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"Das ist ja ein starkes Stück!" Ist man unangenehm überrascht,
kommen diese Worte leicht über die Lippen. "Wer Gewichte hebt, muss
nicht unbedingt viele Kilo auf die Waage bringen, um erfolgreich zu
sein," erzählt Karl - Heinz Rätz vom VfL Duisburg - Süd.
"Das Gewichtheben ist eine schwerathletische Sportart, bei der eine
Langhantel durch Reißen oder Stoßen zur Hochstrecke gebracht wird.
Reißen
Die Hantel liegt horizontal vor den Beinen des Hebers. Sie wird mit
den Handflächen nach unten gefasst und in einer einzigen Bewegung
vom Boden zur Hochstrecke mit ausgestreckten und senkrecht stehenden
Armen gebracht, entweder mit einem Ausfallschritt oder Beugen beider
Beine (Hocke). Die Hantel ist in einem pausenlosen Bewegungsablauf
am Körper entlang nach oben zu führen. Während des Versuches darf
außer den Füßen kein anderer Körperteil den Boden berühren. Das
gehobene Gewicht muss in der endgültigen Position bei gestreckten
Beinen, Füße auf gleicher Linie, und gestreckten Armen bewegungslos
fixiert werden bis zum Zeichen des Kampfrichters zum Abnehmen des
Gewichts. Das Drehen der Handgelenke darf erst erfolgen, nachdem
sich die Hantel über Kopfhöhe des Hebers befindet. Ein Heber kann im
Ausfall oder in der Hocke nach eigenem Gutdünken verharren. Das
Kampfrichterzeichen zum Abstellen der Hantel hat zu erfolgen, sobald
der Körper des Hebers bewegungslos ist.
Stoßen
Teil 1: Umsetzen
Die Hantel liegt horizontal vor den Füßen des Hebers. Sie wird mit
den Handflächen nach unten gefasst und in einem einzigen
Bewegungsablauf vom Boden zu den Schultern gebracht, entweder mit
dem Ausfallschritt oder mit der Hocketechnik. Die Hantel darf die
Brust nicht vor der endgültigen Position berühren; sie soll auf den
Schlüsselbeinen, der Brust oder den vollständig gebeugten Armen
ruhen. In dieser Position kann der Heber nach Gutdünken verharren.
Allerdings dürfen in der Hocke die Ellenbogen keinesfalls die
Oberschenkel berühren, sonst ist der Versuch ungültig.
Teil 2: Ausstoßen
Beugen und Strecken der Beine und Arme, um die Hantel zur
Hochstrecke mit völlig gestreckten, vertikal stehenden Armen zu
bringen (pausenlose Aufwärtsbewegung), dann Einnehmen der
Grundstellung, Beine und Arme sind gestreckt, warten bis zum Signal
des Kampfrichters zum Abnehmen der Hantel. Das Signal hat zu
erfolgen, sobald der Heber absolut bewegungslos ist. Vor dem
Ausstoßen muss die Hantel in Ruhe sein, ?anwippen� macht den Versuch
ungültig. Ebenso muß das Ausstoßen in einer einzigen Bewegung bis zu
den durchgestreckten Armen erfolgen, ?nachdrücken� macht den Versuch
ebenfalls ungültig.
Drücken
Früher gab es eine noch eine dritte Disziplin, das Drücken. Nach den
Olympischen Spielen 1972 wurde diese Disziplin abgeschafft.
Der Zweikampf
Wettbewerbe werden in der Regel als Zweikampf der beiden Disziplinen
Reißen und Stoßen durchgeführt. Dabei zählen sowohl die
Einzeldisziplinen als auch der Zweikampf, für den einfach die beiden
Einzelergebnisse addiert werden. Der Zweikampf gilt als sportlich
wertvoller als die Einzeldisziplinen. Die olympischen Spiele bilden
eine Ausnahme, hier zählt nur der Zweikampf und die
Einzeldisziplinen werden nicht bewertet.
Gewichte
Die Hantel selbst hat ein Gewicht von 20 kg bei Männern, für Frauen
wurde inzwischen eine Hantel geringeren Durchmessers von 15 kg
Gewicht eingeführt. Für Kinder und Jugendliche gibt es weitere
Hanteln. Durch das Aufstecken von Scheiben und Verschlüssen wurde in
Schritten von 1 kg (seit 2005) die Last erhöht. Seit dem 1.
September 2005 gilt eine neue Regel für Steigerungen. Die Steigerung
des Hantelgewichtes in allen Gewichts- und Altersklassen erfolgt
nicht mehr in Schritten von 2,5 kg, sondern 1 kg. Dementsprechend
werden auch Rekorde nur noch in 1-kg-Schritten aufgestellt. In den
unteren Ligen durfte die 2,5-kg-Steigerung bis zum Ende der Saison
2005/2006 beibehalten werden.
Bei Einzelmeisterschaften, wie etwa Weltmeisterschaften oder
olympischen Spielen, sind die Athleten in Gewichtsklassen
eingeteilt.
Gewichtsklassen:
* Männer bis 56, 62, 69, 77, 85, 94, 105, +105 Kilogramm
* Frauen bis 48, 53, 58, 63, 69, 75, +75 Kilogramm
Bis Ende der 1970er Jahre galten bei den Männern noch andere
Gewichtsklassen: 52, 56, 60, 67.5, 75, 82.5, 90, 100, 110, +110.
Nachdem der Wunsch aufkam, auch das Frauengewichtheben zu einer
olympischen Sportart zu machen, wurden Gewichtsklassen geändert oder
gestrichen, um die Veranstaltungen zu verkürzen (8 Tage anstatt 10
Tage bei Olympia). Durch Doping erzielte Rekorde wurden gelöscht und
ein sogenannter Standard gesetzt. So lange niemand den Standard
gehoben hat, gab es in diesen Gewichtsklassen keinen offiziellen
Weltrekord. Es gewinnt, wer innerhalb einer Gewichtsklasse die
größte Last bewältigt. Sollten mehrere Athleten die gleiche maximale
Last gehoben haben, gewinnt der leichtere Athlet.
Jedem Athleten stehen pro Disziplin drei Versuche zur Verfügung.
(Sind alle drei Versuche in einer Disziplin ungültig, spricht man
davon, dass der Athlet geplatzt ist.) Gezählt wird die größte
bewältigte Last; wie ein Athlet seine Versuche einteilt und ob
ungültige Versuche dabei sind, ist unerheblich. Es steht dem
Athleten frei, welches Anfangsgewicht er wählt und wie er das
Gewicht steigern will. Das Einschätzen der eigenen Tagesform und die
Taktik beim Steigern ist somit ein wichtiger Bestandteil des
Wettkampfs. Neben der Kraft sind bei diesem Sport insbesondere gute
Technik und Beweglichkeit für den Erfolg maßgeblich," stellt die
Internetenzyklopädie Wikipedia die Randsportart vor.
"Zumindest in Duisburg - Süd sind wir der einzige Verein, der
Gewichtheben als Sportart anbietet. Wir sind auch der einzige
nordrhein-westfälische Verein, der in der Bundesliga vertreten ist,"
berichtet Rätz, der selbst kein aktiver Sportler mehr ist. "Wir sind
im unteren Mittelfeld angesiedelt und müssen aufpassen, dass wir
nicht absteigen." Drei verschiedene Bundesligen, die jeweils ein
Teil des Bundesgebiets abdecken, gibt es; die drei Erstplatzierten
der jeweiligen Bundesliga machen den deutschen Mannschaftsmeister
unter sich aus. Bezirks-, Landes- und Deutsche Meisterschaften für
Einzelgewichtheber kommen hinzu.
Rolf Milser und Ronny Weller sind die bekanntesten Sportler, die für
den VfL Gewichte hoben. Heute gehören 9 aktive Gewichtheber zu der
Mannschaft - alles Männer. "Es hat aber auch schon eine
Frauenmannschaft gegeben," erinnert sich Rätz. "Bedingt durch Heirat
und Familienphase löste sich die Mannschaft - oder sollte ich sagen:
Frauenschaft? - aber leider wieder auf."
Trainiert wird an sieben Tagen in der Woche. Im Keller der
Gemeinschaftsgrundschule Im Reimel in Mündelheim hat der Verein
seine Trainingsmöglichkeiten. Von Hanteln jeder Größe bis zu anderen
Sportgeräten sind hier jede Menge Foltergeräte zu sehen. "Wir suchen
händeringend Nachwuchs," erzählt Rätz. "Wir sind zwar an den Schulen
und sonstwo gewesen, konnten aber niemanden für den Sport
interessieren. Wir brauchen schon ganz viel Glück, damit die zwei
Leute, die wir noch für die Zukunft brauchen, kommen."
Doping - ob das in dem Sport ein Thema ist? "Geht nicht. Dafür gibt
es zu viele Kontrollen. Doping ärgert mich. Die ehrlichen Sportler
mühen sich ab und die gedopten Sportler verdienen sich eine goldene
Nase. Das kann doch nicht Sinn der Sache sein." Das Gewichtheben ist
ein reiner Amateursport. Die Gewichtheber erhalten bestenfalls ein
Startgeld; ansonsten gehen die Athlethen einem ganz normalen Beruf
nach. "Reich kann damit niemand werden." dass erfolgreiche
Gewichtheber Sporthilfe erhalten können, um sich auf Wettkämpfe
vorzubereiten können, sei hier nur am Rande erwähnt.
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