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Über den Wolken muss die
Freiheit wohl grenzenlos sein. War es Reinhard Mey, der so sang?
"Von wegen Freiheit. Da der Düsseldorfer Flughafen in der Nähe
liegt, müssen wir nach Issum ausweichen. Der Luftraum ist hier in
Duisburg einfach viel zu voll," erzählt Herbert Ebner von der
Luftsportgemeinschaft Rheinhausen.
"Der Segelflug ist das Fliegen mit motorlosen Flugzeugen und
Luftsportgeräten oder das Fliegen mit abgeschaltetem Motor. In
Ergänzung zum reinen Gleitflug werden hierbei auch natürliche
Aufwinde zur Höhengewinnung genutzt.
Diese Art des Fliegens wird vor allem mit Segelflugzeugen,
Motorseglern, Paragleitern (Gleitschirmen) und Hängegleitern
betrieben. Mittlerweile gibt es aber auch immer mehr segelflugfähige
Ultraleichtflugzeuge.
Im engeren Sinn versteht man unter ?Segelflug - aber nur den
motorlosen Flug von Segelflugzeugen oder Motorseglern, bei denen der
Pilot einen Höhengewinn erzielen kann. Obwohl die physikalischen
Grundlagen des Fliegens mit den genannten Fluggeräten die gleichen
sind, verwendet man je nach Flug- bzw. Sportart Begriffe wie
Gleiten, Gleitsegeln, Gleitsegelfliegen, Paragleiten oder
Drachenfliegen mit Hängegleitern.
Prinzipiell kann jedes Flugzeug auch ohne Motor im Gleitflug
gesteuert werden, selbst Verkehrsflugzeuge verfügen über einen
erstaunlich günstigen Gleitwinkel (bei etwa 300 km/h). Auch die
Landung eines Space Shuttle erfolgt im Segelflug, und das
SpaceShipOne ist sogar ganz offiziell ein nicht-eigenstartfähiges
Segelflugzeug mit Hilfsantrieb.
Zum Start eines Segelflugzeugs
Jedes Segelflugzeug muss beim Start zuerst mit fremder Hilfe auf
eine gewisse Ausgangshöhe gebracht werden, bevor es selbständig
weiterfliegen kann. Dazu wird es meistens von einem Motorflugzeug
oder von einer Seilwinde geschleppt. Manche Segelflugzeuge haben
auch einen eigenen Motor eingebaut, so dass sie autonom starten
können. Vor allem in den USA wird teilweise noch mit Auto
geschleppt. Früher wurden auch Gummiseile verwendet.
Moderne Seilwinden bringen ein Segelflugzeug beim Start auf etwa 250
bis 500 Meter Ausgangshöhe (durch moderne Kunststoffseile wurden mit
Modifikationen an der Winde schon ca. 1400 Meter erreicht). Von dort
aus kann es ohne weiteren Antrieb im Gleitflug weiterfliegen. Dabei
sinkt das Flugzeug je nach Bauart und Geschwindigkeit mit etwa 0,5
bis 1 m pro Sekunde. Bei großem ?Saufen - (fliegerdeutsch für
starkes Sinken - der dem Segelflugzeug umgebenden Luftmasse) oder
bei sehr schnellem Flug fällt das Segelflugzeug auch mal mit 3 bis 5
m pro Sekunde. Das Verhältnis von Horizontalgeschwindigkeit und
Sinkgeschwindigkeit ist die Gleitzahl. Durch Nutzung natürlicher
Energiequellen wie Thermik, Hangwind oder Leewellen kann das
Segelflugzeug an Höhe gewinnen (bei thermischen Aufwinden im sog.
Kurbeln -, bei günstigen Hangaufwinden aber auch im Streckenflug).
Dieser Höhengewinn ermöglicht dem Segelflieger, längere Zeit in der
Luft zu bleiben und im Gleitflug einen weiteren Aufwind zu
erreichen. Bei entsprechender Wetterlage sind damit Flüge von
mehreren Stunden Dauer und Streckenflüge von über 1000 km, in
einigen besonders geeigneten Gebieten wie beispielsweise den Anden
auch bis zu 3000 km Distanz möglich.
Segelfliegen bedeutet, ein Luftfahrzeug ?schwerer als Luft - ohne
fest mit dem Flugzeug verbundene Kraftquellen in einem Gleitflug zu
bewegen. Dieser motorlose Flug unterscheidet sich prinzipiell nicht
von der Steuerung anderer Luftfahrzeuge. Jedes Flugzeug mit
Flügelflächen kann gleiten. Dies bedeutet, dass die aus Eigengewicht
(Masse des Flugzeugs mal Erdschwerebeschleunigung) und der
Ausgangshöhe resultierende potentielle Energie des Flugzeugs für den
Vortrieb genutzt wird. Je nach vorhandener Höhe, Fluggewicht und
Qualität der Tragflächen kann man unterschiedlich weit fliegen.
Das Verhältnis zwischen zurückgelegter Distanz und (verbrauchter)
Höhe wird als Gleitzahl bezeichnet (entspricht dem Kehrwert des
Tangens des Gleitwinkels). Oder anders: potentielle Energie (= Höhe
und Eigengewicht) wird in kinetische Energie
(Vorwärtsgeschwindigkeit mal Flugzeugmasse) umgesetzt. Wird eine
Flugbahn steiler, erhöht sich die Geschwindigkeit. Bei modernen
Segelflugzeugen, die eine sehr gute Gleitzahl aufweisen, füllen
Wettbewerbspiloten Wasser in die Tragflächen, um das Flugzeug
schwerer zu machen. Damit besitzt das Flugzeug mit der Flughöhe mehr
potentielle Energie, die in kinetische Energie umgesetzt werden
kann. In der Praxis bedeutet dies, das Flugzeug steigt langsamer in
der Thermik, kann aber wesentlich schneller bei gleichem Gleitwinkel
fliegen. Bei guten thermischen Bedingungen können so wesentlich
höhere Durchschnittsgeschwindigkeiten erzielt werden. Wenn die
Thermik gegen Abend schwächer wird, in jedem Fall aber vor der
Landung, wird das Wasser abgelassen. Dies kann bei hohen
Geschwindigkeiten zu eindrucksvollen Bildern führen.
Im Motorflug (auch beim Motorsegler) dient die Zuführung von Kraft
durch ein Triebwerk dazu, den mit dem Gleitflug verbundenen
Höhenverlust ausgleichen. Zu jeder Fluglage und Flugbahn gehört nur
eine ideale Geschwindigkeit, denn der Widerstand einer Flugbahn ist
im Gleitflug ebenso groß wie der Vortrieb. Daran ändert auch ein
Triebwerk nichts. Wird in einer Flugbahn mehr Kraft (Vortrieb)
zugeführt, als durch Gewicht und Widerstand verloren gehen, beginnt
das Flugzeug zu steigen. So gibt es unter Segelfliegern den Witz,
dass ein Propellerflugzeug beim ?Gas geben - nicht schneller,
sondern lauter wird.
Ein Segelflugzeug kann dann Höhe gewinnen, wenn es gelingt, in einer
Luftmasse zu fliegen, die schneller aufsteigt als das Flugzeug
absinkt. (Das entspricht etwa der Situation, wenn man auf einer
aufwärts bewegten Rolltreppe langsam abwärts geht.) Nichts anderes
kann man beim Kreisflug von Raubvögeln oder Störchen beobachten.
Höhe gewinnen bedeutet hier also Kreisen in einem Thermikschlauch
(Bart), also sich möglichst nahe dem Zentrum aufsteigender Luft zu
bewegen (oder alternativ in aufsteigenden Luftmassen wie Leewellen
oder Hangwinden). Ein hohes Gewicht lässt zwar schnell gleiten,
führt aber zu schlechterem Steigen. Der Grund hierfür ist weniger
die höhere minimale Sinkgeschwindigkeit, die nur bei extrem
schwachen Thermiklagen zum tragen kommt (größenordnungsmäß reden wir
hier von einer Erhöhung der minimalen Sinkgeschwindigkeit von z.B.
0.5m/s auf 0.7m/s), sondern die Hauptursache ist vielmehr die höhere
minimale Vorwärtsgeschwindigkeit, welche die Kreise größer werden
lässt und so ein optimales Zentrieren (verlagern des Flugwegs in den
Aufwindkern) verhindert.
Die Steuerung eines Segelflugzeugs verlangt alle Kenntnisse und
Fertigkeiten der Steuerung eines Flugzeugs. Da beim Segelflug über
die Bedienung der grundsätzlichen Steuerelemente Höhenruder,
Seitenruder und Querruder direkt auf den Flug eingewirkt wird und
gleichzeitig die Naturbedingungen Auswirkungen auf die Dauer des
Flugs haben, wird von Piloten der Segelflug als ?pures Fliegen, als
Segelflugsport beschrieben. Dieses besondere Erleben, zu dem auch
das leise-veränderliche Fluggeräusch des Fahrtwindes, die vielen
Vertikalbeschleunigungen (siehe ?Sitzfleisch und Variometer) und die
relativ steile Kurvenlage gehören, machen den besonderen Reiz aus,
dem der Neuling trotz anfänglicher Angst bald erliegt.
Das Segelfliegen zu lernen, ist keine Sache des Alters. Es gibt
Flugschüler, die älter als 70 Jahre waren. Nur sollte man damit
rechnen, dass mit jedem Lebensjahr über 30 ein Schulstart mehr bis
zum Alleinflug benötigt wird. Frühestens ist der Alleinflug (und der
Beginn der Ausbildung) ab dem 14. Geburtstag möglich. Notwendig ist
unter anderem ein Tauglichkeitszeugnis eines zugelassenen
Flugarztes.
Windenstart
Beim Windenstart wird das Segelflugzeug mit Hilfe einer Seilwinde in
die Luft gezogen. Die Winde mit einer Motorleistung von 200 bis über
400 PS zieht das Flugzeug an einem bis zu 3000 m langen Stahl- oder
Synthetikfaserseil. Das Seil wird dabei auf einer Windentrommel
aufgerollt, das Segelflugzeug wird auf etwa 90�130 km/h
beschleunigt. Durch den Auftrieb, der dabei an den Tragflächen
entsteht, hebt das Segelflugzeug alleine ab. Keinesfalls wird es
?vom Boden weggezogen�. Die Kombination der hohen Motorleistung mit
dem geringen Gewicht eines Segelflugzeuges führen zu
Formel-1-ähnlichen Beschleunigungswerten. Das Flugzeug hat teilweise
nach 10 -15 Metern bereits Startgeschwindigkeit (80 -100 km/h) und
hebt ab. Die erreichbare Flughöhe beträgt ein Drittel bis zur Hälfte
der ursprünglichen Seillänge, bei besonders günstigen
Wetterbedingungen wie starkem Gegenwind (oder mäßiger
Seitenwindkomponente) auch mehr.
Hat das Segelflugzeug abgehoben, reduziert der Startwindenfahrer ab
circa 50 Meter Schlepphöhe etwas die Geschwindigkeit der
Seiltrommel. Denn mit zunehmender Flughöhe führt ein Ziehen am
Höhenruder des Segelflugzeugs immer dann zu einer Fahrtsteigerung,
wenn der Windenmotor auf diese Belastung kaum reagiert (besonders
bei starken Winden mit Dieselmotor).
Im letzten Teil des Schlepps reduziert der Windenfahrer die
Seilgeschwindigkeit. Dadurch verflacht sich die Steigfluglage, da
der Segelflugpilot in jedem Abschnitt des Windenstarts dafür zu
sorgen hat, dass die sichere Mindestfahrt (steht im Flughandbuch)
nie unterschritten wird.
Überschreitet der Seilzug nach unten einen bestimmten Winkel (circa
70°), klinkt das Windenseil alleine aus der Schleppkupplung aus. Der
Schlepphaken ist von einem verschiebbaren Korb umgeben, mit
zunehmendem Winkel nach unten bewegt sich dieser Korb durch den
Seilzug gleichzeitig nach hinten und schiebt den Doppelring (hiermit
ist das Seil am Segelflugzeug eingeklinkt) so nach hinten, dass er
automatisch aus dem Schlepphaken rutscht.
Auch wenn das Windenseil alleine ausklinkt, zieht der Pilot im
Anschluss noch dreimal die Schleppkupplung in Richtung ?öffnen�
(gelber Hebel im Segelflugzeug), damit es in ?Fleisch und Blut�
übergeht, im Falle eines Seilrisses (der gerade beim Windenschlepp
jederzeit eintreten kann) den Seilrest sicher abzuwerfen. Der Rest
kann im schlimmsten Fall aus dem Seilfallschirm sowie einer nicht
unerheblichen Länge Schleppseil bestehen, das dem Flugzeug und dem
Leitwerk große Schäden zufügen kann. Sollte sich der eingeklinkte
Seilrest beim Landeanflug in Hindernissen am Boden (z.B. Bäumen)
verfangen, droht gar der Absturz des Flugzeugs.
Reduziert der Windenfahrer die Schleppgeschwindigkeit (der
Segelflugpilot muss in die Horizontalfluglage übergehen), wird die
Schleppgeschwindigkeit beibehalten (Kontrolle des Fahrtmessers). Bis
zu diesem Punkt sieht der Pilot aufgrund des steilen Aufstieges (bis
zu 45°) fast ausschließlich den Himmel. Nun erst kann der Pilot den
Horizontfixpunkt suchen und mit dessen Hilfe die Flugrichtung
?geradeaus - beibehalten (Horizont ist die Linie, an der sich Himmel
und Erde treffen). Nicht nur für den Segelflug ist der Horizont sehr
wichtig, da er die wichtigste Information über die Fluglage liefert.
Da zu jeder Fluglage nur eine Geschwindigkeit gehört, gibt das
Abbild des Horizonts auf der Flugzeughaube eine sehr genaue Auskunft
über die Fluggeschwindigkeit. Zwar kann man sie auch über den
Fahrtmesser kontrollieren, jedoch reagiert die Fahrtmesseranzeige
mit bis zu fünf Sekunden Verzögerung gegenüber der tatsächlichen
Geschwindigkeit.
Solange das Segelflugzeug am Windenseil gezogen wird, gibt es diese
Verzögerung nicht. Beim Flug im Ausklinkraum (Seil noch am
Segelflugzeug) wird mit der im Flughandbuch empfohlenen
Geschwindigkeit geflogen. Diese Fluggeschwindigkeit liegt über der
Normalfluggeschwindigkeit, da ein Schleppseil ein hohes Eigengewicht
besitzt und hierfür mehr Auftrieb (also auch mehr Fahrt) benötigt
wird.
Klinkt das Schleppseil aus, behält der Pilot das Horizontbild des
Fluges im Ausklinkraum bei. Da das Segelflugzeug auf einen Schlag
leichter geworden ist, reduziert sich sofort auch der Vortrieb.
Während beispielsweise im Ausklinkraum die Fluggeschwindigkeit mit
Seil 100 km/h betrug, beträgt sie ohne Seil bei gleicher Fluglage
etwa 80 km/h. Dies entspricht bei den meisten Segelflugzeugen der
Normalgeschwindigkeit.
Ohne Zug auf dem Seil öffnet sich nach dem Ausklinken ein Fallschirm
am Seilende, so dass das Schleppseil kontrolliert bis auf die
letzten Meter vollständig auf die Seiltrommel aufgewickelt werden
kann. Für den nächsten Start wird das Seilende mit einem
motorisierten Fahrzeug, meistens einem ausrangierten Auto, auch Lepo
genannt, zum Startplatz zurückgebracht. Der Begriff entstand
folgendermaßen: Auf dem Segelfluggelände Wasserkuppe zog vor vielen
Jahren ein alter Opel die Seile zurück zum Startplatz. Da er also
immer nur zurückzog, machten die Segelflieger aus dem Opel eine Lepo
(das Wort Opel rückwärts). Egal was heute ein Windenseil
zieht, alles ist ein Lepo.
Windenstarts sind besonders in der Ausbildung beliebt, da sie
preisgünstig sind und eine rasche Startfolge erlauben. Nachteilig
ist jedoch die begrenzte Schlepphöhe und der verhältnismäßig hohe
Personalaufwand.
Flugzeugschlepp (F-Schlepp)
Beim Flugzeugschlepp oder abgekürzt F-Schlepp wird das Segelflugzeug
von einem Motorflugzeug, einem Motorsegler oder einem UL-Flugzeug in
die Höhe gezogen. Der Flugzeugschlepp hat gegenüber dem
Windenschlepp einige Vorteile: Erstens ist er flexibler. Während
beim Windenschlepp die Schlepphöhe begrenzt ist und der Ausklinkort
ist durch den Standort der Winde festgelegt ist, kann im
Flugzeugschlepp beides frei gewählt werden. Falls nötig kann dann
schon einmal in eine thermisch bessere Gegend geschleppt werden. Es
gibt auch Plätze, die so liegen, dass von der Winde kaum thermischen
Anschluss gefunden werden kann. Von solchen Plätzen sind längere
Flüge grundsätzlich nur mit Flugzeugschlepp zu realisieren.
Schliesslich braucht ein Flugzeugschlepp auch deutlich weniger
Helfer am Boden, im Extremfall kann er auch ganz ohne Helfer (außer
dem Schleppiloten) erfolgen. Negativ sind die gegenüber dem
Windenschlepp massiv höheren Kosten.
Verwendung finden Kunststoff- oder Hanfseile. Oft verfügt das
Schleppflugzeug über eine Einrichtung zum Einziehen des Seils nach
dem Klinken, so dass der Sinkflug ohne ein hinten schlingerndes Seil
von 60 Metern Länge durchgeführt werden kann. Verfügt das
Schleppflugzeug nicht über eine Einziehwinde, so wird das Seil vor
der Landung vom Motorflugzeug auf dem Flugplatz abgeworfen um zu
verhindern, dass sich das Seil bei der Landung in einem Hindernis
verfängt.
Zunehmend erfolgt der Flugzeugschlepp mit Motorseglern. Da sie
beinahe die gleiche Spannweite wie ein Segelflugzeug besitzen,
verfügt der gesamte Schleppzug über sehr ähnliche aerodynamische
Eigenschaften. Denn im Gegensatz zum Windenstart (siehe zuvor) ist
ein Schleppzug ein kompliziertes Gebilde. Der Start dauert länger,
also auch mehr Zeit für Fehler!
Aber der Flugzeugstart ist gerade zu Beginn weniger ?sportlich� als
ein Windenstart. Ein mit fliegender Gast wird den Start als
angenehmer empfinden, für den Segelflugpiloten (und nicht nur für
den) ist es eine Menge Arbeit. In der Start- und der Steigflugphase
fliegt der Pilot des Segelflugzeuges dem Motorflugzeug exakt
hinterher. Dies erfordert von beiden Piloten Disziplin und
Präzision. Beim Erreichen der gewünschten Schlepphöhe klinkt der
Pilot des Segelflugzeuges aus (auch hier wieder mit dreimaligem
Nach-Ausklinken). Schleppflugzeug und Segelflieger fliegen
anschließend entgegen gesetzte Kurven (zum Beispiel Schleppflugzeug
linksherum, Segelflieger rechtsherum), um eine Kollision mit dem
Seil oder dem anderen Flugzeug sicher auszuschließen. Gleichzeitig
beginnt das Schleppflugzeug seinen Abstieg zur Landung. Das
Schleppseil wird entweder per Elektromotor auf eine Trommel im Rumpf
des Schleppflugzeuges aufgewickelt oder vor der Landung an einer
vorbestimmten Stelle des Fluggeländes im niedrigen Überflug
abgeworfen. Der F-Schlepp ist für Thermik- oder Strecken- und
Kunstflüge ideal, weil das Segelflugzeug direkt in einen Aufwind
geschleppt werden kann bzw. durch den Schlepp ausreichend Höhe für
den Kunstflug erreichen kann.
Eigenstart
Manche Segelflugzeuge haben einen Motor und einen ausklappbaren
Propeller im Rumpf (Klapptriebwerk) eingebaut, rechtlich sind sie
jedoch, seit dem Jahr 2002 kein Motorsegler mehr, auch wenn sie das
Kennzeichen eines Motorseglers tragen. (D-K...). Sie dürfen mit
einer normalen Segelfluglizenz, mit der eingetragenen Startart
?Eigenstart geflogen werden. Zum Start wird der Propeller
ausgefahren und der Motor gestartet. Durch den Vorschub wird das
Flugzeug immer schneller, kann abheben und steigen. Wenn die
gewünschte Höhe erreicht ist, wird der Motor abgestellt, abgekühlt
und eingefahren. Der sportliche Teil des Fluges kann beginnen.
Gummiseilstart
Der Gummiseilstart war in den Anfängen des Segelflugs mangels
anderer Möglichkeiten die übliche Startmethode. Da mit dieser
Startart aber nur wenige Meter Höhe erreicht werden, ist sie nur
dort sinnvoll anwendbar, wo diese geringe Höhe ausreicht, um in den
Hangwind zu gleiten, also auf einem Berg oder einer Düne. Historisch
waren die ersten etablierten Segelflugorte denn auch die Wasserkuppe
und die Düne bei Rossitten. Heutzutage hat der Gummiseilstart
keinerlei praktische Bedeutung mehr und wird höchstens noch an
Oldtimertreffen durchgeführt.
Beim Gummiseilstart wird Hang abwärts gegen den Wind gestartet. Die
je circa 25 m langen, verhältnismäßig dünnen (Gummi-)seile werden
von der vier- bis zehn-, in der Ebene auch bis zu vierzehnköpfigen
Startmannschaft
(Gummihunde) zunächst im Schritttempo, dann mit Schwung im
Laufschritt gestrafft. Damit keiner der ?Gummihunde� abrutscht,
werden häufig griffige Handschuhe getragen und die seitlich nach
vorne zeigenden zwei Zugseile werden mit Knoten in gleichen
Abständen versehen ist unelastisch. Kurz bevor die zunehmende
Spannung des Haupt - Gummiseils (vom Material her oft ein Bungee -
Jumping-Seil) die Helfer stoppt oder bedeutend bremst, wird das
Halteseil auf Kommando des Startmeisters / durch den Startmeister
selbst gekappt oder aus einer Bodenankervorrichtung ausgeklinkt, und
das Flugzeug setzt sich zügig in Bewegung. Heutzutage kommt jedoch
häufig anstatt eines Haltepflocks eine Haltemannschaft bestehend aus
weiteren circa vier bis sechs Personen zum Einsatz. Teilweise
ergänzt auch eine Haltemannschaft von z. B. 3 Personen den Gebrauch
des Haltepflockes, so dass das betr. Segelflugzeug nach dem
Ausklinken / Kappen des Halteseiles mit horizontalen Flügeln
abheben kann. Nach dem Start wird das Startseil am Flugzeug
ausgeklinkt.
Moderne Segelflugzeuge sind zu schwer und haben eine zu hohe
Mindestgeschwindigkeit für den Gummiseilstart. Die mit dieser
Methode erreichte Anfangsgeschwindigkeit von ca. 45 - 50 km/h genügt
für moderne Flugzeuge nicht. Außerdem sind für einen Gummiseilstart
wesentlich mehr Helfer notwendig als für einen Winden- oder
Flugzeugschlepp, so dass das Verhältnis von Aufwand zu Ertrag
unattraktiv ist.
Wie auch die F-Schleppberechtigung oder die
Windenschleppberechtigung muss die Startberechtigung für das
Gummiseil regelmäßig aufgefrischt werden. Dies hingegen muss nicht
zwingend am Hang geschehen sondern ist auch in der Ebene möglich.
Dabei liegen die Flugdauern selbstverständlich meist nur bei wenigen
Sekunden.
Autoschlepp
Beim in den USA oder auch Großbritannien (zum Beispiel bis 2000 im
Cotswold Gliding Club) auch heute noch gebräuchlichen Autoschlepp
zieht ein Auto oder LKW das Flugzeug an einem Seil entweder direkt
oder über eine Umlenkrolle. Alternativ kann eine Seilrolle im Auto
während des Schleppens langsam Seil abgeben, so dass das
Segelflugzeug ständig an Höhe gewinnen kann.
Hangaufwind
Beim Fliegen im Hang-Aufwind fliegt das Segelflugzeug auf der
Luv-Seite eines Berghangs in einer aufwärts gerichteten
Luftströmung. Hangwind findet man zum Beispiel, wenn ein Bergrücken
quer zur Windrichtung steht. Je nach Windstärke und Hangform kann
bis mehrere hundert Meter über die Hangkante gestiegen werden.
Hangaufwind war die erste Form des Aufwindes für Segelflugzeuge.
Noch vor Entdeckung des Thermikfluges Mitte der 1920er Jahre wurde
auf der Wasserkuppe Hangwind genutzt, um Flüge in Segelflugzeugen
zeitlich über das Abgleiten der Höhendifferenz zwischen Start- und
Landepunkt auszudehnen. So konnte 1922 der erste Segelflug von über
einer Stunde Dauer vorgenommen werden. Am 11. Mai 1924 flog
Ferdinand Schulz in seiner Eigenkonstruktion FS 3 ?Besenstielkiste
mit 8 Stunden 42 Minuten in Rossitten eine Weltbestleistung im
Dauerflug. 1954 wird am Hang des Flugplatzes Laucha der
Dauerflugrekord von 27 Stunden und 7 Minuten aufgestellt, Pilot war
Kurt Götze. Mit dem ?ewigen� Laucher Rekord stellt Fritz Fliegauf in
Laucha den letzten jemals geflogenen Dauerflugrekord von über 30
Stunden auf, später wurde der Dauersegelflug nach einschlafbedingten
Abstürzen verboten.
Thermischer Aufwind
In thermischen Aufwinden gewinnen Segelflugzeuge kreisend Höhe bis
knapp unter die Wolkenuntergrenze, welche in Mitteleuropa in
Abhängigkeit von Temperatur und Luftfeuchtigkeit bei etwa 1000 bis
3000 m über Meeresspiegel (NN) liegt. In den Alpen oder anderen
Regionen können die Wolkenuntergrenzen bis 5000 m oder höher
steigen. Thermische Aufwinde werden als ?Bart� oder ?Schlauch�
bezeichnet. Diese Aufwindzonen entstehen vor allem an besonnten
Hängen von Hügeln und Bergen und in besonders starkem Ausmaß, wenn
der Boden felsig oder dunkel ist, oder an Waldkanten, da dort der
Wind die warme Luft vom Boden ablösen kann. Über diesen geeigneten
Flächen erwärmt sich die Luft und steigt wegen der Verringerung der
Dichte beziehungsweise Ausdehnung des Volumens (siehe Gasgesetze).
Segelflugzeuge können so mit etwa zwei bis drei Meter (und mehr) pro
Sekunde an Höhe gewinnen. Für den Segelflieger zeigen Quellwolken
und manchmal kreisende Greifvögel solche Aufwindzonen an. Über
Wasserflächen und Wäldern beispielsweise entsteht tagsüber kaum
Thermik, da die Sonnenwärme mehr gespeichert wird, als dass sich die
Oberfläche erwärmt. Erst in den Abendstunden finden sich hier ruhige
Aufwinde, wenn diese Gebiete infolge der gespeicherten Wärme die
Luft erwärmen. Das Variometer zeigt das Steigen beziehungsweise
Sinken an und ist damit ein sehr wichtiges Fluginstrument im
Segelflugzeug.
In Deutschland ist es im Sichtflug, abhängig von der Luftraumklasse,
nicht immer erlaubt, bis direkt an die Wolkenuntergrenze zu kreisen.
Um gefährliche Annäherungen mit anderen Flugzeugen zu vermeiden, ist
meist ein vertikaler Wolkenabstand von etwa 300 m einzuhalten. Diese
können nämlich im selben Luftraum nach Instrumentenflugregeln
fliegen und sich damit auch innerhalb von Wolken bewegen.
Wolkenflug ist möglich, wenn der Pilot die entsprechende Lizenz
besitzt und der Flug von der Flugsicherung genehmigt wurde. In
Deutschland muss das Segelflugzeug hierfür neben den für den
Sichtflug vorgeschriebenen Fahrtmesser und Höhenmesser zusätzlich
mit Variometer, Kompass, Wendezeiger oder künstlichem Horizont,
Libelle sowie mit Funk ausgerüstet sein. Ein Transponder ist zwar
nicht vorgeschrieben, erhöht aber die Chancen, eine Freigabe zu
erhalten. In der Schweiz gibt es spezielle Wolkenflugzonen, in denen
Wolkenflug ohne Freigabe durch die Flugsicherung erlaubt ist. Die
Piloten staffeln sich dabei mit Hilfe spezieller Funkverfahren
direkt selbst. Der thermische Segelflug ist theoretisch bis zur
Wolkenobergrenze möglich. Bei Gewitterwolken liegt sie in unseren
Breitengraden bei bis zu 9000 m, in den Tropen bei bis zu 18.000 m
über dem Meeresspiegel.
Die Pioniere des Segelflugs sind wegen der starken Aufwinde von bis
zu 15 m/s in Gewitterwolken eingeflogen. Dazu nutzten sie teilweise
komplette Holzhauben, um sich gegen Hagel zu schützen. Die enormen
Kräfte der turbulenten Auf- und Abwinde konnten im schlimmsten Fall
das Flugzeug in der Wolke zerstören. Konnte sich ein Pilot in einer
solchen Situation mit dem Fallschirm aus dem Flugzeug retten,
drohten ihm neben Hagel und Kälte noch das Aufsteigen des
Fallschirms bis in für den Menschen tödliche Höhen. Darum fliegt
heute kaum jemand freiwillig in eine Gewitterwolke ein und selbst
große, moderne Jets umfliegen sie, wenn das möglich ist.
Wellenflug
Leewellen entstehen bei besonderen Starkwind-Wetterlagen auf der
windabgewandten Seite eines Hindernisses. Segelflieger erkennen
diese Wetterlagen häufig an den charakteristischen
Lenticulariswolken. Sie erreichen in diesen Windsystemen Flughöhen
von etwa 3000 bis 8000 m, manchmal auch mehr als 10.000 m über dem
Boden. Der Weltrekord von über 15.000 m wurde so in den Anden von
Steve Fossett und Einar Enevoldson erreicht. Für solche Flüge
benötigt man ab circa 4000 m Sauerstoff, ab circa 7000 m einen
Druckanzug sowie Kleidung, die gegen die extreme Kälte schützt. Die
Null-Grad-Grenze liegt selbst im Hochsommer um 3000�4000 m, in
10.000 m herrschen Temperaturen um minus 50 °C. Druckkabinen oder
Kabinenheizungen sind bei Segelflugzeugen aus Gewichtsgründen nicht
möglich.
Dynamischer Segelflug
Grundsätzlich ist es möglich, aus einer starken horizontalen
Windscherung Energie zu gewinnen. Einfach gesagt wird beim Fliegen
in der schnell bewegten höheren Luftschicht mit dem Wind kinetische
Energie gewonnen, die beim Einfliegen in die unbewegte, tiefere
Luftmasse erhalten bleibt. Mit dieser zusätzlichen Energie kann
durch Umsetzen der kinetischen in potentielle Energie nun wieder in
die höhere Luftschicht gegen den Wind hineingeflogen werden, worauf
nach einer weiteren Wende erneut kinetische Energie gewonnen werden
kann. Einige Vogelarten, wie zum Beispiel die Albatrosse,
beherrschen diese Methode und können so ohne eigenen Energieaufwand
große Strecken zurücklegen. Sie nützen dabei z.B. die Windscherungen
aus, die auf dem Meer an den Wellenkämmen entstehen.
Ingo Renner hat am 24. Oktober 1974 in Tocumwal (AUS) gezeigt, dass
der dynamische Segelflug grundsätzlich auch mit Segelflugzeugen zu
verwirklichen ist, als er mit einer Libelle H301 einen 20minütigen
dynamischen Segelflug absolvierte. Die Windscherung befand sich
dabei an einer Inversion auf rund 300 Meter über Grund und betrug
rund 70 km/h. In weiteren Flügen mit einer Pik 20 gelang es ihm,
seine Technik soweit zu verfeinern, dass er sogar gegen den Wind
vorfliegen konnte. (Quelle: Reichmann, Streckensegelflug)
Trotzdem ist nicht zu erwarten, dass der Dynamische Segelflug für
den Streckenflug je eine Bedeutung bekommen wird. Einerseits ist er
mit sehr grossen Beschleunigungen verbunden, die den Piloten
ähnlichen Belastungen aussetzen wie beim Kunstflug, was sehr schnell
sehr ermüdend ist. Und zweitens treten Windscherungen von genügender
Stärke in aller Regel nur sehr bodennah auf, was die Sache, gerade
auch angesichts der großen Belastung, sehr gefährlich macht.
Im Modellflug hingegen hat sich der Dynamische Segelflug etabliert.
Hier kommen weder die körperliche Belastung noch die
Sicherheitsprobleme zum tragen, und die Modellflugzeuge können sehr
viel extremer und auf sehr viel kleinerem Raum manövrieren als Mann
tragende Segelflugzeuge. In der Regel wird der Dynamische
Modellsegelflug an Windscherungen durchgeführt, die von Bergkämmen
verursacht werden. Dabei sind Geschwindigkeiten von bis zu 588 km/h
(365 mph) gemessen worden..
Landung
Ein Segelflugzeug setzt mit Energieüberschuss (Höhenreserve und
erhöhte Geschwindigkeit) zur Landung an � der Pilot tastet sich
sozusagen von oben an die Landung heran. Die überschüssige Energie
wird dann mit Hilfe der Bremsklappen (Luftbremse), durch einen
Seitengleitflug (sog. Slip) oder auch mit Hilfe eines Bremsschirmes
in Reibungsenergie umgewandelt. Diese Reibungsenergie ist im
entferntesten Sinne eine Wärmeenergie, da die Luft in dem Fall
erwärmt wird. Die überschüssige Energie geht dabei gemäß dem
Energieerhaltungssatz nie verloren. Aufgrund dieser
Energieumwandlung ist es möglich, dass Segelflugzeuge sehr präzise
am gewünschten Landepunkt aufsetzen. Der Pilot kann zwar nicht
durchstarten, hat aber genügend Reserve, um auch einem kurzfristig
auftauchenden Hindernis ausweichen zu können. Die Geschwindigkeit
(zum Vergleich: normaler Thermikflug: 80 km/h, Landung: 90�110 km/h)
ist ein Sicherheitsaspekt, der bei Böen oder Luftwirbeln im
Landeanflug als Sicherheitsreserve die Steuerbarkeit gewährleistet.
In der Ausbildung ist die Landung der schwierigste Teil, bei dem
höchste Konzentration vom Flugschüler gefordert wird.
Wenn der Pilot sich auf einem Streckenflug befindet und keine
Höhenreserven mehr hat (etwa weil die Thermik gegen Abend
nachgelassen hat), sucht er sich ein geeignetes Landefeld. Meist
wählt er dazu eines der zahlreichen Segelfluggelände aus, von dem er
bequem nach Hause fliegen (Flugzeugschlepp) oder fahren (Flugzeug im
Anhänger) kann. Ist kein Flugplatz mehr erreichbar, so muss er das
Segelflugzeug auf einem Acker oder einer Wiese landen
(Außenlandung). Dies ist ein bereits in der Ausbildung gelernter
Vorgang, der einen geübten Piloten nicht weiter nervös machen
sollte. Besonders beliebt sind die Geschichten von den Erlebnissen
nach der Außenlandung. Da wurden lebenslange Freundschaften
geschlossen, heftige Streite ausgetragen und das eine oder andere
Bier auf den Schreck getrunken. Der Zuhörer sollte allerdings darauf
achten, dass er das Fliegerlatein richtig interpretiert.
Der Streckensegelflug ist die hohe Kunst des Segelfliegens.
Voraussetzung ist, dass der Pilot sein Flugzeug bestens beherrscht.
Neben Start, Höhengewinn und Landung muss er navigieren und das
Wetter richtig einschätzen können. Beim Streckensegelflug geht es
entweder darum, eine möglichst große Strecke zurückzulegen oder eine
gegebene Strecke in möglichst kurzer Zeit zu absolvieren � nur unter
Ausnutzung der Energie, welche die Natur durch Aufwinde zur
Verfügung stellt. Die möglichen Streckenlängen betragen dabei einige
hundert bis zu 3000 Kilometer.
Der Streckensegelflug ist eine Herausforderung für Körper und Geist.
Der Pilot muss körperlich fit sein, um stundenlang mit äußerster
Konzentration fliegen zu können. Die mentale Belastung ist
außerordentlich, denn weder Euphorie beim Hochpunkt noch Frust beim
Tiefpunkt eines Fluges sind hilfreich zur Erreichung des Ziels. Der
Streckensegelflieger hat während eines Fluges sehr viele
Entscheidungen zu treffen, zu denen er nur vage Informationen
verfügbar hat: Welchen Aufwind fliegt er an? Welche Wolke sucht er
sich aus? Welcher Flugweg ist für ihn der Beste? Am Ende des Tages
zeigt sich, wie gut er alle Anforderungen berücksichtigen konnte und
� nicht zuletzt � wie viel Glück er hatte.
Um größere Strecken fliegen zu können, werden je nach Leistungsstand
des Piloten unterschiedliche Strategien genutzt. Der vorsichtige
Pilot wird jeweils die Thermik bis zur größten Höhe auskurbeln, um
sich dann bei moderater Vorfluggeschwindigkeit einen neuen Aufwind
zu suchen. Rekorde lassen sich mit diesem Stil sicher nicht
erreichen, dafür gerät der Pilot aber auch nicht so schnell in
Gefahr, sich nach einem Außenlandeplatz umsehen zu müssen. Der
risikofreudige Pilot dagegen sucht nur die stärksten Aufwindgebiete
und versucht, mit möglichst hohem Tempo die nächste Thermik zu
erreichen. Diese Strategie birgt das Risiko der frühen Außenlandung
und wird auf lange Sicht sicher auch nicht vom Erfolg gekrönt sein.
Der erfahrene Pilot nutzt eine Mischung aus den beiden vorgestellten
Strategien. Dieser muss ständig das Wetter richtig einschätzen
können und seinen Flugstil auf die sich ändernden Wetterverhältnisse
anpassen. War bei guter Thermik ein schnelles Vorfliegen noch
möglich, so muss beim Durchgleiten einer größeren Abschirmung sehr
sorgfältig mit der zur Verfügung stehenden Höhe umgegangen werden.
Das Thema ist so umfassend, dass zahlreiche Bücher damit gefüllt
wurden. Mit der Optimierung der Reisegeschwindigkeit beschäftigt
sich die Sollfahrttheorie.
Mit einem Segelflugzeug Strecke zu fliegen, ist ein
außerordentliches Abenteuer. Fremde Landschaften ziehen vorbei, und
Wetterveränderungen sind zu bewältigen. Die optischen Eindrücke,
beispielsweise bei einem Streckensegelflug über den Alpen, sind
unvergleichlich.
Weltrekorde
* Höhenweltrekord: 15.447 m, aufgestellt von Steve Fossett (USA)
und Einar Enevoldson in einem Eigenbau Namens ?Perlan, basierend auf
einer DG-500 (Doppelsitzer) am 30. August 2006
* Streckenweltrekord: 3009 km, aufgestellt von Klaus Ohlmann
(GER) und Karl Rabeder (AUT) in Argentinien in einem Schempp-Hirth
Nimbus 4DM (Doppelsitzer) am 21. Januar 2003
* Geschwindigkeit über ein 1000-km-Dreieck: 169,72 km/h, Helmut
H. Fischer (GER) in Südafrika in einem Schempp-Hirth Ventus am 5.
Januar 1995
Geschicht
Schon Otto Lilienthal gelangen mit seinen Gleitfluggeräten
Segelflüge, also Flüge, bei denen er einen Höhengewinn erzielen
konnte. Mit der rasanten Entwicklung von Ottomotoren mit hoher
Leistung und geringem Gewicht gelang der motorisierte Flug, und der
Segelflug geriet zunächst in Vergessenheit, bis der Versailler
Vertrag in Deutschland den Motorflug verbot. Zahlreiche
Flugbegeisterte, zum Teil die Piloten des Ersten Weltkriegs, aber
auch einfach nur Fluginteressierte, vom Jugendlichen bis zum reichen
Erben, versammelten sich seit 1919 auf der Wasserkuppe in der Rhön,
um hier den motorlosen Flug zu untersuchen und in der Praxis
auszuprobieren. Hier erprobten sie völlig unterschiedliche Konzepte
von Segelflugapparaten, Starttechniken und Auftriebsnutzungen.
Besonders ein Entwickler und Pilot der ersten Stunde, Alexander
Lippisch, gelangte durch seine Nurflügelkonstruktionen später zu
Weltruhm.
Auf der Wasserkuppe gab es zunächst gar nichts. Alexander Lippisch
und Gottlob Espenlaub, die ersten so genannten ?Rhönindianer, die
das ganze Jahr auf dem Berg wohnten, hausten zunächst in einem
Kleiderschrank, der in einem Zelt stand, in dem sie Flugapparate
bastelten. Für ausgewogene Ernährung, Hygiene und Körperpflege war
keine Zeit und kein Bedarf, die Vorteile der zivilisatorischen
Entwicklung wurden nicht genutzt. Sie ernährten sich nur von
Erbswurst und tranken Quellwasser. Im Winter lag meterhoch Schnee,
der periodisch auftretende starke Nebel behinderte die Erprobung der
Flugapparate ebenso wie die ständig auftretende Mäuseplage. Nach dem
Bau einer Baracke verbesserte sich die Wohnsituation, 1920 blieben
schon fünf Leute den Winter über auf der Wasserkuppe, und die
Luftpolizei gründete eine Außenstation mit zwei Polizisten und einem
Koch, die jedoch von den Rhönindianern, die keine Zeit mit dem
Lernen von Namen verschwenden wollten, nur mit ?1, 2 und 3 angeredet
wurden; einer dieser Luftpolizisten, Max Kegel, wurde selber
Segelflieger und, da er unfreiwillig ein Gewitter zum Höhengewinn
nutzte, unter dem Namen Gewittermaxe berühmt. Auch mit neuen
Materialien wurde experimentiert. Die Zelle der FS-3 war zum
Beispiel nur aus Tannenbäumen und Türscharnieren gefertigt, die
Bespannung bestand aus alten Armee-Bettbezügen und die Steuerung
erfolgte nur über zwei Tischtennisschlägern ähnliche Ruderklappen an
den Tragflächenenden obwohl mit diesem Fluggerät zahlreiche
Rekorde erflogen werden konnten, behielt es seinen Spitznamen
Besenstiel.
Neben der Wasserkuppe entstanden weitere Flugplätze, wie der 1923
errichtete Flugplatz in Hirzenhain (heute Gemeinde Eschenburg im
Lahn-Dill-Kreis). An diesem experimentierten Flugbegeisterte mit
selbst gebauten Fluggeräten unter großem öffentlichem Interesse.
Erst durch die Entwicklung der Vampyr zeigte sich, in welche
Richtung sich der Segelflugzeugbau entwickeln musste. Es war der
erste nicht verstrebte Eindecker - diese Bauweise wurde damals
?Junkers-Bauweise genannt - der durch den verminderten
Luftwiderstand neue Möglichkeiten im Segelflugzeugbau eröffnete.
Auch wurde von sehr großen Spannweiten abgesehen, die damals eine
Verspannung benötigten und die Wendigkeit reduzierten, ebenso von
verstrebten Doppeldecker-Gleitern, die zwar wendiger waren, dies
aber durch eine Verdoppelung des induzierten Widerstands durch die
zwei Tragflächen erkauften.
Nur die wenigsten waren in der Lage, diese komplexen, zumeist auch
aerodynamisch instabilen Fluggeräte zu steuern. Die Flugzeiten von
wenigen Sekunden mit dem eigenen Gerät reichten dazu kaum aus. Erst
Fritz Stamer entwickelte die bis in die 1960er Jahre verwendete
Segelflugschulung auf Einsitzern, die eine einigermaßen sichere
Flugausbildung auf den damaligen Gleitflugzeugen ermöglichte,"
stellt die Internetenzyklopädie Wikipedia das Segelfliegen vor.
Der Luftsportverein Rheinhausen wurde 1950 im Hotel "Hansa"
gegründet; zwei Gründungsmitglieder seien auch heute noch aktive
Segelflieger, wie Ebner stolz berichtet. Er selbst kam erst 1960
hinzu. "Man kann mit null Energie in der Tasche von A nach B
fliegen. Die Energie, die man bekommt, muss man sich erkämpfen. Man
muss die Naturgewalten, Sonne, Luft, Energie, Wolken abstimmen und
nutzen," erklärt Ebner seine Begeisterung für das Segelfliegen.
Augen und Gesicht strahlen dabei um die Wette.
Der Niederrhein ist allerdings kein gutes Fluggebiet, da die Thermik
nicht stimmt. "Dank der Sandböden setzt die Thermik erst spät ein.
Am Ende fehlt die Zeit zum Fliegen," berichtet Pohl. "Der
Schwarzwald und die Schwäbische Alb sind wesentlich besser.
In einer alten Zimmerer - Werkstatt in Rheinhausen liegt die
Werkstatt des Vereins. Dort können die Flieger repariert werden. 2
ASK13, 1 KA6E, 1 KA8W, 1 LS4B, 1 ASK23 und 1 Motorflugzeug SF25C
(zum Schleppen ausgerüstet) nennt der Verein sein EIgen. "Wir sind
der Stadt für ihre finanzielle Unterstützung sehr dankbar," betont
Pohl. "Allein schon die Anschaffung der Flieger und ihr Unterhalt
sind doch sehr teuer."
Nachwuchs und neue Flieger sind im Verein durchaus erwünscht. Daher
bietet der Verein Schnupperkurse an; die Einzelheiten können bei
Pohl erfragt werden. "Mitfliegen kann jeder. Erst dann, wenn man
alleine fliegen möchte, muss man eine medizinische Untersuchung von
einem ausgebildeten Flugmediziner über sich ergehen lassen. Wer
herz- oder zuckerkrank ist und mehr als 3,5 Dioptrien hat, ist nur
eingeschränkt flugfähig."
Gesundden Menschenverstand und Teamfähigkeit muss ein Segelflieger
auch mitbringen. "Schließlich kann man ein Flugzeug nie alleine in
die Luft bringen," betont Pohl. Reichweiten bis 300 km sind dann
durchaus möglich. "Wir haben nicht das nötige Gerät, um an
Meisterschaften teilzunehmen. Außerdem muss man schon zwei- bis
dreimal in der Woche in die Luft gehen, um erfolgreich sein zu
können. Das kann sich niemand bei uns im Verein erlauben. Auf
Landesebene, wenn es um Pokale geht, ist es schon einfacher. Dafür
reicht unser Potential."
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