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Andere Länder andere Sitten.
Behauptet zumindest der Volksmund. Ist Fußball der Volkssport Nr. 1
in Deutschland, verbinden wir Kampfsportarten wie Judo und Karate
mit Ostasien. ?Taekwondo ist eine Kampfsportart, die aus Korea
stammt. Hier in Deutschland gehört sie allerdings zu den
Randsportarten, erzählt Frank J. Reichert. Der Mönchengladbacher
leitet die Abteilung Taekwondo bei den Faustkämpfern Mönchengladbach
1925 und fundiert dort gleichzeitig als Trainer.
Taekwondo ist eine moderne, in Korea weiterentwickelte Form aus
althergebrachten, über 1800 Jahren alten asiatischen
Selbstverteidigungssystemen. Taekwondo gehört zu den Budosportarten.
Der Begriff Taekwondo setzt sich zusammen aus ?Tae (springen, stoßen
und schlagen), Kwon (Faust) und Do (Weg).
"Do" ist der geistige Gehalt dieser Sportart und steht für
Disziplin, Ausdauer, Selbstkritik und Achtung, ergänzt Reichert.
Taekwondo ist dem Karate am ähnlichsten; es wird jedoch ein noch
größerer Wert auf Sprünge, Wendungen und blitzschnelles Zustoßen
gelegt. Die Wettkampfkleidung ist jedoch wieder sehr ähnlich.
Kampfsport, Bewegungsformen, Bruchtest und Breitensport sie sind die
Elemente des Taekwondo. Zehn Schülergrade sowie zehn Meistergrade
werden durch festgelegte Prüfungen erworben. Beim Wettkampf im
Formenlauf handelt es sich um die Vorführung von festgelegten
Bewegungsabläufen, die den Kampf gegen einen oder mehrere imaginäre
Gegner darstellen. Die Ausführung wird durch ein Kampfkomitee
bewertet.
Der freie Kampf nach festgelegten Regeln findet im Vollkontakt auf
einer Kampffläche von 8 x 8 Metern statt. Die Kämpfer sind dabei
durch Brustpanzer, Kopfschutz, Schienbeinschutz, Unterarmschutz und
Genitalschutz vor Verletzungen geschützt. Es werden 2 x 1,5 min bis
2 x 3 min gekämpft. Durch Tritte und Fauststöße auf Brustpanzer und
Tritte gegen Kopf, die sichtbare Reaktionen beim Gegner hervorrufen,
kann gepunktet werden. Ebenso führen erlaubte K. o.-Techniken zum
Sieg. Tritte und Schläge zum Hals, in den Rücken und unterhalb der
Gürtellinie sowie Fauststöße zum Kopf sind nicht erlaubt.
Handkantentechniken, Kniestöße, Fingerspitzenstöße und
Ellenbogenstöße gehören ebenfalls zu den unerlaubten Techniken.
Auch wenn sich sicherlich noch vieles erzählen ließe, soll dies zur
Theorie genügen. Szenewechsel. Freitag Abend, so gegen 20 Uhr. So
etwa 15 Personen treffen sich in der Turnhalle am Ringerberg 11. Sie
alle sind in der weißen Kleidung der Selbstverteidigungssportarten
gewandet. Frauen? Sie sind hier nicht zu sehen. Dafür trainieren die
einigen wenigen Erwachsenen zusammen mit den Kindern.
Seit 1996 sei er hier Übungsleiter, erzählt Reichert, selbst Inhaber
einer Werbe- und Veranstaltungsagentur. 26 Mitglieder gehören der
Abteilung an. ?Die Leute, die heute hier sind, gehören schon zum
festen Stamm. Es kann aber auch sein, dass wir im Sommer nur zu
fünft sein. Nur zum Vergleich: 16.000 Aktive in 270 Vereine gibt es
in ganz NRW.
In einer städtischen Halle kann der Verein sein Training
durchführen. ?Wir sind eigentlich ganz froh, dass uns die Stadt
diese Sporthalle zur Verfügung stellt. Wer sich in Mönchengladbach
auskennt, weiß, dass die Stadt nicht gerade mit solchen Hallen
gesegnet ist. Über mangelnde Kooperationsbereitschaft können wir uns
nicht beklagen.
Die Trainingszeiten: dienstags 18 20 Uhr, freitags 20 22 Uhr. ?Rein
von der Motivation her würde ich schon gerne mehr Training anbieten.
Da ich aber selbständig arbeite, oft einen 10 Stunde Tag lang und
noch Frau und 2 Kinder hinzukommen, stoße ich heute schon an meine
Grenzen, so Reichert.
Was ihm wohl Freude macht an seinem Sport? Die Freude an der
Bewegung. Taekwondo baut Stress ab. Taekwondo vermittelt
Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen.
Reichert: Taekwondo vermittelt koreanische Tugenden wie Ausdauer und
Disziplin. Mir gibt es ein Stück innerer Ausgeglichenheit zurück.
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