragen wurden alle Martins­züge der Stadt von den Bürgervereinen.

Am 1. April 1914 war die Schülerzahl schon auf 756 gestiegen in 13 Klassen. Gleich bei Ausbruch des 1. Weltkrieges wurden zwei Lehrer zum Heeresdienst einberufen. Am 1. August Lehrer Gerd Heckmann und am 12. August Otto Schürhoff. Zur Auf­rechterhaltung des Schulbetriebes wurde die Stundenzahl in al­len Klassen verringert; außerdem gab jeder Lehrer Mehrstunden in der Woche.

 Am 8. Februar 1915 begannen etwa 10 russische Kriegsgefan­gene damit, das brachliegende Gelände im Schulbezirk zwischen Lothar-, Ost-, Gneisenau- und Kammerstraße umzugraben und mit Frühkartoffeln zu bepflanzen. Das Grundstück vor der Schu­le wurde auch umgegraben und mit Hafer besät. Infolge des san­digen Bodens und der großen Trockenheit war der Ertrag gering. Die Gefangenen zogen Neugierige aus ganz Duisburg und sogar aus der Umgebung an. Sie machten sich an die Gefangenen her­an und beschenkten sie übermäßig mit Tabak, Zigaretten und Schokolade, so dass dieses unterbunden werden musste, auch durch Hinweise in der Schule. Bei allen großen Siegen zu Anfang des Krieges war zur Freude der Kinder schulfrei. Die großen Schulmädchen strickten Socken, Pulswärmer, Kniewärmer, Leibbinden und Schals für unsere Soldaten. Die Lehrer der Schule gründeten in Duisburg eine Lehrerkriegshilfe und sam­melten mit ihren Schulkindern Zeitungen, Zeitschriften, Unterhaltungslektüre, Spazierstöcke und Krücken, Rauchwaren, Pfei­fen, Seife, Kämme, Schreibzeug usw. usw ... Die Schulkinder hal­fen auch beim Umtausch von Goldmünzen in Papiergeld und bei der Werbung für Kriegsanleihen. Sie sammelten auch Buchmate­rial, Alteisen und Stanniolpapier. Später wurden Eicheln, Lum­pen, Flaschen, Knochen, Korken, Brennesselstiele und sogar ge­trocknete Pflaumen- und Kirschsteine gesammelt. Unter Mithil­fe der Kirche gingen viele Kinder zum Landaufenthalt an den lin­ken Niederrhein, nach Westfalen und Oldenburg, um dort bes­ser ernährt werden zu können. Die Schule legte neben dem Schulhof unter Anleitung von Lehrer Johann Geiser einen Schul­garten an und bebaute ihn erfolgreich mit Kartoffeln, Gemüse und Sonnenblumen.

Im Kriege wurde mit einem Anbau (6 Klassen über der Koch­schule) begonnen und am 11. November 1916 von der Ev. Schule Gneisenaustraße bezogen, die bis zum 13. April 1937 in unserem Hause verblieb und dann in die Mozartschule einzog.

Im 1. Weltkrieg gab es auch schon eine Schulsuppenspeisung für die ärmsten Kinder. Auch von feindlichen Fliegern wurde unser Schulbezirk im 1. Weltkrieg heimgesucht.

In der Nacht vom 6./7. Juli 1917 warf ein Flieger eine Bombe leichter Art auf das Gartengelände Ecke Kammerstraße und Grabenstraße, ohne besonderen Schaden anzurichten. Eine wei­tere Bombe traf das Pfarrhaus an der Christuskirche und verur­sachte einigen Schaden. "Die Abwehrgeschütze traten in Ak­tion", meldete der Chronist. Im Kriege und auch später war in der Schule in einem Raum neben dem Singsaal eine Jugendher­berge mit 16 Betten eingerichtet. Auf Antrag der Ev. Schule Gnei­senaustraße sollte im westlichen Treppenhaus eine Volksstern­warte eingerichtet werden, was aber damals an den hohen Ko­sten (145 000 Mark) scheiterte.

Am 4. März 1918 war aus Anlass des Friedensschlusses mit Russland schulfrei.

Lehrer Geiser machte mit den Schuljungen ein weiteres Feld in Schulnähe urbar und erntete 2000 Pfund Kartoffeln. 15 Pfund Bohnen, 30 Pfund Kohl, 5 Pfund Mangold und 25 Pfund Stiel­mus. Die Erträge bekamen die Schüler.

Es kam das bittere Ende des Krieges. Beide Lehrer kehrten heil und gesund heim und nahmen den Unterricht wieder auf. Der Schulleiter schließt am 31. März 1919 seine Jahreschronik mit ei­ner Ehrentafel, in der er 95 gefallene Krieger des Schulbezirkes anführt, mit den Worten "Ehre ihrem Andenken".

Die Aufzeichnungen in der Schulchronik vom 1. April 1919 bis 1. April 1924 fehlen. Sie sind verlorengegangen bei der Belegung des Schulgebäudes mit französischen Truppen vom 10. bis 20. Januar 1923, die wegen der Besetzung des Ruhrgebietes hier weilten. In der Nacht zum 10. Januar 1923 mussten sofort alle Schulmöbel zum Singsaal und Speicher gebracht werden. Nach Abzuge der Truppe fehlten viele Eigentumsstücke der Schule, auch die Schulchronik des vorhin genannten Zeitraumes.

 

Vom 30. Mai bis 10. Juli 1921 ist die Schule auch schon einmal mit französischen Soldaten belegt gewesen.

Nach dem 1. Weltkrieg ging die Schülerzahl stark zurück. Am 1. März 1925 waren es nur noch 583 Kinder. Erst als in der näch­sten Umgebung der Schule eine rege Bautätigkeit seitens des Wohnungsvereins einsetzte, kamen 100 Kinder dazu.

Am 31. März 1926 trat der bisherige Hausmeister seit der Schuleröffnung, Wilhelm van der Most, in den Ruhestand. Ihm folgte Karl Hölscher, der am 1. Dezember 1928 von Wilhelm Hungerland abgelöst wurde. Als dieser sich auf die Hausmeister­stelle an der Knaben-Realschule versetzen ließ, trat am 1. Juli 1949 der Hausmeister Karl Virchow seinen Dienst an.

In der Schulumgebung wurden weitere Wohnungen gebaut, hauptsächlich vom Wohnungsverein. So stieg die Schülerzahl auf 735, verteilt in 16 Klassen. Es mangelte mittlerweile bei uns an der Ev. Schule Gneisenaustraße an Klassenraum, so dass 4 Schulbaracken mit je 2 Klassenräumen auf dem Schulhöf auf­gestellt wurden.

Mit Schluss des Schuljahres 1931/32 schied Rektor Heinrich Kruse wegen Erreichung der Altersgrenze aus seinem Dienst. Sein Nachfolger wurde Rektor Heinrich Thomee, der am 31. März 1932 von Schulrat Giese eingeführt wurde.

Mittlerweile kamen die 12 unheilvollen Jahre des Hitlerreiches. Es musste viel marschiert, viel gefeiert, viel Rundfunk gehört, viele Filme besucht und viel Altmaterial gesammelt werden: Eisen, Buntmetall und Knochen.

 

Der Lernmittelbeitrag von 20 Pfennig je Kind und Monat wur­de eingeführt für die Anschaffung von Lichtbildgeräten. Alle Kinder mussten die Schülerzeitung "Hilf mit" halten, die fast nur nationalsozialistisches Gedankengut brachte. Das Kruzifix in der Klasse musste seinen Ehrenplatz dem Hitlerbilde räumen, um bald ganz aus dem Klassenzimmer zu verschwinden. Der Hit­lergruß mit erhobener rechter Hand wurde verbindlich für Leh­rer und Schüler.

Am 23. Juni 1934 wurde der Konrektor der Schule, Johann Welling, unter Beteiligung der ganzen Schule zu Grabe getragen. Nach 38-jähriger, erfolgreicher Schultätigkeit war er nach kurzer Krankheit verschieden. Eine besondere Feststunde war die Feier zur Rückkehr des Saargebietes am 1. März 1935 vormittags im Singsaal mit Lie­dern, Gedichten, Ansprachen, Sprech-Chören und Reigen.

Am 24. März 1935 feierte die Schule ihr 25-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass fand am Sonntagabend ein großer Elternabend im Concordia-Saal (später Deli-Kino) statt. Frl. Maria Cremer, die gleichzeitig ihr silbernes Lehrer- und Dienstjubiläum an der Schule feierte, hielt die Festansprache. Die Beteiligung der Eltern und den ehemaligen Lehrern der Schule war groß. Am nächsten Tag war ein feierliches Hochamt in der St. Gabrielkir­che für die Gefallenen des 1. Weltkrieges und die verstorbenen Lehrpersonen. Dann ging es im gemeinsamen Marsch zum Ehrenfriedhof auf dem Kaiserberg zu einer Gefallenenehrung.

Am Samstag dem 26. Oktober 1935 fand im Rahmen einer Schulfeier für beide Gneisenauschulen (katholische und evange­lische) die Namensverleihung "Gneisenauschule" statt. Dieser Name ist jedoch wieder verschwunden und die Schule heißt seit dem 2. Weltkriege wieder "Katholische Schule an der Gneisen-austraße". Ein besonderes freudiges Ereignis war die Einweihung der Mozartschule am 12.März 1937. Die ev. Schule Gneisenaustraße zog aus und wurde Ev. Schule Mozartschule. Nun hatte die Gneisenauschule alle Räume für sich alleine; jede Klasse erhielt ihren eigenen Raum. Die Baracken auf dem Schulhof ver­schwanden. Mittlerweile zählte die Schule durch den regen Woh­nungsbau 890 Kinder.

Weil der Schulleiter Heinrich Thomee wegen Erreichung der Altersgrenze ausscheiden musste, fand am Abend des 26. März 1938 eine stark besuchte Abschiedsfeier im Singsaal statt. Bei der Flaggenhissung aus Anlass des Ferienbeginns am 31. März 1938 nahm Rektor Thomee von allen Schulkindern Abschied. Sein Nachfolger wurde Rektor Paul Nentwig, bisher Leiter der Schu­le Blücherplatz in Hochfeld. Am 20. April 1938 führte ihn Schul­rat Weferling in seinen neuen Wirkungskreis ein. Mit Beginn des Schuljahres 1939/40 wird in ganz Duisburg die sogenannte Deut­sche Schule, die Gemeinschaftschule, eingeführt. Die Schulbezir­ke Neudorfs wurden neu abgegrenzt. 472 Kinder und 10 Lehr­personen kamen im Austausch gegen ihren Wunsch und Willen an andere Schulen.

 

In den Sommerferien 1939 bricht der Krieg gegen Polen und damit der 2. Weltkrieg aus. Sofort wird die Schule vorn Militär belegt und erst am 16. September wieder geräumt. Der Unter­richt kann wieder beginnen; aber die benachbarte Sternbusch­wegschule zieht mit ein, da ihr Gebäude vom Militär bean­sprucht wird und auch für die ganze Kriegsdauer belegt bleibt. Es findet Unterricht statt in drei Schichten, weil nach Anordnung der Luftschutzbehörde wegen der wenigen Luftschutzräume nur 6 Klassen gleichzeitig unterrichtet werden dürfen. Der Lehrer Oswald von Manger wird zum Heeresdienst eingezogen. Er ist am 30. Juli 1941 in Russland gefallen. Ebenso eingezogen wurde der Lehrer Heinrich Meenen; er wird seit dem 18. März 1944 in Russland vermißt. In Russland fiel auch am 27. November 1941 der Kaplan Albert Oslender, der als Geistlicher der St. Gabriel­kirche an unserer Schule Religionsunterricht erteilte.

Infolge der häufigen Fliegerangriffe - auch mit Brandbomben - mussten die Lehrpersonen bei Tag und Nacht Brandwache stellen für das Schulgebäude.

Schon 1940 beginnt man damit, die Schulkinder unserer Indu­striestädte in luftungefährdete Gebiete zu evakuieren. Sie wurden meist (Alter: 10-14 Jahre) in Lagern, d. h. in Heimen, Hotels und Gasthöfen kostenlos untergebracht und verpflegt und hatten Unterricht von ihren eigenen Lehren. Aufhahmegebiete für unsere Duisburger Kinder waren Dänemark, die Tschechoslowa­kei, Österreich, Süd- und Mitteldeutschland.

Die Kinder der unteren Jahrgänge kamen meist nach Süd­deutschland in Familienaufenthalt. Sehr viele Eltern wollten sich jedoch nicht von ihren Kindern trennen. So mussten auf den Schulhöfen Schutzräume in Form von unterirdischen Gewölbe­gängen gebaut werden, die besonders gegen Giftgasangriffe schützen sollten. Gegen Sprengbomben und Luftminen boten sie nicht genügend Schutz. So kamen nachts bei einem Volltreffer auf einen solchen Bunker unserer Schule 7 Erwachsene zu Tode und 13 wurden schwer verletzt. Jeder größere Fliegerangriff auf Duisburg zerstörte immer die Fensterscheiben der Schule und warf Dachziegel ab. Auf unserem Schulgelände wurde später ein großer, bombensicherer Hochbunker gebaut, der allerdings den Schulgarten und die Spielwiese fortnahm.

 

Eine verstärkte Wer­bung für die Kinderlandverschickung hatte zum Ziele, alle Schul­kinder zu evakuieren. Das gelang bis auf wenige, da auch jetzt El­tern ihre Kinder nicht fortschicken wollten. Da nun alle Schulen in Duisburg (bis auf einige Schulen in den Dörfern des südlichen Stadtgebietes) auf Anordnung des Regierungspräsidenten in Düsseldorf am 15. Mai 1943 geschlossen wurden, zog die Wehr­macht und später die Stadtverwaltung mit verschiedenen Kriegs­ämtern in die freigewordenen Schulräume ein. Die noch nicht mit den Schulkindern verschickten Lehrpersonen mussten in städtischen Verwaltungsstellen Dienst tun.

Am 1. Mai 1943 war Schulleiter Paul Nentwig an eine Leh­rerbildungsanstalt abgeordnet worden und seine Vertretung übernahm Konrektor Johannes Urselmann. Die Fliegerangriffe auf Duisburg wurden immer schlimmer; aber unsere Schule selbst wurde glücklicherweise nicht von einer Bombe getroffen. Ein Andenken an diese schwere Zeit liegt auf dem Schulspei­cher: ein zentnerschwerer Bordstein, den eine an der Straßen­kreuzung Gneisenau-/Kortumstraße eingeschlagene Luftmine dorthin schleuderte und der wohl immer dort liegen bleiben wird.

Die Stadtämter in unserem Schulgebäude haben es in den letz­ten Kriegstagen, bei Kriegsschluss und auch in den ersten Tagen nach Kriegsende vor Plünderungen und mutwilligen Zerstörun­gen bewahrt und bei Fliegerangriffen immer wieder notdürftig ausgebessert. Das sei hier an dieser Stelle besonders festgestellt und anerkannt erwähnt.

 

 

Die Gneisenauschule von 1945 bis 1960

Bei Kriegsschluss kamen die evakuierten und landverschickten Kinder mit ihren Lehrern nach und nach zurück. Auf Anordnung der Britischen Militärregierung musste der Unterricht am 6. Au­gust in der ganzen Zone wieder aufgenommen werden.

Von den 6 Schulgebäuden Neudorfs waren 4 total zerstört. Nur die Schulen Gneisenau- und Mozartstraße waren erhalten geblieben, wenn auch mit Dach-, Fenster- und Türschäden. Die Schule an der Gneisenaustraße war jedoch vom Kriegschäden-und Wirtschaftsamt voll belegt, so dass für den Unterricht nur noch die Schule an der Mozartstraße verblieb. Durch die Tages­presse wurden die Kinder aufgefordert, am 6. August auf dem Schulhof zu erscheinen. Es wurden 2 Schulen als Gemein­schaftsschulen eingerichtet: Mozartschule I und Mozartschule II. Beide hatten etwa 1200 Kinder zu betreuen. Die Klassen waren überstark und hatten teilweise 70 bis 80 Kinder; die meisten Lehrer führten 3 Klassen.

Die Lehrpersonen hatten die Fenster mit Hilfe von Pappe und Glas notdürftig geschlossen, aber es konnte noch kein planmäßiger Unterricht erteilt werden. So kamen die Kinder nur, zeigten ihre Hausaufgaben vor und erhielten für den nächsten Tag neue auf. Als die Schule weiter verglast wur­de, besserten sich die Unterrichtsverhältnisse merklich.

Im Frühjahr 1946 fand eine Abstimmung der El­tern über die Wiedereinführung der Bekenntnis­schulen statt. Für ganz Neudorf wurde am 16. Mai 1946 die Katholische Schule an der Gneisenaustraße wieder eröffnet.

Die Chronik der folgenden Jahre (1946 -1950) ist ein getreues Spiegelbild der großen Not auf allen Gebieten nach dem Kriege, des zähen Wiederaufbaues, des langsamen Aufstiegs nach der Währungsreform. Die Worte Lehrermangel, Schichtunterricht, Schulspeisung, Kohlenknappheit, Schwedenspeise, um nur eini­ge zu nennen, rufen Erinnerungen wach, die mit zu den düsteren Kapiteln der Chronik zählen. Ende 1946 besuchten 1411 Kinder in 21 Klassen die Gneisenauschule. Sie erhalten im Rahmen der Schulspeisung Schokolade, die viele bis dahin nicht gekannt hat­ten. Im März 1947 wird die Schule nach Pfarrbezirken geteilt in Gneisenauschule I und II (der späteren Bismarckschule). Die Leitung der neuen Schule übernimmt zunächst Herr Willi Hufschmidt. Auf einen Lehrer kommen genau 83,7 Kinder!

 

Das Jahr 1948 bringt die Währungsreform. Es geht weiter aufwärts! Der bisherige Lei­ter der Gneisenauschule II, Herr Willi Huf­schmidt, wird mit Beginn des Schuljahres 1949/50  zum  Rektor  ernannt.   Bereits 1950 erfolgt eine gründliche Renovierung des Gebäudes. Der Schule werden meh­rere Nachwuchskräfte zugewiesen. Sie legen im Laufe der weiteren Jahre ihre zweite Lehrerprüfung ab, alle mit gu­tem Erfolg - ein Beitrag der Gneise­nauschule zur Lehrerfortbildung. Die ersten Wanderungen und mehrtägigen Heimaufenthalte werden durchgeführt, die inzwischen zu einem festen Be­standteil der erzieherischen und unter­richtlichen Arbeit geworden sind. 1951 verlässt die Gneisenauschule II das Gebäude und zieht in die Bismarck­schule.

Endlich mehr Unterrichtsräu­me! Während des Schuljahres 1952/53 kann mit dem Bau einer so dringend benötigten Turnhalle begonnen wer­den.  Sie wird im  darauf folgenden Schuljahr eingeweiht. Die Freude ist groß!

Mit Ende des Schuljahres 1956 treten Herr Rektor Hufschmidt und Herr Konrektor Postels in den Ruhestand. Beide Herren ha­ben in schwerer Zeit die Schule geführt und mitgeholfen, ihr Bild zu prägen.

Am 1. April 1957 übernimmt Herr Vinzenz Hundt als Rektor die Leitung der Schule, ihm zur Seite als Konrektor Herr Karl Giese. Mit Wirkung vom 1. September 1959 wird Herr Engels Konrektor, der seit 1946 als Lehrer an der Schule unterrichtete.

 

Noch viele Seiten ließen sich füllen, doch erlaubt der Raum nur einige weitere Stichworte: Schulsportfeste, Elternabende, Ausstellungen von Schülerarbeiten, heimatkundliche Fahrten des Kollegiums, 25- und 40-jährige Dienstjubiläen, bestandene Prü­fungen, Schülerlotsen, Kasperletheater, Laienspiele, bischöfliche Besu­che, Entlassungsfahrten u.v.m. lassen angenehme Erinnerungen wach werden. Dass der Schule in den weiteren Jahrzehnten ihres Beste­hens nur glückliche Erinnerungen beschieden sein mögen, ist der Wunsch des Chronisten, der seinen Be­richt schließen möchte mit dem Gruß, der einer alten Hafen- und Schifferstadt wohl ansteht: "In Gottes Namen!"

 

Quelle: Festschrift aus Anlaß des 50-jährigen Bestehens der Katholischen Volksschule im April 1960

Bearbeitet von Konrektor a. D. Postels und Maria Clever