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Schlager sind Personen, die andere Leute verprügeln. Oder? Ach nein,
das sind ja Schläger. "Sie immer mit Ihren Kalauern. Boxen ist wie
Fechten mit der Faust," berichtet Heinz Graf. Beim Rumelner TV "Gut
Heil" 1900 betreut er die Boxabteilung schon seit rund 15 Jahren.
"Boxen ist ein Kampfsport, bei dem sich zwei Personen derselben
Gewichtsklasse unter festgelegten Regeln nur mit den Fäusten
bekämpfen.
Geschichte
Die ersten nachgewiesenen Faustkämpfe zum Zwecke der Unterhaltung
von Menschen fanden bereits 3000 v. Chr. in Ägypten statt. In den
darauffolgenden zwei Jahrtausenden breitete sich das Boxen im
ägäischen Raum aus.
Der Faustkampf wurde erstmals im Jahre 688 v. Chr. in Griechenland
bei den 23. olympischen Spielen der Antike ausgetragen. Im antiken
Rom wurde der Faustkampf vor allem bei Gladiatorenkämpfen
(Lederriemen mit Metalldornen), der Caestus vorgeführt. Es lässt sich
jedoch nicht genau festlegen, wie alt der Faustkampf wirklich ist,
da aus 7000 Jahre alten Darstellungen hervorgeht, dass auch ähnliche
Kämpfe zu jener Zeit ausgetragen wurden. Die hellenistische
Bronzestatue vom Faustkämpfer vom Quirinal ist hiervon ein
eindrucksvolles archäologisches Zeugnis. Belege zeigen, dass auch im
alten Indien, China, Korea und Russland sowie unter den Ureinwohnern
Amerikas und Afrikas der Faustkampf Bestandteil von Kulten und
Zeremonien war. Mit Boxen im modernen Sinne hatten diese Formen des
Faustkampfes nichts zu tun.
Von Figg zu Queensberry
Die Ursprünge des modernen Boxens liegen im England des 17. und 18.
Jahrhunderts. Im Jahre 1681 organisierte der Herzog von Albemarle
den ersten, schriftlich belegten Kampf. Seit 1698 wurden im Londoner
Königstheater regelmäßige Boxveranstaltungen durchgeführt.
Die ersten (minimalen) Regeln der Neuzeit wurden durch den
Fechtmeister James Figg aufgestellt. 1719 gewann Figg das erste
offizielle Boxturnier seit der Antike und wurde Meister von England.
1743 wurde das erste größere Regelwerk (Broughton Rules)
veröffentlicht, die zuweilen auch schon als erste Fassung der London
Prize Ring Rules (im weiteren Sinn) gelten. Man durfte keinen Gegner
mehr schlagen, der am Boden liegt, Tiefschläge waren ebenfalls
verboten.
1838 wurden diese durch die London Prize Ring Rules (im engeren
Sinne) abgelöst. Wichtigste Neuerungen: Die Einführung eines
Boxrings, den es vorher nicht gab und das Bandagieren der Hände, um
Verletzungen zu vermindern.
Am 17. April 1860 kam es bei Farnborough, Hampshire, zu einem
Aufsehen erregenden, illegalen Boxkampf zwischen dem 33-jährigen,
inoffiziellen englischen Schwergewichtsmeister Thomas Sayers (seit
1857, gegen William Perry) und dem sieben Jahre jüngeren, dazu
größeren und schwereren Amerikaner John Carmel Heenan, genannt "The
Benicia Boy". Nach insgesamt 37 Runden in ca. 140 Minuten stürmten
Zuschauer den Ring; der Kampf wurde als unentschieden gewertet -
beide erhielten einen Gürtel, aber nur Heenan nannte sich
Boxweltmeister bzw. englischer Meister im Schwergewicht.
Die Verabschiedung des "Anti-prize Fight Act" von 1861 im Gefolge
des illegalen Meisterschaftskampfes beendete praktisch diese
Veranstaltungen, sehr zum Bedauern auch höherer englischer
Gesellschaftsschichten.
1867�1889 Übergangsphase: ?Bare-knuckle-Boxen und modernes Boxen
existieren nebeneinander [Bearbeiten]
1867, etwa 100 Jahre nach Einführung der ersten Regeln, wurden die
London Prize Ring Rules von einem Bekannten des Marquess of
Queensberry so verändert, dass daraus die ersten Boxregeln für das
Boxen mit Handschuhen, die sog. Queensberry-Regeln, hervorgingen.
Der erste offizielle Boxweltmeister nach den Regeln des Marques of
Queensberry wurde am 7. September 1882 John L. Sullivan. Er kämpfte
aber auch noch teilweise bare-knuckle letztmals 1889 gegen Jack
Kilraine.
Ab 1892 - Nur noch Queensberry-Boxen
Erst ab Sullivans Nachfolger Jim Corbett 1892 boxte man nur noch
nach Queensberry-Art. Am 6. April 1893 fand der längste Boxkampf
aller Zeiten statt. Andy Bowen und Jack Burke kämpften über 110
Runden (sieben Stunden). Der Kampf endete unentschieden.
Zu der Zeit gab es aber einige wichtige Regeln noch nicht. Unter
anderem wurde erst ab den 1920er Jahren der Boxer, der einen
Niederschlag erzielt hat, in die neutrale Ecke geschickt; vorher
Konnte er den aufstehenden Boxer sofort wieder zu Boden schlagen.
Erst nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich die Idee durch, dass ein
zu Boden geschlagener Boxer immer bis acht angezählt wird (Mandatory-Eight-Count),
vorher wurde der Kampf wieder aufgenommen, wenn der Boxer wieder
aufgestanden ist. Heutzutage wird auch mit anderen Handschuhen (acht
oder zehn Unzen) geboxt als Ende des 19.Jahrhunderts (vier bis sechs
Unzen). Solche Regeländerungen werden aber nicht als neues Regelwerk
aufgefaßt. Daher sagt man, dass noch immer nach den
Queensberry-Regeln gekämpft wird, selbst wenn der Kampfablauf heute
ein anderer ist.
Bei den Olympischen Spielen 1904 in St. Louis feierte der Boxsport
seine Premiere als olympische Sportart. 1906 wurde in Köln der SC
Colonia gegründet und ist damit der älteste aktive Amateur-Boxclub
Deutschlands. Am 5. Dezember 1920 schlossen sich in Berlin unter dem
Namen ?Deutscher Reichsverband für Amateurboxen� die deutschen
Amateurboxer zusammen. Am 6. Dezember 1920 wurden die ersten
Deutschen Meisterschaften durchgeführt. Die Sieger wurden ab diesem
Zeitpunkt in einer Bestenliste registriert.
Regeln
Grundregeln
In einem Boxkampf sind nur Schläge erlaubt, die mit der
geschlossenen Faust ausgeführt werden. Jegliche Benutzung eines
anderen Körperteils (beispielsweise des Knies, der Innenhand etc.)
werden nicht als Zähler anerkannt und müssen vom Ringrichter als
Foul gewertet werden und zur Ermahnung, zu Punktabzügen oder im
schlimmsten Fall zur Disqualifikation führen. Ein regulärer Schlag
ist dann ausgeführt, wenn der Treffer auf der Vorderseite des
Kopfes, des Halses, des gesamten Korpus bis zur imaginären
Gürtellinie am Bauchnabel oder auf den Armen landet. Allerdings
werden Treffer auf die Arme oder auf den Handschuh von den
Punktrichtern nicht als Zähler gewertet, da ein derartiger Schlag
als blockiert gilt. Häufig sieht man dass sich Boxer ineinander
verklammern, dies kann verschiedene Gründe haben; z. B. muss ein
Boxer, der sich in einer für ihn ungünstigen Entfernung zum Gegner
befindet klammern, damit der Ringrichter die Kontrahenten trennt und
sie auffordert einen Schritt zurückzutreten, so dass wieder Distanz
geschaffen wird. Meistens jedoch verschaffen sich erschöpfte oder
angeschlagene Boxer eine Pause. Natürlich stellt Klammern einen
Regelverstoß da, der aufgrund der Häufigkeit von den Ringrichtern
geduldet wird, allerdings muss ein Ringrichter, um einen flüssigen
Kampfablauf zu gewähren, ab einem gewissen Grad Verwarnungen und
damit Punktabzüge aussprechen.
Boxring
Der Boxring ist quadratisch und hat eine Kantenlänge zwischen 16 und
24 Fuß (488 bis 732 cm). Die Kantenlänge eines Standard-Boxrings
beträgt 20 Fuß (610 cm). Der Kampfbereich wird von drei oder vier
Seilen umspannt, die jeweils drei bis fünf Zentimeter stark sind und
in den Höhen 40 - 80 - 130 Zentimeter (bei drei Seilen) oder 40 - 75
- 105 - 135 Zentimeter (bei vier Seilen) hängen. Der Bodenbereich
außerhalb der Seile muss mindestens 50 Zentimeter breit sein. Der
Ringboden ist elastisch und mit Zeltplane bespannt. In den Ringecken
befinden sich Eckpolster, von denen eines rot, eines blau und zwei
weiß sind. Das Wort ?Ring in Boxring Kommt von dem Ring/Kreis, den
die Schaulustigen um die Kämpfer bilden, und existiert in dieser
Bedeutung im Englischen seit dem 14. Jahrhundert.
Amateurboxen
Es gibt grundlegende Unterschiede zwischen dem Amateur- und
Profiboxsport. Die Regeln für den Amateurboxsport, bei dem im
Gegensatz zum Profiboxen der sportliche Vergleich eher im
Vordergrund steht, werden von der AIBA, dem Weltverband des
Amateurboxsports festgelegt. Diese Regeln sind zugleich die
Grundlage für das Boxen als olympische Disziplin. Somit ist die
Teilnahme an olympischen Spielen nur Amateurboxern gestattet, die
dem Weltverband AIBA angehören. Amateur- und Profiboxsport haben
unterschiedliche Regeln und sind von Technik und Taktik her nur
begrenzt vergleichbar. Darüber hinaus gibt es im Profibereich
kleinere Unterschiede zwischen den einzelnen Verbänden.
Ein Kampf wird normalerweise in vier Runden zu je zwei Minuten Länge
ausgetragen. Es entscheidet die Anzahl der Treffer. Ein Treffer wird
anerkannt, wenn mindestens drei der fünf Punktrichter einen Schlag
innerhalb einer Sekunde als Treffer anerkennen. Dies geschieht durch
Eingabe in einen Computer. Dieser wertet die Eingaben aus und zeigt
die Treffer an. Dieses System soll die Urteile nachvollziehbarer
machen und Manipulationen einschränken. Das Tragen eines
Kopfschutzes und eines ärmellosen T-Shirts ist bei Amateurboxkämpfen
Pflicht. Das T-Shirt muss sich von der Hose farblich deutlich
unterscheiden, damit die Gürtellinie klar erkennbar ist. Bei
Boxhandschuhen im Amateursport ist die erlaubte Trefferfläche weiß
markiert, um dem Kampfgericht das Erkennen regelwidriger Treffer zu
erleichtern.
Altersklassen
Neben der Einteilung in Gewichtsklassen, werden die Athleten im
Amateurboxen nach dem Alter unterschieden:
* Schüler C - 6 bis 8 Jahre
* Schüler B - 8 bis 10 Jahre
* Schüler A - 10 bis 12 Jahre
* Jugend - 12 bis 14 Jahre
* Kadetten - 14 bis 16 Jahre
* Junioren - 16 bis 18 Jahre
* Männer - 19 Jahre
* Frauen - 19 Jahre
Das Höchstalter, um an Olympischen Spielen sowie Welt- und
Kontinentalmeisterschaften teilnehmen zu können, ist 34 Jahre.
National beträgt die Altersgrenze 36 Jahre. Wenn es keine eigenen
Regeln für Frauen gibt, unterliegen Frauen den selben Bestimmungen
wie Kadetten. Es gibt kein Höchstalter im Profiboxen.
Kampfentscheidung
Bei Amateurboxern gibt es elf verschiedene Möglichkeiten der
Kampfwertung:
Wertung Erklärung
Punktentscheidung Nach Beendigung der vier Runden siegt der
Boxer, der mehr zählende Treffer landen Konnte. Falls beide Boxer
sich gleichzeitig verletzen oder sich gegenseitig zu Boden schlagen
und ausgezählt werden, wird abgebrochen und nach erzielten Punkten
entschieden.
Aufgabe Ein Boxer siegt, wenn sein Gegner den Kampf
während einer Runde oder in einer Rundenpause aufgibt.
Disqualifikation Ein Boxer siegt, wenn sein Gegner aufgrund
einer schwerwiegenden Regelverletzung vom Ringrichter
disqualifiziert wird.
KnocKout Ein Boxer siegt, wenn er den Gegner zu
Boden schlägt und dieser nicht innerhalb von zehn Sekunden wieder
kampfbereit ist.
RSC-O (?Referee stopped contest - Outclassed) -
Der Gegner wird nach Einschätzung des Ringrichters deklassiert.
RSC-OS ("Referee stopped contest - Outscored) - Der
Gegner liegt mit 20 (Senioren und Junioren) bzw. 15 (Frauen und
Kadetten) Punkten zurück und wird aus dem Kampf genommen. Diese
Regel gilt in der letzten Runde nicht.
RSC-I (?Referee stopped contest - Injury) - Der
Gegner ist nach Einschätzung des Ringrichters aufgrund einer durch
regulären Kampfverlauf erlittenen Verletzung nicht in der Lage, den
Kampf fortzusetzen.
RSC-H (?Referee stopped contest - Headblows) - Der
Gegner ist nach Ansicht des Ringrichters nach mehreren
Wirkungstreffern nicht geeignet, den Kampf fortzusetzen. Das ist
ebenfalls das Ergebnis, falls ein Boxer dreimal innerhalb einer
Runde oder viermal innerhalb des gesamten Kampfes angezählt werden
muss. Für Frauen gelten zwei bzw. drei Anzählungen.
Keine Wertung Der Kampf wird vom Ringrichter aufgrund nicht
beeinflussbarer Umstände, die eine Kampffortsetzung behindern,
abgebrochen. Dazu gehören zum Beispiel ein beschädigter Ring,
ungeeignete Wetterbedingungen, ungenügende Lichtverhältnisse und
ähnliches.
WalKover Der Boxer tritt kampfbereit an und gewinnt
automatisch, wenn sein Gegner nach dem Ausruf seines Namens nicht
innerhalb von drei Minuten im Ring erscheint.
Unentschieden Beide Boxer wurden von der Mehrheit der
Punktrichter mit der gleichen Punktzahl bewertet. Ein Unentschieden
ist nur in Länder- oder Vereinsvergleichen mit zwei Parteien
möglich, nicht jedoch in internationalen Turnieren.
Ein RSC-Kampfabbruch kann dem Ringrichter während des Kampfes auch
durch den Ringarzt durch Zeichen empfohlen werden. Der Ringarzt hat
darüber hinaus das Recht, den Kampf unterbrechen zu lassen, um einen
Teilnehmer hinsichtlich seiner Kampffähigkeit zu untersuchen. Der
Ringrichter ist nach dem Ende der Untersuchung an die Entscheidung
des Ringarztes gebunden.
Profiboxen
Im Profiboxen kann die Zahl der Runden (à drei Minuten) frei
festgelegt werden, bewegt sich aber üblicherweise zwischen vier und
zwölf. Drei Kampfrichter bewerten unabhängig voneinander nach jeder
einzelnen Runde, welcher Boxer in der Runde stärker gekämpft hat. Es
ist auch möglich, dass nur der Ringrichter den Kampf bewertet. Geht
der Kampf über die volle Rundenzahl, wird durch Addition der
Rundenwertungen und der Hilfspunkte der Sieger bestimmt. Punktabzüge
sind in Folge von Niederschlägen und Verwarnungen möglich.
Punkturteil
* Ten-Point-Must-System
Das ?Ten-Point-Must-System ist die heute übliche Art der
Notation einer Punktentscheidung im Profiboxen. Dabei bekommt der
Sieger der Runde zehn Punkte, der Verlierer in der Regel neun, bei
einem erlittenen Niederschlag in aller Regel acht, bei zwei
erlittenen Niederschlägen sieben. Falls eine Runde unentschieden
gewertet wird, erhalten beide Boxer zehn Punkte. Verwarnungen werden
erst nach Ende des Kampfes vom Punktekonto abgezogen.
Gewinnt beispielsweise ein Boxer bei einem Zehnrunder alle
Runden und gibt es keinen Niederschlag und keine Verwarnung, lautet
das Urteil 100-90.
* Wofür bekommt ein Boxer eine Runde?
Der Wertungsrichter Tom Kaczmarek erläutert im ?International
Boxing Digest� vom Januar 1999 das Bewerten und verweist auf die
Faktoren:
1. Klare Treffer - bei weitem der wichtigste Maßstab. Das Problem
hierbei ist, dass es nicht nur um die Anzahl der Treffer geht,
sondern auch um die Qualität: hinterlässt ein Treffer eindeutig
Schlagwirkung, bringt dies dem schlagenden Boxer fast immer die
Runde.
2. Effektive Aggressivität - dazu gehört auch Aktivität. Wenn
beide Boxer keine klaren Treffer landen, gewinnt der aktivere Boxer
die Runde.
3. Ring Generalship - schwer übersetzbarer amerikanischer
Ausdruck, ?Überlegenheit im Ring/Ringbeherrschung� (boxerische
Fähigkeiten, Cleverness, Ringstrategie)
4. Verteidigung
* Extrapunkte
Extrapunkte (bzw. strenggenommen Punktabzüge des Gegners nach
Ten-Point-Must-System, s. o.) gibt es
1. bei fast allen Niederschlägen: Erkennt der Ringrichter auf
regulären Niederschlag und zählt den betreffenden Boxer an, erhält
der schlagende Boxer nicht nur die Runde (10 zu 9), sondern einen
Extrapunkt (10 zu 8), - außer der niedergeschlagene Boxer hätte die
Runde klar gewonnen, so dass man nur auf 10 zu 9 für den
niederschlagenden Boxer wertet. Dieser gewinnt die Runde also in
jedem Fall, es fragt sich nur, ob mit einem oder zwei Punkten.
Weitere Niederschläge sorgen für weitere Punkte.
2. Verwarnungen: Begeht ein Boxer wiederholt ein kleineres Foul
(Tiefschlag, Klammern, unerlaubter Kopfeinsatz) oder ein schwereres
Foul, das aber noch nicht zur sofortigen Disqualifikation führt
(Ermessen des Ringrichters), können ihm ein oder zwei Punkte
abgezogen werden. Dies entscheidet der Ringrichter, der das
eindeutig den Punktrichtern anzeigen muss.
* Varianten der Punktwertung
Wertung Erklärung
Unanimous Decision (UD) Einstimmige Entscheidung: Ein Boxer wird
von allen drei Wertungsrichtern nach Addition der Punktzahlen vorne
gesehen.
Split Decision (SD) Geteilte Entscheidung: Ein Boxer wird
von zwei Wertungsrichtern nach Addition der Punktzahlen vorne
gesehen, sein Gegner hat jedoch vom dritten Juror die Mehrzahl der
Punkte erhalten.
Majority Decision (MD) Mehrheitsentscheidung: Ein Boxer wird
von zwei Wertungsrichtern nach Addition der Punktzahlen vorne
gesehen, der dritte Punktrichter wertet den Kampf unentschieden.
Draw (D) Unentschieden: Mindestens
zwei Punktrichter haben für beide Boxer die jeweils gleiche
Punktzahl notiert. Es ist auch ein Unentschieden, falls nur ein
Punktrichter unentschieden gewertet hat, gleichzeitig die anderen
beiden Richter den jeweils anderen Boxer als Sieger gesehen haben.
Konsequenz dieser Regelungen zur Punktvergabe ist, dass die die
dritte Wertung irrelevant wird, falls zwei Punktrichter mit dem
gleichen Ergebnis werten.
Kampfabbruch
Wenn einer der beiden Boxer nach einem Niederschlag in einem
vorbestimmten Zeitraum (10 Sekunden) nicht aufzustehen vermag, ist
der Kampf durch KnocKout (Ko) entschieden. Wenn der Kampf
abgebrochen wird oder einer der Kampfteilnehmer aufgibt, ist der
Kampf durch technischen KnocKout (TKo) entschieden. Eine
Disqualifikation (s. u.) gilt nicht als TKo. Wird der Kampf nicht
vorzeitig entschieden, wird nach Ende des Kampfes die Punktwertung
der drei Punktrichter ausgewertet.
Disqualifiziert wird bei
1. als ?absichtlich� angesehenem Kopfstoß,
2. grober Unsportlichkeit, zum Beispiel Beißen, Umwerfen des
Gegners, Treten,
3. Nachschlagen, das als eindeutig absichtlich eingeschätzt wird
und Schlagwirkung hinterlässt,
4. wiederholten Tiefschlägen. Bei erstmaligem Tiefschlag wurde
nur vor Anwendung des Tiefschutzes disqualifiziert,
5. wiederholtem Ausspucken des Mundschutzes,
6. Betreten des Rings durch einen Sekundanten vor Rundenende,
auch versehentlich.
Regelunterschiede im Profiboxen
Die Regeln sind international nahezu identisch, nur in Kleinigkeiten
wird unterschieden.
1. So gibt es in den USA nicht überall das Anzählen im Stehen
(Standing Eight Count), das in Europa üblich ist.
2. Es gibt in der Regel in Titelkämpfen keine ?Three Knockdown
Rule, nach der ein Boxer, der während einer Runde drei Mal am Boden
ist, automatisch durch Ko verloren hat.
Andere strittige Punkte:
1. Kann nur der Ringrichter den Kampf stoppen oder auch der
Ringarzt?
2. Kann ein Rundengong das Anzählen eines Boxers verhindern?
3. Wird bei einer nicht durch einen Schlag entstandenen
Verletzung in den ersten vier Runden der Kampf als ?Technisches
Unentschieden�, gar nicht gewertet oder werden die Punktzettel
ausgezählt?
Notation von Profibilanzen
Bei den Profis werden Bilanzen (KampfreKord ist eine Fehlübersetzung
des englischen Ausdrucks fight record) mit
Siege-Niederlagen-Unentschieden verbucht: 13-4-2(11Ko) bedeutet 13
Siege, davon 11 vorzeitige , 4 Niederlagen, 2 Unentschieden.
Endet ein Kampf ohne Wertung (?No Contest), zum Beispiel nach
positiven Dopingproben, wird dies extra erwähnt, also
13-4-2-1(11Ko). In Klammern stehen dahinter die Siege durch KnocKout
im weitesten Sinn. In englischsprachigen Übertragungen werden die Ko-Siege oft mit dem Verweis "Inside" kenntlich gemacht-
Ko-Niederlagen werden nicht extra in der Bilanz aufgelistet.
Kampfstile
Defensiv
Lässt der Boxer den Gegner Kommen, nennt man diese Vorgehensweise
Kontern. Ein Boxer, der in der Regel so kämpft, ist ein so genannter
Konterboxer.
Man unterscheidet dabei:
a. ?Stick-and-Move� Der Konterboxer weicht vor dem angreifenden
Boxer eher tänzelnd zurück (wie Gene Tunney, Billy Conn, Muhammad
Ali, Larry Holmes, Virgil Hill), oder eher flach auf dem Boden
stehend (wie Henry Maske), was den Schlägen etwas mehr Kraft
verleiht. Dabei ist die steif geschlagene Führhand der entscheidende
Schlag, mit ihr wird der Gegner hauptsächlich auf Distanz gehalten.
Wird die Schlaghand als Gerade nachgezogen, nennt man das
Eins-Zwei-Kombination. Im englischen Sprachraum nennt man solche
Kämpfer missverständlicherweise oft einfach ?Boxer, im deutschen
Sprachraum ebenfalls missverständlich ?Stilist oder ?Techniker,
ganz so als ob Angriffsboxen keine Technik erforderte. Die
Entfernung zum Gegner etwa auf Führhandlänge (ausgestreckter
vorderer Arm), außerhalb der Hakenreichweite, nennt man ?Distanz.
b. Kontern aus reiner Oberkörperbewegung (Rollen - den Oberkörper
nach hinten und zur Seite bewegen; Abducken - den Oberkörper nach
vorn absenken) ohne zurückzugehen; in den USA nennt man solche
Kampfweise ?To give angles (?Winkel geben): Der Boxer bleibt vor
dem Gegner stehen und bewegt nur den Oberkörper. Das ergibt ein ganz
anderes Kampfbild als Stick and move und hat für den Konternden
Boxer den großen Vorteil, dass er aus der Halbdistanz schlagen kann.
Dies ist besonders die Kampfweise von James Toney, früher auch
Ezzard Charles und Michael Spinks, in Europa hat der englische
Trainer Brandon Ingle ein besonderes Faible dafür, so dass Herol
Graham, Johnny Nelson und vom Versuch her zumindest auch Naseem
Hamed so boxten. Hameds Versuch, die Hände an den Hüften zu lassen,
ist nicht schulmäßig und macht ihn anfällig für die Schlaghand des
Gegners.
c. ?In-and-Out� (deutsch ?Rein-und-Raus). In Deutschland vor allem
von Sven Ottke bekannt, aber auch der reifere Evander Holyfield, vor
allem im zweiten Kampf gegen Bowe und im ersten Duell gegen Tyson,
sowie Roy Jones Jr. kämpften so. Der Boxer vertraut auf bewegliche
Beine, schlägt selten mit der Führhand, sondern wartet auf eine
Gelegenheit zum Gegenangriff, bei dem überfallartig in der
Halbdistanz eine Kombination angesetzt wird, bevor er wieder in die
Langdistanz zurückweicht. Der Stil ist in der Regel am geeignetsten,
wenn der Gegner sowohl größer als auch physisch stärker ist.
Angriffsboxen
Wenn ein Boxer angreift, hat das unterschiedliche Gründe. In der
Regel muss der kleinere Mann den Kampf aktiv gestalten, Ausnahmen
sind die oben angesprochenen ?Rein-und-Raus-Boxer: Ein kleinerer
Mann kann aber mangels Reichweite mit der Führhand nur selten einen
größeren Gegner auf Distanz halten. Werden die eigenen körperlichen
Möglichkeiten (Schlagkraft, Nehmerfähigkeiten, etc.) im Vergleich
zum Gegner überlegen eingeschätzt, bietet sich ein offener
Schlagabtausch mit Siegchancen an. Angriffsboxer sind somit oft gute
Nehmer (Rocky Marciano, Joe Frazier, Mike Tyson, Roberto Durán,
Marvin Hagler, Jake LaMotta, Julio César Chávez, Emile Griffith,
Harry Greb oder Mickey Walker). Ist dies nicht der Fall, werden sie
vielleicht gelegentlich einen großen Kampf gewinnen (z. B. Clifford
Etiennes Sieg gegen Lamon Brewster), aber gegen gute Gegner meist
durch Ko verlieren, denn ein schwaches Kinn verlangt eine
Defensivstrategie.
Wenn ein Boxer ungewöhnlich viel schlägt, nennt man das
?Pressure-Fighter (wörtlich ?Druckkämpfer), das sind oder waren
zum Beispiel Henry Armstrong, Harry Greb, Tony Canzoneri, Mickey
Walker, Jake LaMotta, Marcel Cerdan, Emile Griffith, Roberto Durán,
Julio César Chávez, Joe Frazier, Leon Spinks, am Anfang seiner
Karriere auch Evander Holyfield und heute vor allem Ricky Hatton.
?One-Punch-KnocKouter,die offensiv boxen, werden in der Regel
nicht als ?Pressure-Fighter bezeichnet, sondern einfach nur als
?Puncher (Jack Dempsey, Rocky Marciano, Sonny Liston, Mike Tyson,
George Foreman etc.), ihr Stil ist aber fast identisch.
Im Vergleich zu reinen (offensiven) ?Punchern haben
?Pressure-Fighter den Vorteil, Konterboxer über die zahlreicheren
Treffer auspunkten zu können, während Punchern dies in der Regel
höchstens über das gesamte Kampfbild (Vorwärtsgang, Aggressivität,
Schlagwirkung etc.) gelingt. So gewann Frazier gegen Ali nach
Punkten, während bessere ?Puncher wie George Foreman auf den Ko
angewiesen waren.
Wie Joe Louis und Dariusz Michalczewski zeigten, kann auch die
Führhand eine effektive Offensivwaffe sein; mit der Führhand (und
Pendelbewegung) in den Gegner zu gehen, ist aber eher unüblich,
klassisches Angriffsboxen baut auf Oberkörperbewegung (Pendeln,
Abducken) wie bei Frazier, Tyson und Durán auf, diese ?überspringen
die Führhand einfach und gehen gleich mit Abducken in die
Halbdistanz.
Offensive Kämpfer, die in der Halbdistanz den Schlagabtausch suchen,
werden im englischen Sprachraum vor allem in den unteren
Gewichtsklassen oft auch einfach nur ?Fighter genannt, im Gegensatz
zum konternden ?Boxer�. Der Begriff wird nahezu synonym mit
?Pressure-Fighter verwendet, letzteres betont mehr die besonders
hohe Zahl von Schlägen.
Verbände (Profiboxen)
Im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten und auch dem Amateurboxen
(AIBA) gibt es beim Profiboxen keine zentrale Organisation, die
weltweit alle wichtigen Landesverbände umfasst und somit auch das
alleinige Recht hat, den Titel ?Weltmeister zu vergeben.
Stattdessen gibt es eine große Anzahl von Verbänden, die etwas
missverständlich ?Weltboxverbände genannt werden. Es handelt sich
dabei allerdings eher um gewinnorientierte Unternehmen, so dass ein
Vergleich mit anderen Sportverbänden nur schwer gezogen werden kann.
Vielmehr geht es im Boxen sehr stark um das Geld, das bei der
Veranstaltung eines Boxkampfes fließt. Man versucht, zwei
vermarktbare Kontrahenten für einen Kampf zu engagieren, um die
Einnahmen so weit wie möglich zu erhöhen, da die Gebühr der Verbände
in der Regel drei Prozent der Kampfbörsen beträgt.
Vor den 1960er-Jahren
Vor den 60er-Jahren war praktisch nur der Disput zwischen der
?National Boxing Association� (Vorläuferin der ?World Boxing
Association WBA, damals noch in den USA ansässig) und der ?New York
State Athletic Commission (NYSAC) von Bedeutung, die gelegentlich,
aber nicht dauerhaft Gegenweltmeister aufstellte. Das war von
Bedeutung, weil viele wichtige Box-Arenen, wie der Madison Square
Garden, das Yankee-Stadium und das Baseballstadion Polo Grounds in
New York standen.
Die europäische Gegenorganisation ?International Boxing Union� (die
nichts mit dem 1996 gegründeten, völlig unbedeutenden IBU-Verband zu
tun hat) war weniger einflussreich, da zu dieser Zeit nur wenige
Europäer (Ted Lewis, Jimmy Wilde, Benny Lynch, Randy Turpin, Georges
Carpentier, Marcel Cerdan, Max Schmeling, Ingemar Johansson) sich
mit den US-Amerikanern messen konnten. Auf der anderen Seite boxten
auch nur selten Ausländer wie Panama Al Brown und Jack Johnson in
Europa. Die IBU gilt als Vorläuferin der Europäischen Box Union und
hat eher kontinentale Bedeutung. Teilweise stellte auch das
Britische Empire einen ?British Empire World Champion�.
Ab den 1960er Jahren
Ab den 60er Jahren ließ die relative Macht der NYSAC stetig nach,
Joe Frazier war der letzte bedeutende Weltmeister, der von ihr gegen
die WBA anerkannt wurde und auch den WBAChamp Jimmy Ellis in einem
Vereinigungskampf schlug.
In den 60ern und 70ern etablierte sich schließlich eine
Konkurrenzsituation zwischen der WBA und dem teils auf der NYSAC
aufbauenden ?World Boxing Council, aus der in den den 80er Jahren
durch die Gründung der ?International Boxing Federation und der
?World Boxing Organization� ein Vierkampf wurde.
Diese vier Verbände sind heute besonders einflussreich:
* WBA: 1920 in den USA als National Boxing Association
gegründet, 1962 in den aktuellen Namen umbenannt, Sitz in Venezuela
* WBC: 1963 als Konkurrenz zur WBA gegründet,
jetzt in Mexiko
* IBF: 1983 wegen Meinungsverschiedenheiten mit der WBA
gegründet mit Sitz in den USA
* WBO: 1988 gegründeter Verband mit Sitz in Puerto Rico
Ihr Einfluss liegt darin, dass sie bekannte Boxer und Promoter davon
überzeugen können, um ihre Titel zu boxen und ihnen einen Anteil
ihrer Kampfbörse für ihren ?Titel� zu überlassen. Um große Gelder
geht es nur bei diesen vier Verbänden, weil Titelhalter bei den
auflagenstarken Fachzeitschriften wie dem ?Ring Magazine� (oder in
Deutschland z. B. dem ?Boxsport�) hoch eingestuft werden. Es lohnt
sich für einen guten Boxer nicht, um Titel abseits dieser Verbände
zu boxen. In der Regel wird er, wenn er den Titel einer
Konkurrenzorganisation hält, auch aus den Ranglisten der alten
Verbände entfernt. In Japan und Südkorea waren (und sind
wahrscheinlich auch heute noch) nur WBA und WBC als die ältesten
Verbände erlaubt.
Die dabei vergebenen ?Weltmeister�-Titel sind allerdings immer mit
einem Hinweis versehen, bei welchem Verband dieser erworben wurde.
In der öffentlichen Wahrnehmung gibt es also immer vier
Weltmeister-Titel. Allerdings gibt es für die Boxer die Möglichkeit,
mehrere der Titel zu vereinigen. Im Schwergewicht kommt dies recht
häufig vor, weil die Fans hier intoleranter gegenüber aufgeteilten
Titeln sind. Allerdings hängt es von der Zustimmung des Verbandes ab
- dass diese verweigert wird, ist in der Vergangenheit schon häufig
passiert.
So war es in der Regel früher nicht möglich, die Titel von WBC und
WBO dauerhaft miteinander zu vereinigen. Es kam zwar zu Kämpfen,
aber hinterher musste der Sieger sich für den Verband seiner Wahl
entscheiden.
Bis 2002 waren auch WBO und WBA so verfeindet, dass es nicht mal zu
Vereinigungen kam. So musste beispielsweise Dariusz Michalczewski
seinen WBO-Titel im Kampf gegen Virgil Hill ruhen lassen und war auf
dem Papier titelloser Herausforderer. Nach dem Sieg wurde ihm der
gewonnene WBA-Titel jedoch aberkannt, da er sich entschied, seinen
WBO-Titel zu behalten. Die erste akzeptierte Vereinigung der WBO-
und WBA-Titel fand 2002 zwischen Acelino Freitas und Joel Casamayor
statt.
Das Prestige der einzelnen Verbände unterscheidet sich leicht.
Allerdings ist es schwer, einen zu benennen, der unumstritten ist.
Jeder der Verbände hatte in seiner Geschichte zweifelhafte
Ereignisse. So gab es häufig Diskussionen über fragwürdige
Kampfentscheidungen. Aber auch finanziell gab es schon Turbulenzen.
So stand der WBC schon nach Querelen um Graciano Rocchigiani, siehe
dort, kurz vor der Pleite.
Zwei weitere Verbände sind noch am Rande erwähnenswert:
* IBO (International Boxing Organization) ist deswegen relativ
bekannt, weil sie die unabhängige Computerrangliste IWBR gekauft
hat, es allerdings nie geschafft hat, daraus Kapital zu schlagen.
Sie hatte jedoch schon mehrere Boxer als Titelträger, die in den
unabhängigen Ranglisten als Nummer Eins gewertet wurden, obwohl sie
zu dem Zeitpunkt keinen Titel der anderen Weltverbände hielten. Ein
prominentes Beispiel war Antonio Tarver, der nach seinem Sieg über
Roy Jones jr. linearer Weltmeister wurde und als ?richtiger
Halbschwergewichtsweltmeister� galt, bis er gegen Hopkins verlor.
* WBU (World Boxing Union) ist ein Verband, der praktisch nur in
Südafrika und vor allem in Großbritannien von Frank Warren
unterstützt wird. Dessen früherer WBU-Halbweltertitelträger Ricky
Hatton schlug den linearen Weltmeister Kostya Tszyu und wurde damit
anerkannter, unumstrittener Weltmeister der Klasse, gab aber den WBU
Titel ab.
Weitere, praktisch einflusslose Verbände sind unter anderem: GBA,
GBC, GBF, GBO, IBA, IBC, IBU (nicht zu verwechseln mit dem
historischen Verband IBU), NBA (nicht zu verwechseln mit dem
Vorgängerverband der WBA), PBO, UBC, UBF, WAA, WBB, WBE, WBF, WBN,
WBL und der WCOB.
Vergabe der "regionalen Titel"
Die Weltverbände vergeben, abgesehen von den
Weltmeisterschaftstiteln, auch einige regionale Meisterschaften. Der
Hauptgrund dafür ist, dass die Verbände sich durch so genannte
Sanktionsgebühren, die sie vom Veranstalter verlangen bzw. auf die
Kampfbörsen der Boxer erheben, sich zusätzliche Einnahmen sichern
können. Daher haben auch Boxer, die von ihrer Staatsbürgerschaft
her, eigentlich gar nicht in diese Regionen gehören, um diese Titel
gekämpft. Die Boxer können sich mit diesen Titeln Ansehen
verschaffen, aber der wichtigste Vorteil besteht darin, dass sie
sich bei der Aufstellung der Ranglisten Vorteile erhoffen können.
Die wichtigsten Titel sind die Interkontinental-Titel, die sich auf
keine spezielle Region beschränken und bei mehrfacher Verteidigung
(in der Regel drei) zur Nominierung als Pflichtherausforderer des
Weltmeisters führen können. Außerdem vergibt jeder der großen vier
Verbände einen US-Meistertitel. Diese Titel werden im Allgemeinen
von regionalen, dem Verband untergeordneten Boxkommissionen
vergeben. Beispiele hierfür sind unter anderem:
* WBA-NABA: Diese Unterorganisation vergibt den
Nordamerika-Titel der WBA. Bekannte (ehemalige) Titelträger sind
unter anderem Nikolai Valuev, bei dem sich das oben genannte
Kuriosum zeigt, denn theoretisch könnte ein Russe ja kein
Nordamerikameister sein, John Ruiz und Edison Miranda
* WBC-Mediterranean-Titel: Diese Titel werden ab 2007 vergeben
und werden als relativ unbedeutend angesehen. Sie umfassen die
Länder des Mittelmeerraums. Der bekannteste Titelträger ist der
türkische Schwergewichtsboxer Sinan Samil Sam, der sich den Titel am
19. Oktober 2007 gegen den Kroaten Ivica Percovic durch eine
einstimmige Punktentscheidung gesichert hat.
Weitere Beispiele sind der WBO-Asia-Pacific-Titel, der
WBA-Fedelatin- Titel und der IBF-Pan-Pacific-Titel.
Boxen als olympische Sportart
Modus
Die Kampfzeit bei den Olympischen Spielen beträgt vier mal zwei
Minuten (effektiv), mit drei Pausen zu je einer Minute. Ein
Ringrichter leitet den Kampf, fünf Punktrichter bewerten ihn nach
einem festgelegten Punktsystem. Seit den Spielen 1996 werden die
besten Boxer nach der Weltrangliste (ähnlich wie im Tennis) gesetzt.
Boxen ist die einzige olympische Sportart, bei der nur Amateure
zugelassen sind und eine der wenigen olympischen Disziplinen, die
immer noch Frauen an der Teilnahme ausschließen. Das Exekutivkomitee
des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) hat es bisher
abgelehnt, Frauen-Boxen als Demonstrationssportart ins Programm der
Sommerspiele 2008 in Peking aufzunehmen.
Olympische Geschichte
In das moderne olympische Programm wurde Boxen erstmals 1904 in St.
Louis aufgenommen. Es nahmen allerdings nur Amerikaner teil,
insgesamt 44 in sieben Gewichtsklassen (Fliegen, Bantam, Feder,
Leicht, Welter, Mittel und Schwer). Hinzu kamen bis heute Halbschwer
(1920), Halbwelter und Halbmittel (1952) sowie Halbfliegen (1968).
1984 wurde das Schwergewicht unterteilt in die Klassen bis 91
Kilogramm Körpergewicht (Schwer) und über 91 Kilogramm
(Superschwer).
In London 1908 traten nur 42 Boxer aus vier Ländern (32 Engländer,
sieben Franzosen, zwei Dänen und ein Australier) in nur fünf
Gewichtsklassen (Bantam, Feder, Leicht, Mittel und Schwer) an, wobei
als einziger Nicht-Engländer der Australier Baker einen Spitzenplatz
(Zweiter im Mittelgewicht) errang.
In Stockholm 1912 gab es kein olympisches Boxturnier, weil Boxen
damals in Schweden verboten war. Von 1920 bis 1948 wurde dann in
acht, von 1952 bis 1964 in zehn und von 1968 bis 1984 in elf
Gewichtsklassen gekämpft. Seit 1936 wird der technisch beste Boxer
der Spiele mit dem Val-Barker-Pokal ausgezeichnet.
Popularität
Boxen ist eine der populärsten Sportarten weltweit. Als eine der
ältesten Wettkampfarten des Menschen hat diese Popularität eine
lange Tradition und ist beispielsweise Teil der olympischen Spiele,
seit diese 1896 wiederbelebt wurden. Heutzutage sind
Schwergewichtskämpfe um die Weltmeisterschaft die bestdotierten
Sportwettbewerbe überhaupt. In Deutschland gilt der Boxer Max
Schmeling als populärster Sportler, obwohl seine aktive Zeit über 60
Jahre zurückliegt.
Gleiches gilt im Weltmaßstab für Muhammad Ali,
der in den 1960er- und 1970er-Jahren weit über den Boxsport hinaus
bekannt wurde. In den 1990er-Jahren erreichte der Sender RTL in
Deutschland mit Boxübertragungen Marktanteile von über 70 Prozent.
Bis zu 18 Millionen TV-Zuschauer verfolgten WM-Kämpfe von Axel
Schulz und Henry Maske vor den Bildschirmen. Die Musiktitel
?Conquest of Paradise und ?Time to Say Goodbye verkauften sich
insgesamt fast fünf Millionen mal, wobei ?Time to Say Goodbye Maske
gewidmet wurde, als dieser zu seinem vorerst letzten Kampf antrat.
Henry Maske hat 2007 Sportgeschichte geschrieben: Zehn Jahre nach
seiner knappen Punktniederlage gegen Virgil Hill gewann Henry Maske
den Revanche-Kampf gegen den US-Amerikaner.
Allerdings ist das Boxen aufgrund der offen zur Schau gestellten
Gewaltausübung, der Gefahr für die Gesundheit der Sportler und
seiner Anziehungskraft für das Halbweltmilieu keineswegs
unumstritten. Erst durch den Boxer Henry Maske wurde das Boxen durch
RTL in Deutschland einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht
und gewann an großer Popularität, die bis heute ungebrochen ist.
Verletzungsrisiko
Das Verletzungsrisiko beim Boxen ist umstritten. Auf der einen Seite
fordert die BMA (Gewerkschaft der britischen Ärzte) ein generelles
Boxverbot aufgrund des gesundheitlichen Risikos. Auf der anderen
Seite wird argumentiert, dass die Boxer unter Aufsicht des Trainers
sowie dem Ringrichter, den Punktrichtern und dem Ringarzt stehen.
Diese können einen Kampf abbrechen, wenn die Gesundheit des Boxers
schwerwiegend gefährdet ist (Technischer Ko).
Profiboxen
1945 bis 1979 ereigneten sich 335 Todesfälle im Ring. 1980 wurden
die Sicherheitsbestimmungen verschärft. Seit 1990 sind 140
Todesfälle bekannt, jedoch sind im Gegensatz zur vorherigen Anzahl
die Trainingsunfälle mit einberechnet. Prominente Todesfälle sind
Choi Yo Sam, Leavander Johnson, Martin Sanchez
Amateurboxen
Die strengen Schutzvorschriften und der damit verbundene Kopfschutz,
die 10-Unzen-Handschuhe sowie die Beschränkung des Wettkampfes auf 4
Runden senken das Gesundheitsrisiko enorm. Todesfälle wie im
Profiboxen sind nicht bekannt.
Gesetzliche Verbote
In Norwegen, Kuba, Iran und Nordkorea ist professionelles Boxen
verboten, Kämpfe finden lediglich auf Amateurstatus statt. In
Schweden wurde 2006 das seit 36 Jahren bestehende Verbot teilweise
aufgehoben. In Deutschland bestand bis 1918 ein polizeiliches
Boxverbot, jedoch wurde bereits 1912 der erste deutsche Boxverein
(SV Astoria Berlin) gegründet," stellt die Internetenzyklopädie
Wikipedia die Sportart vor.
Graf ist Jahrgang 1939. Man schreibt das Jahr 1957, als Graf über
den Fußball zum Boxen findet. "Ich weiß nicht, woran es liegt. Aber
Boxen war damals in der Öffentlichkeit noch wesentlich populärer.
Boxen hatte damals noch etwas mit Sport zu tun; Show und Geld
standen da noch nicht im Vordergrund." Zweimalige
Bezirksmeisterschaften sollten die sportliche Laufbahn, die bis 1970
dauerte, krönen.
Und heute? In Rumeln, also tief im Westen fast schon an der Grenze
zum Niemandsland, und vor allem in einem Keller sind die
Räumlichkeiten der Boxstaffel untergebracht. Ein paar Schlagsäcke
hängen an der Decke. Eine schätzungsweise 20 Meter lange Laufbahn
erinnert irgendwie an eine Kegelbahn. Eine größere Matte auf dem
Boden markiert den fiktiven Boxring. Von den großen Boxarenen, die
wir aus dem Fernsehen kennen, ist hier nichts zu sehen.
"Wir sind einer von 17 Boxvereinen am Niederrhein," berichtet Graf,
nur um jammernd fortzufahren: "Hinsichtlich der Geräte haben wir
alles, was wir brauchen, Nur - geboxt wird hier nicht." Und
tatsächlich: 20 Leute aller Altersstufen treffen sich hier
regelmäßig dienstags und donnerstags um 19.30 Uhr zum Training.
Aber: Mehr als Konditionstraining liegt eben nicht vor. Lediglich
Marc Laumen ist aktiver Boxer und mehrfacher Duisburger und
Niederrheinmeister.
"Im Duisburger Norden ist mehr los. Dort boxen aber auch viel mehr
Türken und Russen. Bei denen besitzt Boxen noch einen anderen
Stellenwert. Ohne den Fall der Mauer wären viele Boxvereine in
Westdeutschland vielleicht heute schon ganz kaputt. Und außerdem,"
schimpft Graf, "gehört die heutige Jugend einer Pommes - Generation
an. Sich Thai- und Kickboxen im Fernsehen anzuschauen ist noch immer
besser als sich vermeintlich wehzutun. Ein technisches Boxen ist
heute nicht mehr möglich. Wenn ich viele Treffer lande, bin ich
schnell Sieger. Es geht nur noch um viel Geld."
Doch wie dem Trend entgegensteuern? Boxveranstaltungen kosten Geld
und ehrenamtliches Engagement. Allein die abgeschiedene Lage reizt
nicht zur Anreise. Der Verein wird sich rühren müssen, will er
Erfolg haben.
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